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Grundschulen

Corona in Deutschland: Wechselunterricht an Schulen birgt für Kinder Probleme

  • Sandra Busch
    VonSandra Busch
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Auch die Frankfurter Kirchnerschule ist in den Wechselunterricht gestartet – mit vielen Sorgen. Ein Besuch an der Grundschule in Bornheim.

  • Coronavirus: Der Wechselunterricht hat an einer Grundschule in Frankfurt begonnen.
  • Corona-Pandemie: Auch Grundschulkinder müssen im Unterricht eine Maske tragen.
  • Corona in Deutschland: Wechselunterricht, Notbetreuung und Wechselunterricht - wie Schulen die Corona-Pandemie meistern.

Frankfurt - In der Klasse 3d der Kirchnerschule in Frankfurt-Bornheim gibt es eine „Corona-Hass-Ecke“. Dort hängen selbst gemalte Bilder der Kinder. Etwa mit einem Coronavirus, auf dem steht: „Geh weg, du bist doof.“ Oder mit einer Erde, deren eine Hälfte grün („früher“), die andere grau („jetzt“) ist. „Corona ist blöd“, sagt der neunjährige Fernando schlicht und zupft an seiner Maske herum. Seit Montag müssen auch die Grundschulkinder im Unterricht eine Maske tragen. Findet Fernando auch blöd. „Die hat so einen Mundgeruch.“

Corona in Deutschland: Notbetreuung und Wechselunterricht an Schulen

An diesem Tag ist die 3d nun zum zweiten Mal in der Woche in der Schule. Zumindest diese Hälfte der 3d. Der Wechselunterricht hat am Montag für die Klassen 1 bis 6 begonnen, die andere Hälfte der 3d lernt gerade zu Hause und wird dann am nächsten Tag von Lehrer und Konrektor Martin Beer in der Schule unterrichtet. Neun Kinder sitzen im Klassenraum mit Maske und Abstand, eins ist krank. „Seit Montag sind 50 Prozent da, vorher waren es 70 Prozent“, sagt Beer. Und vor Weihnachten sei sogar bei einer Inzidenz von mehr als 200 normal nach Stundenplan unterrichtet worden. Für ihn alles wenig nachvollziehbar. „Nun sind bei der niedrigsten Inzidenz die wenigsten Kinder in der Schule.“

Kurz vor den Weihnachtsferien war die Präsenzpflicht wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt worden. Das Kultusministerium hatte wegen des Coronavirus empfohlen, die Kinder zu Hause zu lassen. Doch wer kommen wollte, durfte kommen. In die fünfzügige Kirchnerschule kamen viele. „Bei einer Lehrerin waren alle in der Klasse da, viele hatten 15 bis 16 Kinder“, sagt Schulleiterin Birgit Hein-Schmidt. Mit dem Wechselmodell sind nun in den Klassen zehn bis elf Schülerinnen und Schüler. „Am liebsten hätten wir aber alle da“, sagt Hein-Schmidt. „Das wäre für die Kinder besser – und auch für die Eltern.“

Corona-Pandemie: Auch Grundschulkinder müssen im Unterricht eine Maske tragen

Die 3d hat gerade Kunstunterricht. Beer unterrichtet in seiner Klasse alle Fächer, denn Lehrkraft und Klasse bleiben als feste Gruppe den ganzen Tag zusammen. Die Kinder basteln einen Drachen aus Papptellern. Fernando malt ihn mit einem grünen Buntstift an. Er war auch schon vor Montag in der Schule. Aber wegen dem Coronavirus nicht jeden Tag. An manchen hat er auch zu Hause gelernt. „Das ist aber nicht so toll“, sagt er. Sein Vater habe ihm zwar geholfen, aber es gebe dann auch manchmal Streit beim Lernen. „In der Schule ist es schöner.“

Auf Abstand: Lehrer Martin Beer mit seiner 3d – zumindest mit der Hälfte.

