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Frankfurt: Seit 75 Jahren für benachteiligte Menschen aktiv

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Von: Steven Micksch

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1953 kamen 50 000 Menschen zum Deutschen Kriegsopfertag nach Frankfurt.
1953 kamen 50 000 Menschen zum Deutschen Kriegsopfertag nach Frankfurt. © VdK Hessen

Der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen feiert seinen 75. Geburtstag und verliert in der aktuellen Krise nicht an Relevanz.

Zuerst stellt sich die Frage, ob die Abkürzung VdK für den Sozialverband, der seit 75 Jahren in Hessen besteht, immer noch aktuell ist. Bei der Gründung 1946 stand sie für „Verband der Körperbehinderten, Arbeitsinvaliden und Hinterbliebenen“. 1947 entstanden die ersten Geschäftsstellen. „Unser Landesvorsitzender Paul Weimann erklärt gerne: Die Initialen stehen für ‚Verband der Kämpfer‘“, sagt Silke Asmußen, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim VdK Hessen-Thüringen. Und das würde sehr gut passen. Zudem seien die Buchstaben einprägsam.

Die Klientel des Verbands hat sich im Laufe der Jahrzehnte erweitert. Waren es anfangs hauptsächlich Kriegsopfer und ihre Hinterbliebenen, sind heute Menschen mit Behinderungen, chronisch Kranke, ältere und jüngere Menschen, aber auch Familien Mitglieder. Der Sozialverband biete ein großes Leistungsspektrum für Menschen aller Generationen.

Oberstes Ziel bleibe es, sozial benachteiligten Menschen zu helfen. „Unser Motto ist: Wir lassen keinen allein! Für uns ist jeder wichtig!“ Dafür wahrt der Verband politische, religiöse und weltanschauliche Unabhängigkeit. Um den Menschen zu helfen, vertritt der bundesweite Verband die Interessen seiner Mitglieder. Sei es bei Aktivitäten am Infostand, bei regionalen Podiumsdiskussionen, Demos oder durch die Teilnahme an Gremien, wie jüngst beim hessischen Sozialgipfel, auf dem es gelang, mit dem Land 200 Millionen Euro zu verhandeln, um bedürftigen Menschen bei den Energiekosten zu helfen. „Jetzt hoffen wir, dass die Hilfen noch in diesem Jahr bei den Menschen ankommen.“

Auf der anderen Seite biete man sozialrechtliche Information, Beratung und Vertretung für die Mitglieder an. Gerade beim Stellen von Anträgen auf Erwerbsminderungsrente oder auf die Anerkennung eines Grades der Behinderung werde häufig Unterstützung benötigt. Auch Wohn- und Fachberatungen zum Thema Barrierefreiheit und deren baulicher Umsetzung bietet der VdK.

Als Kernthemen des Verbands nennt Asmußen Pflege, Armut, Rente und Barrierefreiheit. Beim ersten Punkt stehe derzeit die häusliche Pflege im Fokus. Studien des VdK Hessen-Thüringen und des VdK Deutschland hätten alarmierende Ergebnisse aufgezeigt. Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, klagten demnach insbesondere über zu wenig Information, Beratung und Begleitung im Pflegealltag. Auch die Überlastung der Pflegenden sei immens. Der Verband möchte Abhilfe schaffen und setzt sich für eine deutliche Verbesserung der Rahmenbedingungen in der privaten Pflege ein, unter anderem für ausreichend Plätze in der Tages-, der Nacht- und in der Kurzzeitpflege, ein einheitliches Budget für alle Unterstützungsleistungen und einen weiteren Ausbau der Pflegestützpunkte.

Der verband

Der VdK Hessen-Thüringen hat mehr als 286 000 Mitglieder, der Bundesverband mehr als 2,1 Millionen.

Finanziert wird die Arbeit des Verbands durch die Mitgliederbeiträge und Spenden. Aktuell kostet der Beitrag 66 Euro pro Jahr.

Das Herzstück des VdK ist die Arbeit der Ehrenamtlichen, ohne die kaum ein Angebot des Verbands möglich wäre.

Der 75. Geburtstag wird am Montag, 11 Uhr, mit einem Festakt im Sheraton Hotel Offenbach begangen. mic

Das Thema Armut ist durch die aktuelle Situation besonders relevant. Durch die Preiserhöhungen vor allem in den Bereichen Energie und Lebensmittel drohen immer mehr Menschen in die Armut zu rutschen. Hier braucht es aus Sicht des VdK dringend Entlastungen. Beim Schwerpunkt Rente kämpft der VdK für eine Erwerbstätigenversicherung, in die alle Erwerbstätigen einzahlen. Dadurch würde ausreichend Geld zur Finanzierung des gesetzlichen Rentensystems zur Verfügung stehen.

Bei der Barrierefreiheit besitzt der Verband seit 1993 große Expertise. Dort wurde in Frankfurt eine Fachstelle gegründet, in der heute etwa 60 ehrenamtliche Wohn- und Fachberater:innen Ratsuchenden zur Seite stehen. „Von Barrierefreiheit profitiert jeder, beispielsweise auch Eltern mit Kinderwagen.“

Die VdK-Junioren bringen das Thema Inklusion in jüngere Zielgruppen. So werden Schüler:innen durch ihre Aktionen dafür sensibilisiert, wie es ist, mit einer Beeinträchtigung zu leben. Auf einem Parcours werden die alltäglichen Herausforderungen etwa von Rollstuhlfahrenden oder Blinden nähergebracht.

Für Kindergartenkinder gibt es das VdK-Bilderbuch über den Papagei „Käpt’n Kork“. Als er seiner älteren Besitzerin entfliegt, muss sie ihn mit Hilfe des Großneffen suchen. Mit dem Rollator begegnet sie dabei alltäglichen Hürden. Verbunden mit einem Spaziergang in ihrem Ort können die Kinder so lernen, wo es für mobilitätseingeschränkte Menschen Hindernisse gibt und wie sich diese beseitigen ließen.

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