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Die Fahrrad-Demo gegen Autoverkehr im Frankfurter Osten führte von Seckbach über Bornheim in den Riederwald.

Frankfurt-Ost

Frankfurt-Seckbach: Fahrraddemo gegen Verkehrssituation 

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Mit einer Fahrraddemo machen Anwohnerinitiativen auf die im wahrsten Wortsinn verfahrene Verkehrssituation im Frankfurter Osten aufmerksam.

Eine ganz normale Fahrradtour wäre wohl ins Wasser gefallen. Für die Teilnehmer der Fahrrad-Demo am vergangenen Samstag allerdings war die Motivation stärker als der Regen. Rund 80 Erwachsene und Kinder machten sich am Vormittag an der Seckbacher Leonhardsgasse auf den Weg und radelten ihre „liebsten verhassten Straßenzüge“ im Frankfurter Osten ab. Die Bürgerinitiativen Riederwald (BIR) und Verkehrsberuhigung Wilhelmshöher Straße hatten zur Demonstration aufgerufen, um sich gegen „Blechkarossen“ und ihre Begleiterscheinungen zu positionieren und die Verkehrswende zu propagieren.

„Wir danken allen, die Bahn und Bus nehmen, Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen“, war immer wieder aus dem Megafon zu hören, wenn sich die Demonstrierenden Haltestellen und Fußgängerzonen näherten. Der Zug aus Sitz-, Liege- und Lastenrädern, Tandems – Bundestagsabgeordneter Ulli Nissen (SPD) nahm mit rotem E-Roller teil – hat sich eine vom Verkehr belastete Route vorgenommen: Wilhelmshöher Straße und Seckbacher Landstraße, Saalburgallee und „Am Erlenbruch“. Letztere ist die Straße mit dem höchsten gemessenen Stickstoffwert der Stadt. Die Motivation der Teilnehmer war unterschiedlich, über die Ideen, wie den Verkehrsüberlastung begegnet werden könnte, zeigte man sich einig.

Das Auto muss nicht das Hauptverkehrsmittel sein

„Ich wohne seit 1990 am Erlenbruch“, sagte Catherine Beroud. „Man kann im Riederwald sonst so schön wohnen, aber der Verkehr ist unerträglich.“ An der Wilhelmshöher Straße schiebe er das Fahrrad normalerweise den Gehsteig entlang, sagt Thomas Protz. „Dort zu fahren ist zu gefährlich. Die Straße verträgt die Autos nicht mit dieser Geschwindigkeit und dieser Menge.“

„Überlegen Sie sich vor jeder Autofahrt, ob Sie jede zweite oder dritte Strecke nicht auch mit Rad oder der Bahn zurücklegen können“, tönt es durch die Straße. „Verbrenn doch deine eigene Energie“, ist auf einem Pappschild zu lesen. Anwohner schauen aus den Fenstern.

Wachrütteln und zeigen, dass das Auto nicht das erste Verkehrsmittel sein muss möchte Angelika Groß aus Seckbach. „Ein Gesamtkonzept“ wünscht sich Michael Groß. „Die Stadt wächst. Zu einem gesunden Wachstum gehört auch, den Verkehr frühzeitig mitzudenken.“ Andrea Janson, Elternbeirätin der Pestalozzischule, und ihre Töchter wollten „Präsenz zeigen“. Die Grundschule ist stark von den Bauarbeiten am Riederwaldtunnel betroffen. „Bei der wechselnden Verkehrsführung ist es schwer, den Kindern einen Schulweg beizubringen, den sie sich zutrauen“, so Janson.

„Zone 30 auf Hauptverkehrsachsen einführen, Hanau und Maintal in den Tarifverbund Frankfurt aufnehmen“, nennt Reiner Frey von der BI Riederwald die Forderungen, die Umsteigen attraktiver machen könnten. Eine City-Maut etablieren, um das „preisliche Unverhältnis zwischen öffentlichem Nahverkehr und Auto auszugleichen“, außerdem Park- and-Ride-Plätze schon vor dem Stadtrand, fordert Heiko Nickel von der Verkehrsberuhigung Wilhelmshöher Straße und Radentscheid Frankfurt.

„Leider ist mit dieser Demonstration die Verkehrswende nicht geschafft“, so die Veranstalter an der Endstation Schäfflestraße. Sie riefen dazu auf, sich an der großen Fahrraddemonstration zur IAA am kommenden Wochenende zu beteiligen.

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