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Frankfurt: Vom Schutzraum zum Kultur-Ort

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Die Frankfurter Rundschau wirft einen Blick auf die Hochbunker in Frankfurt.

Aktuell gibt es noch mehr als 30 Bunker in Frankfurt. Während des Zweiten Weltkriegs wurden 50 errichtet beziehungsweise geplant. Die meisten von ihnen entstanden in den Jahren 1940 bis 1942, um die Bevölkerung vor Luftangriffen zu schützen. Der größte bot Platz für bis zu 1500 Menschen. Besonders viele entstanden in Industriegebieten der Stadt.

Nach Kriegsende sollten die Bunker im Zuge der Entmilitarisierung eigentlich gesprengt werden. Doch dazu kam es nie. Zunächst wurden die Räume nach Angaben des Denkmalamts als Wohnungen für Obdachlose und Vertriebene genutzt. Bis Ende der 60er Jahre gab es Bunkerwohnheime. Im Zuge des Kalten Kriegs und des atomaren Wettrüstens wuchs das Interesse an den Bunkern als Schutzräumen wieder. Zwischen 1960 und 1978 wurden sie für viel Geld ertüchtigt.

Elf Bunker stehen heute unter Denkmalschutz. Sie stehen in der Gründenseestraße in Fechenheim, in der Hermann-Eggert-Straße im Gutleutviertel, am Bahnhof Höchst und in der Schleifergasse in Höchst sowie in der Germaniastraße im Nordend, Eberstadtstraße in Praunheim, am Engelsplatz im Riederwald, auf dem Gelände der Universitätskliniken in Sachsenhausen, in der Peter-Bied-Straße in Unterliederbach und in Schwanheim (Alt-Schwanheim, Goldsteinstraße).

Heute unterschiedlich genutzt

Die heutige Nutzung der Bunker ist unterschiedlich. In einigen proben Bands, andere werden als Ateliers genutzt, manche sogar nur als Lager. Einige Bunker sind inzwischen umgebaut und dienen als Wohnraum. Aus dem Bunker in Alt-Schwanheim soll beispielsweise ein Hotel werden.

Das Bauwerk an der Friedberger Anlage ist eine Gedenkstätte. Eine Ausstellung erinnert an das jüdische Leben im Ostend. Diesen Hochbunker hatten die Nazis von französischen Zwangsarbeitern an der Stelle errichten lassen, an der zuvor Frankfurts größte Synagoge stand. Sie war in der Pogromnacht des 9. November 1938 in Brand gesteckt und anschließend abgerissen worden.

Der Abriss der alten Bunkeranlagen erregt häufig die Gemüter in Frankfurt. Ein Beispiel dafür ist der Glauburgbunker im Nordend. Früher war dort das Explora-Museum beheimatet, zukünftig sollen an der Stelle 35 Wohnungen entstehen, das Erdgeschoss der Immobilie soll sozial oder kulturell genutzt werden. Anwohner und die nahe Schwarzburgschule hatten gegen den Abriss demonstriert. Eine Bürgerinitiative forderte den Erhalt des Bunkers und wünschte sich stattdessen ein Stadtteilzentrum.

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