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Frankfurt: Schonung für Zootiere – und für die Seele

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Von: Thomas Stillbauer

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Bei aller Energiesparsamkeit: Die Tiere im Frankfurter Zoo sollen auf keinen Fall frieren.
Bei aller Energiesparsamkeit: Die Tiere im Frankfurter Zoo sollen auf keinen Fall frieren. © Brennweiteffm/Imago

Wie Frankfurt 20 Prozent Energie bei seinen öffentlichen Einrichtungen sparen will. Auch Treppensteigen gehört dazu.

Die Energiekrise wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine kommt, alle sparen Gas und Strom und Wasser – aber was macht eigentlich die Stadt? Geht sie mit gutem Beispiel voran? Sie hat es zumindest vor. Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) rief, und fast alle Dezernate und Ämter haben in den vergangenen Wochen aufgelistet, was sie bisher in die Wege geleitet haben oder planen.

„Das Ziel ist: Die Stadt mit all ihren Einrichtungen will 20 Prozent Energie einsparen“, sagt Heilig. Frankfurt sei entschlossen, die Vorgaben des Bundes und des Hessischen Städtetages für die Phase der erwarteten Strom- und Gasknappheit einzuhalten.

Um konkrete Maßnahmen zu besprechen, gründete die Stadtregierung einen „Arbeitskreis Energiekrise“ unter Vorsitz der Klimadezernentin. Der förderte zutage: Stromsparende LED-Beleuchtung ist fast überall schon in Betrieb oder kommt demnächst, Zweitkühlschränke auf den Büroetagen werden abgeschaltet, Außenbeleuchtung entfällt vielerorts spätestens nach 22 Uhr.

Keine kleinen Drucker, kein Standby

Die Raumtemperatur wird auf 19 Grad gedrosselt, ausgenommen in Kitas und Schulen. Dort wird auch Warmwasser noch verfügbar sein – in den Handwaschbecken der anderen städtischen Einrichtungen nicht mehr. Drucker an einzelnen Arbeitsplätzen wollen viele Dienststellen abschaffen und nur noch zentrale Drucker für alle nutzen – die nach Dienstschluss komplett abgeschaltet werden, ebenso wie die Computer, kein Standby. Private Geräte (etwa Mobiltelefone) am Arbeitsplatz aufzuladen, soll stellenweise nicht mehr erlaubt sein. Und auch die Aufzüge der Stadtverwaltung werden zum Faktor. Heilig: „Unser Dezernat liegt im vierten Stock – wir nehmen die Treppe.“

Der „Arbeitskreis Energiekrise“ befragte unter anderem die Feuerwehr und die Mainova: „Was geht, was geht nicht?“ Klar sei: In Frankfurt werde eher keine Gasmangellage eintreten, weil es einen hohen Versorgungsanteil mit Fernwärme gebe, teilweise erzeugt durch Müllverbrennung, allerdings auch durch Kohle und Gas. Aber: Die Feuerwehr fürchtet vor allem Stromknappheit. Daher sind Krankenhäuser und andere wichtige Einrichtungen auf Notstromaggregate angewiesen.

Feuerwehr fürchtet Heizöfchen

Was den Brandschützern Sorgen macht: Privatpersonen könnten auf die Idee kommen, Heizöfchen zu verwenden, um ihren Gasverbrauch beim Heizen zu drosseln – was den Stromhaushalt enorm belasten würde. „Wir werden deshalb die Bevölkerung mit einem Flugblatt informieren: Was tun gegen Stromausfall“, sagt Heilig. Denn ohne Strom kein Radio, kein Fernsehen, kein Computer, kein Kühlschrank. Auch Wasservorräte sollten sich die Bürgerinnen und Bürger anlegen, rät die Stadt. Führt das nicht wieder zu Hamsterkäufen? „Manche machen es sowieso“, sagt Heilig. „Aber deshalb wollen wir nicht darauf verzichten, die Leute aufzuklären.“ Es gehe um Vorsorge in einem vernünftigen Ausmaß – nicht ums Hamstern.

In den Selbstverpflichtungen der städtischen Institutionen fehlen einzelne Abteilungen, etwa das Bildungsdezernat, weil die konkreten Festlegungen für Schulen und Kitas noch in Arbeit sind. Mit den bisherigen Ergebnissen ist Heilig dennoch zufrieden. „Alle haben verstanden: Auch kleine Maßnahmen helfen.“ Eine Haltung, wie sie mitunter in Zeiten des Überflusses mancherorts geherrscht habe – „Ist ja nicht meine Rechnung, wenn ich im Büro alles laufen lasse“ –, sei ein Trugschluss.

Was auffällt: Mancherlei, von dem man annehmen würde, es wäre schon viel weiter, befindet sich noch in der Anlaufphase. So soll in einigen Einrichtungen noch Personal „sensibilisiert“ werden für die Notwendigkeiten in der Energiekrise. Und warum sind immer noch nicht alle Dächer der städtischen Ämter, Schulen und Betriebe mit Solarmodulen ausgerüstet? Dies sei Aufgabe der Klimaallianz, sagt Heilig, da sei die Politik aber dran.

Die „Winterlichter“ fürs Herz und für die Seele

Es gibt Härtefälle beim Energiesparen. Den Zoo etwa – da kann man den Tieren nicht so einfach die Heizung runterdrehen. Dasselbe bei den exotischen Pflanzen im Tropicarium des Palmengartens. Dort sollen auch in diesem Jahr wieder die „Winterlichter“ leuchten, die zauberhaft bunte Schau im Freien, die allerdings auch als Signal in die falsche Richtung ausgelegt werden könnte. „Das sind aber alles LED-Leuchten, extrem sparsam“, sagt Heilig. „Und wir haben gesagt: In diesen kalten Zeiten müssen wir die Seelen erwärmen.“ Die „Winterlichter“ seien eine tolle Veranstaltung, und Palmengartendirektorin Katja Heubach sei die Erste gewesen, die Energiesparprojekte angemeldet habe, an allen Stellen, an denen es irgend möglich sei.

Was geschieht nun mit den einzelnen Sparvorhaben? Kontrolliert oder vereinheitlicht sie jemand? „Es liegt in der Eigenverantwortung der Dezernate, die Maßnahmen umzusetzen“, sagt Rosemarie Heilig. Die städtischen Beteiligungen, zu denen etwa der Flughafen, das Waldstadion und die FES gehören, sollen in einem nächsten Schritt unter die Lupe kommen.

Trotz allem: Die „Winterlichter“ werden den Palmengarten wieder schmücken.
Trotz allem: Die „Winterlichter“ werden den Palmengarten wieder schmücken. © Monika Müller
Straßen werden dunkler, aber nicht alle.
Straßen werden dunkler, aber nicht alle. © Peter Jülich

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