Frankfurt

Frankfurt setzt auf Straßenbahn

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Stadt will neue Linien und längere Bahnen auf die Strecke bringen. Doch erst muss das Nadelöhr Hauptbahnhof umgebaut werden.

Um das steigende Verkehrsaufkommen in der Stadt zu bewältigen, will Frankfurt zukünftig vor allem auf die Straßenbahn setzen. Da die Kapazität des umweltschonenden Verkehrsmittels im vergangenen Jahr auf einigen Streckenabschnitten aber schon erreicht war, will die Stadt zunächst die vorhandenen Möglichkeiten besser nutzen, wie Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling am Montag erläuterte: „Es ist an der Zeit, unser Straßenbahnnetz grundsätzlich neu zu ordnen.“

In einer ersten Maßnahme sollen überlastete Streckenabschnitte durch zusätzliche Linien ergänzt werden. So soll eine Linie 19 von der Friedberger Warte bis zur Stadtgrenze Offenbach fahren und damit die Linien 18 und 16 entlasten. Es gibt damit auch erstmals eine Direktverbindung zwischen Oberrad, Konstablerwache und Preungesheim. Die bisherige 19 war nur eine Verstärkungslinie zwischen Schwanheim und Louisa und soll künftig entfallen. Eine Linie 20 soll dem neuen Konzept zufolge von der Bürostadt in Niederrad bis zum Rebstockbad fahren und damit die Linien 12 und 17 verstärken.

Für die neue Linie 13 zwischen Industriehof und Heilbronner Straße sollen auch zwei Streckenabschnitte reaktiviert werden, die viele Jahre lang nicht mehr genutzt wurden. Die Linie 14 soll bis Nied verlängert werden, die Linie 21 fährt künftig vom Stadion bis Ginnheim.

Straßenbahnen gibt es in Frankfurt seit 1872. Im Zuge des Umbaus zu einer autogerechten Stadt in den 1960er und 70er Jahren wurden allerdings viele Linien eingestellt. „Bei mancher Linie wären wir froh, wenn wir sie heute hätten“, so Verkehrsdezernent Oesterling. Manche Gleise wurden entfernt, andere nur noch innerbetrieblich genutzt. Diese sollen jetzt reaktiviert werden wie in der Schloßstraße in Bockenheim und in der Mannheimer Straße im Gutleutviertel. Ab den 90er Jahren gab es wieder ein Umdenken und eine Rückbesinnung auf die Straßenbahn. Da dies allerdings ohne grundlegendes Konzept erfolgte, gibt es heute einen gewissen Flickenteppich. „Es gibt überall im Netz Stolperumstiege“, so Oesterling. Um diese zu beseitigen, sollen nach der neuen Planung alle Linien einheitlich im Zehnminutentakt verkehren. Die stark frequentierten Linien, die bislang im 7,5-Minuten-Takt fuhren, werden dafür entweder durch neue Linien ergänzt oder aber erhalten längere Züge. So soll die am stärksten frequentierte Linie 11 ab kommendem Jahr mit Langzügen fahren, die 40 statt wie bisher 30 Meter lang sind.

Für alle anderen im Konzept vorgesehenen Maßnahmen gibt es bislang noch keinen festen Zeitplan, wie Tom Reinhold von der Verkehrsgesellschaft Traffiq einräumen musste. Der Grund dafür sind die notwendigen Umbaumaßnahmen, für die es noch keinen Zeitplan gibt. Das Nadelöhr ist der Frankfurter Hauptbahnhof. Auf dem Abschnitt zum Platz der Republik sind derzeit stündlich 42 Straßenbahnen im Einsatz, die mehr als 54 000 Fahrgäste befördern. Um die Kapazität erhöhen zu können, muss das Nadelöhr Hauptbahnhof vier- statt wie bislang zweispurig werden.

Der Zeitpunkt des Ausbaus wird sich an der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes durch die Deutsche Bahn orientieren müssen, so Oesterling. Noch fernere Zukunftsmusik ist, die Linie 21 als Ring-Straßenbahn von Ginnheim über Friedberger Warte und Bornheim bis Fechenheim fahren zu lassen. Dies werde noch mindestens zehn Jahre dauern. Siehe auch Seite F4

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