Seine Klassenkameradin Luisa war dagegen wegen des Coronavirus seit vor den Weihnachtsferien nicht mehr in der Schule. Sie fährt mit einem grünen Stift über die Rillen des Papptellers und lacht über das entstehende Knattergeräusch. „Es ist cool, wieder in der Schule zu sein“, sagt die Neunjährige. Sie habe auch zu Hause viel gelernt, ihre Mutter sei immer da gewesen. „Aber obwohl auch zu Hause immer alle leise waren, bin ich in der Schule schneller mit den Sachen fertig.“ Wochenlang hat sie jedoch in der Corona-Pandemie außer ihrer Schwester so gut wie keine anderen Kinder getroffen. „Das ist ganz unbekannt jetzt, wieder andere zu sehen“, sagt Luisa. „Aber es ist schön.“

Modelle

Verschiedene Wechselmodelle gibt es an den Frankfurter Schulen: Es wird nach einem halben Schultag die Gruppe gewechselt, täglich oder wochenweise. Nach Auskunft des Staatlichen Schulamts überwiegt eindeutig das tägliche Wechselmodell an den 80 Grundschulen inklusive der Grundstufen. Es gebe ein paar wenige Schulen, die ein wochenweise oder halbtägig wechselndes Modell gewählt hätten. Die Situation an den Schulen sei ruhig, sagt Amtsleiterin Evelin Spyra. Man habe in Frankfurt mit dem Wechselmodell zu einer „neuen“ Routine gefunden.

Eine Notbetreuung besuchen derzeit rund 38 Prozent der mehr als 25 000 Frankfurter Grundschüler:innen. Die Notbetreuung können Kinder besuchen, die keinen Präsenzunterricht haben und zu Hause nicht betreut werden können. Anspruch darauf haben viele: Alleinerziehende, die arbeiten, oder Eltern, die beide berufstätig sind. Auch wer im Homeoffice arbeitet, kann sein Kind in die Betreuung schicken. Über alle Schulformen gesehen besuchen 27,8 Prozent der Kinder in den Jahrgangsstufen 1 bis 6 die Notbetreuung.

Die Nachmittagsbetreuung wie Erweiterte Schulische Betreuung (ESB) oder Hort können spätestens seit Mittwoch alle Kinder wieder besuchen – unabhängig davon, ob sie vorher im Präsenzunterricht waren oder nicht. Darum hatte es zunächst Ärger gegeben, weil nur für die Hortkinder die Betreuung auch nach Besuch der Notbetreuung garantiert war. Doch das Angebot besteht nun für alle Kinder, die für die Betreuung am Nachmittag angemeldet sind. (sabu)

Die Distanz, die lange Abwesenheit von der Schule – „man merkt es vielen Kindern an“, sagt Beer. „Sie sind ruhiger als sonst, in sich gekehrter und müssen sich erst wieder an Schule gewöhnen.“ Und alle Kinder seien in Corona-Pandemie zappeliger. „Ihnen fehlt die Bewegung als Ausgleich“, sagt er. Die Sportvereine sind zu, auch Sportunterricht an den Schulen ist schwierig. „Und zu Hause sitzen sie viel vor irgendwelchen elektronischen Geräten.“

Kinder und das Coronavirus: Förderstunden wären nötig

Vor dem Wechselmodell hat er nach dem Unterricht in der Schule am Nachmittag Videokonferenzen für die Kinder zu Hause angeboten. Und er ist heilfroh, dass er eine dritte Klasse hat. „Die Kinder können wenigstens lesen und schreiben, ich kann Arbeitsaufträge vergeben.“ Auch jetzt im Wechselmodell bekommen die Kinder Aufgaben für die Tage zu Hause. In den ersten Klassen sei das viel schwieriger. „Die Erstklässler können keine Arbeitsaufträge lesen“, sagt Beer. „Wenn da die Eltern nicht mitziehen, sind die Kinder verloren.“

