Die Schwanheimer Dünen als Müllhalde.

Frankfurt-Schwanheim

Ärger in der Schwanheimer Düne: Besucher hinterlassen Müll und fangen Tiere ein

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Im Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne halten sich Besucher nicht an die Regeln, trampeln abseits der Wege, fangen Tiere ein. Die Naturschutzbehörde verzweifelt.

  • Im Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne in Frankfurt gibt es Ärger.
  • Einige Besucher des Frankfurter Naturschutzgebiets benehmen sich daneben.
  • Auch unter der Corona*-Krise leidet die Schwanheimer Düne.

Frankfurt-Schwanheim - Im Kinderbuch vom Kleinen Nick steht die Geschichte von Herrn Bordenau, der was gegen die Sonne hat. Wenn die scheint, muss der Hilfslehrer Nick und seine Kameraden auf dem Pausenhof beaufsichtigen. Und meist macht die Rasselbande Quatsch.

Hermann Klimroth fühlt sich oft wie Herr Bordenau. Dem Schwanheimer Stadtbezirksvorsteher graut fast vor dem anstehenden Wochenende. Viel Sonne, 18 bis 21 Grad, verspricht der Wetterbericht. Die Menschen werden sich bevorzugt im Freien aufhalten. Und womöglich Quatsch machen: Müll hinterlassen, durchs Grün trampeln.

Frankfurt: Sorge um das Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne

Zumindest schlägt die Obere Naturschutzbehörde in Darmstadt Alarm. Sie sorgt sich ums Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne. Dort ist das Betreten der Wiesen verboten. Besucher sollen auf dem Bohlenweg bleiben und die Fauna nicht stören. Sie sollen auch kein Feuer machen, nicht zelten, grillen oder querbeet Rad fahren, ihre Hunde anleinen und keine Pflanzen pflücken. All das tun sie aber.

„In den vergangenen Wochen wurde leider wiederholt beobachtet, dass sich Besucher nicht an die Regeln halten und rücksichtslos und unbedacht in diesen empfindlichen Lebensraum eindringen“, teilt die Behörde mit.

Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne: Die Vermüllung der Natur

Die Frevler laufen kreuz und quer oder setzen sich zum Picknick hin. Mancher entfernt Gelege aus Nistkästen oder verstopft die Einfluglöcher mit Stöcken, fängt Eidechsen und Frösche, Kaulquappen.

Nur, was tun? Klimroth seufzt. Mit der Vermüllung der Natur schlägt er sich seit Jahren herum. „Mein Frau hat einen guten Draht zur FES“, sagt er. Kein Wunder, die Klimroths rufen ständig beim Abfallentsorger an, um auf Unrat hinzuweisen. Dass es zu Corona-Zeiten schlimmer geworden ist, wundert den Stadtbezirksvorsteher nicht. „Die Leute sind ja alle zu Hause.“

Coronavirus-Pandemie mit Folgen für Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne  

Auch die Darmstädter Naturschützer verweisen auf die Pandemie. „Viele Menschen leiden aktuell unter den Einschränkungen, besonders weil sie ihr Freizeitverhalten extrem einschränken müssen.“ Die Behörde hat nun zusammen mit den Forstämtern eine amtliche Naturschutzwacht eingesetzt, die vor allem an den Wochenenden die Heerscharen von Erholungssuchenden über die Wunder der Natur aufzuklären versucht.

In der Düne wachsen zum Beispiel die extrem trittempfindliche Rentierflechte und das Silbergras, das sandigen trockenen Boden liebt. Mit den Feldern, Teichen und Streuobstwiesen bildet das Areal ein Mosaik verschiedener Lebensräume. Vogelarten wie Pirol, Grünspecht und Steinkauz leben dort. Wegen der außergewöhnlichen Tier- und Pflanzenarten hat das Land Hessen die Düne 1984 ja gerade als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Frankfurt: Nicht nur Ärger im Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne

Die Behörde kommt mit dem Aufklären allerdings nicht mehr hinterher, trotz Unterstützung durch Polizei und Ordnungsamt. Die Düne ist nicht der einzige Ort, an dem sich Unholde tummeln. 344 Naturschutzgebiete liegen im Regierungsbezirk, teilen die Naturschützer resigniert mit.

Hermann Klimroth hätte noch Ideen. „Die allerdings Geld kosten.“ Einmal müsste es mehr Mülltonnen mit Deckel geben. Über die oben ohne machen sich die Rabenvögel her. „Da werfen die Leute schon ordentlich ihre Sachen rein, trotzdem sieht es hinterher schlimm aus.“

Und die städtischen Wertstoffhöfe müssten auch kleinere Mengen an Bauschutt kostenfrei annehmen, wünscht sich Klimroth. Natürlich sei das teuer. Doch kleinere Renovierungsdeponien entdecke er oft im Feld. Fliesen, Mörtelreste, Krempel. „Das wieder abzuholen, kostet ja auch.“

Von George Grodensky

Nach dem schlimmen Unfall an einem Bahnübergang machen die Nieder Druck auf Bahn und Politik. Die Schranke an der Oeserstraße soll einer Unterführung weichen.

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