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Englischunterricht im Gymnasium Nord in Westhausen. Gerade die Gymnasien können zumeist nicht alle Elternwünsche erfüllen. Einige Kinder werden den Integrierten Gesamtschulen zugewiesen. 

Bildung

Schulplatz-Vergabe in Frankfurt wird geändert: Per Los zur Wunsch-Schule

Jedes Jahr gibt es im Frühjahr wieder Ärger um die Zuteilung der Plätze an den weiterführenden Schulen. Nun will das Staatliche Schulamt das Verfahren gerechter machen - per Los.

Frankfurt – Für die Familien von Viertklässlern beginnen nun stressige Zeiten. Die Tage der offenen Tür beginnen in Frankfurt, damit Eltern die passende Schule für ihr Kind finden können. Doch trotz aller Mühe bei der Suche: In jedem Jahr bekommen etwa zehn Prozent der Kinder keinen Platz an ihrer Wunschschule, sondern werden zugewiesen. In der Regel konnten Familien nicht nachvollziehen, warum es gerade sie getroffen hat. Künftig wird es dabei oft um Glück gehen. Denn durch ein verändertes Verfahren des Staatlichen Schulamts werden viele Schulplätze einfach verlost werden. "Alle haben dann die gleichen Chancen", sagt Dieter Sauerhoff, Dezernent im Staatlichen Schulamt. Man hoffe, so auch die Akzeptanz bei einer Zuweisung erhöhen zu können.

Künftig gilt: Schulen können Schülerinnen und Schüler nur noch nach den Kriterien in Paragraf 70 des Hessischen Schulgesetzes auswählen. Wer keines dieser gesetzlichen Kriterien erfüllt, kommt in den Lostopf. "Schuleigene Kriterien werden nicht mehr berücksichtigt", sagt Sauerhoff.

Das heißt: Schulen können nur noch Schüler bevorzugt aufnehmen, die als Härtefall gelten, die eine bestimmte erste Fremdsprache oder den Besuch einer Schule mit einem vom Kultusministerium zertifizierten Schwerpunkt wünschen - den es überhaupt nur für Musik und Sport gibt. Alle anderen Profile von Schulen können als Kriterium für eine Auswahl nicht herangezogen werden. Lange Begründungen von Eltern, warum das Kind ins naturwissenschaftliche Profil passe, dürfen Schulen nicht berücksichtigen. Oder den Wunsch nach einer Schule mit Schwerpunkt Kultur oder Gesellschaftswissenschaften. "Das alles liegt außerhalb der gesetzlichen Kriterien", sagt Sauerhoff. Auch die bevorzugte Aufnahme von Schülern aus kooperierenden Grundschulen ist nicht möglich.

Schulplatz-Vergabe in Frankfurt: Hohe Akzeptanz für Losverfahren erhofft

Das war alles bisher Praxis bei der Auswahl, geht aber nun nicht mehr. An vielen Schulen wird daher die größte Anzahl an Plätzen verlost werden müssen. "Wir haben immer die Rückmeldung von Eltern bekommen, dass die zugewiesenen Kinder enttäuscht und verzweifelt waren, weil sie nicht zum Profil passten", sagt Sauerhoff. Zweifel am eigenen Können und Wollen habe es da gegeben. "Es ist einfacher zu akzeptieren, wenn man durch ein Losverfahren einen Platz nicht bekommt." Andere Schulämter in Hessen hätten vergleichbare Verfahren. "Dort gibt es für das Losverfahren eine hohe Akzeptanz."

Weiterhin dürfen aber Geschwisterkinder bevorzugt aufgenommen werden. Ansonsten liegt das Kriterium "Härtefall" etwa vor, wenn ein Kind aufgrund einer Krankheit keinen langen Schulweg auf sich nehmen kann. Bei der Wahl einer ersten Fremdsprache, wie etwa Spanisch an der Elisabethenschule, muss die Schule alle Kinder mit Spanisch-Wunsch aufnehmen - sofern die Kapazitäten reichen. Ansonsten wird auch gelost.

Es gibt acht Schulen in Frankfurt, die einen vom Kultusministerium zertifizierten Schwerpunkt Musik haben. Bettina-, Carl-Schurz-, Elisabethen-, Goethe-, Leibniz-, Lessing-, Schule am Ried, Wöhlerschule. Welche Aufnahmekriterien für den Schwerpunkt zu erfüllen sind, "das schärfen Schulleiter derzeit aus", sagt Sauerhoff. Ob etwa ein Musikinstrument gespielt werden muss, wie das Interesse belegt werden kann. Diese Kriterien müssten später an den Schulen selbst erfragt werden, sagt Sauerhoff.

Einen Sport-Schwerpunkt gibt es an der Carl-von-Weinberg-Schule und an der Schillerschule in der Sportart Rudern. Dort und auch an der Musterschule mit dem Zentrum zur Förderung musikalisch Hochbegabter gelten besondere Aufnahmebedingungen.

Schulen in Wohnort-Nähe beliebt bei Familien aus Frankfurt

Stadtelternbeirat Eckhard Gathof sieht das neue Verfahren mit gemischten Gefühlen. "Einerseits bekommen nun Eltern eine Chance an Schulen, an denen sie vorher keine hatten", sagt er. Wenn etwa nicht mehr nur Schüler aus kooperierenden Grundschulen aufgenommen würden. Andererseits sind für ihn die Profile von Schulen in Gefahr. "Manche wählen Schulen ja wegen der Wohnortnähe oder einfach, weil die Freunde hingehen."

Gathof verursacht es auch "große Bauchschmerzen", dass die Stadt trotz steigender Schülerzahl keine neuen Schulen im nächsten Jahr eröffnet. "Es wird sportlich, alle unterzubringen." Die Schulen seien voll. In Sachsenhausen etwa hätten im vergangenen Jahr 180 Kinder ihr Wunschgymnasium nicht bekommen. Und durch das neue Verfahren würden die Probleme nicht kleiner. "Da melden sich möglicherweise Familien in Sachsenhausen an, die dort vorher keine Chance gesehen hätten."

Im Bildungsdezernat ist man dagegen zuversichtlich. "Wir haben Spiel im System", sagt Jetta Lüdecke, Referentin von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Viele Schulen hätten angeboten, zusätzliche fünfte Klassen aufzumachen. Wenn die Anmeldeformulare im März abgegeben werden, dann "schauen wir, welche Angebote wir annehmen". 

Von Sandra Busch

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