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Frankfurt: Schwuler Aktivist als Flüchtling anerkannt

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Von: Kathrin Rosendorff

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Abdelkarim Bendjeriou-Sedjerari kann nun ohne Angst leben.
Abdelkarim Bendjeriou-Sedjerari kann nun ohne Angst leben. © dpa

Die Zeit der Angst vor Abschiebung ist vorbei: Das Bundesamt entscheidet im Fall des gebürtigen Algeriers Abdelkarim Bendjeriou-Sedjerari neu. Jetzt kann der 35-Jährige frei mit seinem Freund in Frankfurt leben.

Die jahrelange Angst vor Abschiebung und um sein Leben ist vorbei: Der homosexuelle Geflüchtete Abdelkarim Bendjeriou-Sedjerari aus Algerien darf nun doch in Hessen bleiben. Wie am Freitag bekanntwurde, hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) den Asylantrag des 35-Jährigen, der in Frankfurt lebt, jetzt positiv entschieden. „Ich habe einen Luftsprung gemacht und erst mal geschrien“, sagte Bendjeriou-Sedjerari dem Hessischen Rundfunk.

Der Fall Bendjeriou-Sedjerari, der seit mehr als drei Jahren gegen seine Abschiebung kämpfte, hatte im vergangenen Sommer für bundesweites Aufsehen gesorgt. Trotz seiner HIV-Infektion und seines öffentlichen Einsatzes für die Rechte queerer Geflüchteter hatte das Bamf seinen Asylfolgeantrag zunächst abgelehnt. Zuletzt war er im August 2022 vor dem Frankfurter Verwaltungsgericht gescheitert. Er könne Verfolgung in seinem Heimatland entgehen, wenn er diskret und unauffällig lebe, hieß es. „Ich will ohne Angst leben können“, betonte er vor Gericht. In Algerien sei er von einem Arbeitskollegen erpresst worden, der durch Handyvideos von seiner Homosexualität erfahren hatte.

Neue Dienstanweisung

Bendjeriou-Sedjerari, der fließend Deutsch mit hessischem Dialekt spricht und eine Ausbildung zum Elektriker machte, betonte, dass er in Algerien um sein Leben fürchten müsse.

Der Grund für die neue Bamf-Entscheidung ist neben einer erneuten Anhörung durch eine Sonderbeauftragte auch die neu in Kraft getretene „Dienstanweisung Asyl“ des Bundesinnenministeriums: Seit Oktober 2022 sollten die Entscheiderinnen und Entscheider bei der Prüfung der Gefährdung von queeren Geflüchteten in ihren Herkunftsstaaten immer davon ausgehen, dass die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität offen gelebt wird. „Niemand darf sich gezwungen fühlen, ein gefährliches Doppelleben zu führen“, hatte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) begründet.

Der Verweis auf ein diskretes Leben sei nicht mehr zulässig. „Seit dem 1. Oktober hat sich wirklich etwas geändert. Da muss man das Bamf auch mal loben“, sagte Knud Wechterstein, Koordinator für queere Geflüchtete bei der Aids-Hilfe Frankfurt. Das betreffe nicht nur den Fall von Bendjeriou-Sedjerari. Auch queere Flüchtlinge aus Äthiopien, Guinea, Jamaika, dem Iran und Marokko seien ihm bekannt, die nach einer neuen Anhörung einen positiven Bamf-Bescheid erhielten.

Der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Kaweh Mansoori (SPD) begrüßte die Entscheidung. Mansoori war, wie er am Freitag mitteilte, mit Bekanntwerden des Falls von Abdelkarim Bendjeriou-Sedjerari auf die Bundesinnenministerin zugetreten und hatte gemeinsam mit dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) und der Aidshilfe auf das „Diskretionsgebot“ aufmerksam gemacht. „Menschen zu raten, ihre Sexualität nicht auszuleben, war unmenschlich“, sagte er. Bendjeriou-Sedjerari ist mehr als glücklich. So sagte er dem HR: „Ich muss niemandem mehr etwas vorlügen. Hier kann ich der echte Abdelkarim sein.“ In Frankfurt könne er mit seinem Freund öffentlich auf der Straße Händchen halten und sich küssen. Ohne Angst. mit dpa

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