Frankfurt

Schrecken im Westend geht vorerst weiter

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Das Amtsgericht Frankfurt gibt einer Räumungsklage gegen einen unliebsamen Mieter statt, der seit Monaten nicht ausziehen will. Doch auch hier sind die Fristen zu wahren.

Für das Amtsgericht ist der Fall keine große Sache. Oder, wie es Richterin Bettina Damm formuliert: „Das klingt für mich gar nicht so spektakulär.“ Zum Aufruf kommt am Mittwochmorgen eine Räumungsklage im Frankfurter Westend. Von den Prozessbeteiligten ist außer der Richterin nur der Rechtsanwalt der Klägerin erschienen. Die Frau würde gerne wieder in ihre hübsche Eigentumswohnung in der Niedenau ziehen.

Während eines einjährigen Auslandsaufenthalts hatte die Eigentümerin die möblierte Wohnung über einen Makler untervermietet. Doch zum vereinbarten Zeitpunkt Anfang April war der Untermieter einfach nicht ausgezogen. Miete zahlt er seitdem keine mehr, Strom hat er ohnehin nicht gezahlt, die Mainova hat ihn schon vor geraumer Zeit abgestellt.

Soweit die nüchterne Aktenlage für das Amtsgericht. Rechtsanwalt Dietrich Rössel, der für die ausgesperrte Klägerin da ist, räuspert sich jetzt hinter seiner Schutzmaske und berichtet „außerhalb des Protokolls“ von unzähligen Polizeieinsätzen, von einer illegalen Nutzung des Kellers, wo sich der zahlungsunwillige Mieter Strom von den Nachbarn abgezapft haben soll.

Jene Nachbarn sind es auch, die unter dem Beklagten ebenfalls leiden. Während die Eigentümerin der Wohnung seit Monaten bei Bekannten Unterschlupf findet, sind sie dem Treiben des Mieters und dessen meist nächtlichen Besuchern ausgesetzt. Die Frankfurter Rundschau hatte Anfang Oktober von Angst und Schrecken im Westend und einem jungen Pärchen berichtet, das in der Nachbarwohnung vom bellenden Kampfhund, nächtlicher Ruhestörung und vor allem von einem Besucher terrorisiert wird. Der 26-Jährige, bereits polizeibekannt wie der Mieter selbst, soll auf den Nachbarn eingeprügelt haben. In einem Fall soll der Bekannte des beklagten Mieters auch eine tote Taube vor die Tür der verängstigten Nachbarn gelegt haben, verbunden mit einer vagen Drohung.

All das steht nicht in den Akten, die dem Amtsgericht vorliegen. Anwalt Rössel gibt am Rande des Prozesses darüber Auskunft, dass er die Klage nur auf den Zahlungsverzug bei der Miete gestützt hat, denn der sei nicht zu bestreiten. Dass der beklagte Mieter nicht zu dem Termin am Mittwoch erschienen ist und auch keinen Rechtsanwalt entsandt hat, überrascht nicht. Seit Zustellung der Räumungsklage Mitte August hat er sich nicht zu der Sache geäußert.

Ebenso unspektakulär wie die Aktenlage erlässt Amtsrichterin Damm dann auch ein Versäumnisurteil. Der säumige Mieter hat dagegen jetzt noch zwei Wochen lang das Recht zum Einspruch, dann kann die Klägerin einen Gerichtsvollzieher zum Räumen der Wohnung bestellen. Der wiederum muss sein Kommen gegenüber dem Mieter drei Wochen vorher ankündigen. Es dürften also noch mindestens fünf Wochen vergehen, bis die Klägerin ihren unliebsamen Untermieter und die anderen Bewohner in der Niedenau einen unliebsamen Nachbarn loswerden.

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