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Die Schüler solidarisieren sich mit den Protesten zum Erhalt des Hambacher Walds. 

Klimaschutz

Trotz schulfrei: Schüler in Frankfurt demonstrieren weiter

Etwa 500 Teilnehmer protestieren in Frankfurt lautstark für mehr Klimaschutz. 

„Wenn man vernünftig ist, kann man nicht einfach so weiter machen“, sagt Luca Peters, einer der Organisatoren der Fridays-for-Future-Demonstration in Frankfurt. Zusammen mit etwa 500 weiteren Schülern geht der 18-Jährige am Freitag für einen aktiveren Klimaschutz auf die Straße. Gekommen sind aber nicht nur Jugendliche, die Altersspanne der Teilnehmer reicht von ganz jung bis alt, es sind auch Eltern mit ihren Kindern unter den Protestierenden. Dass die Schüler am 1. März in so großer Zahl demonstrieren, überrascht, denn an diesem Tag ist in Frankfurt schulfrei. Für Organisator Luca macht es aber keinen Unterschied, ob die Schüler frei haben oder nicht. „Wir demonstrieren nicht, um nicht in die Schule zu müssen“, sagt er. Ein anderer Jugendlicher erzählt sogar, er komme sogar lieber zu den Klimaschutz-Demonstrationen, wenn er damit keine Schule schwänze.

Die mitunter wirklich kreativen, bunten Schilder signalisieren eine klare Botschaft: „There is no Planet B“, ist da zu lesen, auf einem anderen Schild ist die Erde aufgemalt, darunter der Spruch „Limited Edition“. Die Schüler wollen mit ihren Protesten aber nicht nur Aufmerksamkeit erlangen, sie haben auch konkrete Forderungen an Politiker und Unternehmer: Lotte Bartholomäi, 17, liegt vor allem eine Wende bei der Verkehrspolitik am Herzen, sie wünscht sich - auch für Frankfurt - mehr Fahrverbote. Luca fordert neben einem Kohleausstieg auch einen Wandel im ÖPNV: „Ein Drittel des Öffentlichen Nahverkehrs in Frankfurt fährt mit Kohlestrom“, erzählt er. Für den Klimaaktivisten ist das ein Drittel zu viel.  

Lotte Bartholomäi (ganz links) und Anton Strecker (2. v. l.) haben für die Demonstration kreative Schilder gebastelt.

Protestwelle hat viele Gesichter 

Aber nicht nur für die Schüler ist Klimaschutz eine Herzensangelegenheit: Holger, ein Gymnasiallehrer aus Sachsenhausen, läuft auch bei dem Protest mit. „Ich habe fünf, sechs meiner Schüler hier getroffen“, erzählt er. Er engagiert sich selbst bei Attac und Greenpeace für mehr Klimaschutz und ist sauer, dass seine Generation ein zu geringes Bewusstsein für das Thema habe. „Wir stoßen pro Person viermal soviel CO2 aus, wie wir eigentlich dürften“, kritisiert er. Er hofft, dass die „Fridays-for-Future“-Bewegung beim Erreichen einer kritischen Masse von „fünf bis zehn Prozent“ der Bevölkerung einen spürbaren gesellschaftspolitischen Einfluss haben wird. 

„Climate Justice!“ skandieren die Schüler während des Laufens.

Die Schülerproteste entstanden vergangenen Herbst durch den „Skolstrejk för Klimatet“ der damals 15-jährigen Greta Thunberg. Sie streikte wochenlang vor dem schwedischen Parlament in Stockholm. Greta, die am Freitag mit Tausenden anderen Schülern in Hamburg protestiert, ist noch immer das bekannteste Gesicht der Bewegung. Die Frankfurter Schüler betonen aber, dass die Protestwelle nicht nur Gretas Gesicht, sondern viele Gesichter hat. Das zeigt sich auch in der Organisation der Schülerdemonstrationen: In zahlreichen deutschen Städten haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten Ortsgruppen von Fridays-for-Future gebildet. In Hessen gibt es mittlerweile neben Frankfurt in Wiesbaden, Kassel und Wetzlar eigene Zusammenschlüsse.

Von Paul Siethoff 

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