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Am Gymnasium Römerhof lernen die Kinder spielend Spanisch.

Nachwuchs

Info-Tingeln an den Tagen der offenen Türen

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Eltern suchen an alten und neuen Schulen das passende Bildungskonzept für ihr Kind.

Im Raum 102 ist die römische Wettkampfarena von Playmobil aufgebaut. Allerlei Bücher über Rom und Archäologie liegen aus. Und Asterix natürlich. Auf Latein. Zudem werfen sich Mädchen in ein blaues Gewand, Jungen in eine weiße Toga, um sich vor dem Greenscreen fotografieren zu lassen – und danach ein Foto von sich vor einer römischen Villa in den Händen zu halten. Klar, in diesem Raum geht es am Tag der offenen Tür des Lessing-Gymnasiums im Westend um die Alten Sprachen – schließlich wird Latein als erste Fremdsprache unterrichtet.

Bis Anfang März müssen sich die Familien von Viertklässlern entschieden haben, welche weiterführende Schule das Kind ab dem Sommer besuchen soll. Und so tingeln sie an den Wochenenden zu den Tagen der offenen Türen der Schulen. Wie am Samstag ins Lessing. Ein G8-Gymnasium. Altsprachlich. Nicht unbedingt für jeden etwas. „Mein Sohn ist aber ein guter Schüler, er braucht klare Regeln und Strukturen – und das scheint hier das Profil zu sein“, sagt ein Vater aus dem Westend. Außerdem wohne man in der Nähe.

Allein der Wohnort sollte aber nach Schulleiter Bernhard Mieles nicht das Kriterium für die Wahl des Lessing-Gymnasiums sein. „Man sollte das Bildungskonzept als passend für das Kind empfinden“, sagt er. „G8 und altsprachlich – das ist ein gewisser Anspruch.“ Sprachaffin sollten die Kinder sein, gibt es doch auch eine verbindliche dritte Fremdsprache. Altgriechisch zum Beispiel. Auch sollte das Kind ein strukturierter Lerntyp sein. Wenn das nicht passe, „dann entsteht Frust, und es kommt zu Misserfolgen“, sagt Mieles. Um das zu vermeiden, bietet er ab dem heutigen Montag den Eltern – ohne Kinder – Beratungsgespräche an. „Bei einem neusprachlichen G9-Gymnasium weiß man eher, was man bekommt“, sagt er. „Die Wahl für ein altsprachliches G8-Gymnasium ist nicht so leicht getroffen.“ Es herrsche aber ein großes Gemeinschaftsgefühl an der Schule durch das gemeinsame Singen und Musizieren in Chören und Orchestern.

Die Schule wird in der Regel mit Familien voll, die das Lessing als Erst- oder Zweitwunsch angeben. Vielleicht gehört auch Inga einmal zu den künftigen Sextanern. „Meine Tochter ist sehr gut in der Schule“, sagt Vibeke Christensen. „Es ist wichtig, dass sie Kinder findet, die wie sie sind.“ Das Lernumfeld solle für die Tochter stimmen. Sie findet ein humanistisches Gymnasium gut, „weil es den Anspruch hat, allgemein zu bilden“. Man müsse sich nicht schon in der Schule spezialisieren. Christensen hat selbst Latein gelernt, und es ist für sie das Grundgerüst für alle Sprachen. Vater Jürgen Welschof ist das mit dem Latein nicht so wichtig. „Ich fände Spanisch auch gut.“

Auch in den Containern gibt es Fachräume.

Das kann man am Gymnasium Römerhof in Bockenheim lernen. Dort kann Spanisch als erste Fremdsprache gewählt werden. Die Schule hat im Sommer eröffnet und am Samstag als Schulgemeinde ihren ersten Tag der offenen Tür. Etwa die Hälfte der derzeit 140 Schüler war der Schule zugewiesen worden. „Ich bin gespannt, wie das Anwahlverhalten dieses Jahr sein wird“, sagt Schulelternbeirätin Milkica Romic. „Anders als im vergangenen Jahr können wir etwas präsentieren und Fragen beantworten.“ Für sie ist die Schule jedenfalls „der Hammer“. Die Verbundenheit mit den Lehrern sei in so einer kleinen Schule sehr eng, es herrsche eine „Aufbruchstimmung“.

Und der Andrang ist groß in den Containern des neuen G9-Gymnasiums. Wann denn der nebenan geplante Neubau für die Schule stehe, wollen Eltern bei einem Rundgang etwa wissen. Projektleiterin Judith Prager sagt, sie hoffe, dass er in fünf bis sechs Jahren fertig sei. Auch ein großes Interesse an Spanisch als erster und zweiter Fremdsprache stellt Prager fest. „Spanisch wird im Westen bisher an den Schulen nur wenig angeboten.“ Das ist auch für Loriet Mirasu aus dem Gallus ein Pluspunkt für die Schule. „Wir sprechen zu Hause Englisch, da wäre Spanisch als erste Fremdsprache gut.“ Ihr gefällt auch, dass noch nicht so viele Kinder an der Schule sind. Es ist schließlich erst ein fünfter Jahrgang da. „Ohne die Großen kann sich meine Tochter wohler fühlen“, sagt sie. „Vom ersten Eindruck her ist es hier wie an der Grundschule.“

Aus Griesheim kommt die Familie Gräf, um sich die Schule anzusehen. Sie ist sehr angetan. „Die Ausstattung ist ganz neu, das ist sehr gut“, sagt Thomas Gräf. Nur die Anbindung der Schule an den öffentlichen Nahverkehr stört ihn etwas. „Es fährt morgens nur ein Bus aus Griesheim die Schule an“, sagt Gräf. Und nachmittags fährt einer nach Schulschluss, einer nach Ende der Nachmittags-AGs. „Und was ist, wenn man den verpasst?“, fragt sich Gräf. Aber dennoch ist für die Familie das Römerhof einer der Favoriten.

Die Anbindung ist auch bei anderen Eltern Thema. „Das Wohngebiet ist noch im Entstehen und die Schule eben zuerst da“, sagt Prager. Die Haltestelle „Feldbahnmuseum“ solle noch vergrößert werden, und wenn die Schule wachse, werde auch die Taktung der Busse erhöht. Die Anbindung stört einen Vater aus Nied nicht so sehr, „das Kind kann mit dem Rad fahren“. Ihm gefalle der historisch-kulturelle Schwerpunkt, sagt er, während er die von Schülern gebastelten Pyramiden betrachtet. „Da gehen sie öfter ins Museum, ist doch gut, wenn sie nicht nur in der Schule herumsitzen.“ Und das Fach Geschichte haben am Römerhof auch schon die Fünftklässler.

Gräfs Tochter Giulia findet die Schule jedenfalls ziemlich gut. „Die Lehrer sind nett“, sagt die Neunjährige. „Ich würde gerne auf diese Schule gehen – oder auf die Helene-Lange“. Bis zum 5. März muss sie sich nun entscheiden – so wie 5700 andere Schülerinnen und Schüler in der Stadt.

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