Die Folgen der Corona-Pandemie - von Distanzlernen und langer Abwesenheit von der Schule machen auch Hein-Schmidt Gedanken. „Da ist etwas aufzufangen, das ist nicht von heute auf morgen getan.“ Sie hofft darauf, dass es extra Förderstunden geben wird. „Damit wir am Nachmittag Förderunterricht anbieten können.“ Gerade bei den Kleinen entstünden große Lücken. „Es ist schon bei einigen Kindern klar, dass sie die erste Klasse wiederholen müssen, 70 Prozent davon wegen Corona“, sagt Hein-Schmidt. Normalerweise könnten die meisten Kinder bis Ostern lesen. Über Distanzlernen ist das in der Corona-Pandemie kaum möglich, dabei helfen auch keine Videokonferenzen.

Schulen in der Corona-Pandemie: Die Folgen von Distanzlernen und Wechselunterricht

In der 3d wird weiter gebastelt. Celio klebt ausgeschnittene Beine an seinen Pappteller-Dino. Er war die ganzen Wochen über in der Schule. „Das war schöner als jetzt“, sagt er. Denn jetzt, seit Beginn des Wechselmodells, „bin ich weniger in der Schule als vorher“. Er ist nicht für die Notbetreuung angemeldet, sondern geht jeden zweiten Tag nun mit dem Vater ins Büro, um dort seine Aufgaben zu machen. „Sechs Stunden bin ich da, das ist langweilig“, stöhnt er.

Die Organisation der Notbetreuung in der Corona-Pandemie hat die Schulleitung vor Herausforderungen gestellt. Eine sozialpädagogische Kraft wird nun dafür eingesetzt, eine Lehrkraft ohne Klassenleitung, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter aus der Bibliothek und eine Honorarkraft. 86 Kinder wurden angemeldet für die Notbetreuung in der Corona-Pandemie. Aber es kommt nur maximal die Hälfte. „Ich kann die Eltern ja verstehen, dass sie vorsichtshalber anmelden“, sagt Hein-Schmidt. Doch nun würden einige Kräfte manchmal nur fünf Kinder betreuen. „Das ist etwas ärgerlich, ich kann die Kräfte auch anders gut gebrauchen.“ Und wenn das nun so bleibe, dann müsse sie die Notbetreuung umstrukturieren.

Coronavirus: Der Wechselunterricht hat an Schulen in Hessen und Frankfurt begonnen

Ärgerlich findet die Schulleiterin auch, dass das Kultusministerium wegen des Coronavirus keine richtige Maskenpflicht an der Grundschule erlassen hat. Denn der Schulleitung ist nach Anhörung der Schulkonferenz erlaubt, sie auszusetzen. „Da wird wieder die Verantwortung an die Schulen abgegeben“, sagt Hein-Schmidt. Genauso wie beim Aussetzen der Präsenzpflicht „will man im Ministerium nichts entscheiden“. Ärger an den Schulen ist programmiert. „Es gibt unzufriedene Eltern.“

Lehrer Beer beendet die Kunststunde. Und damit den Schultag. Bastelsachen einpacken und „weißer Ordner und Raketenheft raus“, sagt er seinen neun Schülerinnen und Schülern. Im weißen Ordner ist der Arbeitsplan für diese Woche abgeheftet. Dort stehen die Aufgaben für jeden Tag. Am nächsten Tag, an dem diese Gruppe zu Hause lernen wird, steht etwa Deutsch auf dem Plan. Beer bespricht mit den Kindern jede einzelne Aufgabe. Im Deutsch-„Raketenheft“ müssen die Geschichte gelesen, das häufigste Verb gefunden, treffendere Verben gesucht, Adjektive gezählt werden. „Wir klären Fragen jetzt hier, ihr müsst die Aufgaben verstehen“, sagt Beer. „Morgen könnt ihr niemanden fragen.“ Morgen aber, da kann die andere Hälfte der Klasse fragen. Dann erscheint sie zum Präsenzunterricht. (Sandra Busch)

Rubriklistenbild: © Christoph Boeckheler

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