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Frankfurt: Schnitzeljagd gegen das Vergessen

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Luciano (l.) und Malek aktivieren ihre App für den Lernpfad.
Luciano (l.) und Malek aktivieren ihre App für den Lernpfad. © Bernd Kammerer

Das Fanprojekt FSV Frankfurt erinnert gemeinsam mit der Initiative Zusammen1 vom TuS Makkabi mit einem Lernpfad an die jüdische Geschichte des Vereins.

Für Georgios und Oscar wird es ein ereignisreicher Tag. Die beiden Jungs spielen in der Jugendmannschaft des Fußballvereins FSV Frankfurt und mittags steht ein wichtiges Spiel bevor. Den Vormittag haben sie jedoch nicht kickend auf dem Platz, sondern bei der Eröffnung des interaktiven Lernpfads gegen Antisemitismus verbracht. Die Rallye beleuchtet die jüdische Geschichte und Gegenwart des Fußballsportvereins und wurde gemeinsam vom Fanprojekt FSV und der Initiative des jüdischen Turn- und Sportvereins Makkabi, „Zusammen1“, entwickelt.

Das Fanprojekt organisiert die Fan- und Bildungsarbeit, während sich „Zusammen1“ gegen Diskriminierung beim Sport einsetzt. „Es gab teils einfache, teils komplizierte Fragen“, erzählt Georgios nach der Rückkehr vom Lernpfad. „Wir mussten schätzen, wie viele Menschen mit Migrationshintergrund Fußball spielen, das war schwer“, ergänzt Oscar. „Man lernt die Ecke aber auch gut kennen und ich würde es Leuten, die Zeit haben, auf jeden Fall weiterempfehlen.“

Der Rundgang sei eigentlich eine Schnitzeljagd, führt Luis Engelhardt, Projektleiter von „Zusammen1“, aus. „Anstelle von Zetteln mit Aufgaben und einer Karte nutzen wir aber die App Actionbound.“ Mit Hilfe der App werden die Teilnehmer:innen auf einen fünf Kilometer langen Rundgang durch Bornheim geführt, währenddessen sie Punkte für jede korrekt beantwortete Frage bekommen. „Wir wollen Erinnerungskultur spielerisch vermitteln und nicht nur Biografien jüdischer Menschen aufhängen“, sagt Engelhardt. „Didaktisch war es uns besonders wichtig, positive Bezüge zum jüdischen Leben herzustellen, aber auch auf Herausforderungen, wie Antisemitismus und die Verbindung zu anderen Diskriminierungsformen, wie zum Beispiel Sexismus, einzugehen.“

Malek und Luciano von der Makkabi-Jugendmannschaft waren überrascht, dass nur eine Million Frauen in Deutschland Fußball spielen. „Ich dachte, es wären mehr“, sagt Luciano.

Anfangs- und Endpunkt des Lernpfads ist das Fanhaus des FSV am Bornheimer Hang, an dessen Wand bereits Bilder von jüdischen Persönlichkeiten des Vereins zu sehen sind. Zwei von ihnen sind die ehemaligen jüdischen Vereinspräsidenten David Rothschild und Alfred J. Meyers. Die Präsidenten wurden 1933 aus Deutschland vertrieben.

„Ohne Meyers gäbe es das Stadion hier am Bornheimer Hang gar nicht“, sagt Peter Heering, Leiter des Fanprojekts FSV Frankfurt. „Und unter Rothschild hat der FSV seine größten sportlichen Erfolge erzielt.“ Mit dem Lernpfad solle sowohl die frühere als auch gegenwärtige Bedeutung jüdischen Lebens für den Verein verdeutlicht werden. „Es wäre klasse, wenn sich Fans, aber auch Fußballbegeisterte von auswärts den Rundgang ansehen.“ Für Heering ist die Entwicklung, dass sich mehr Fußballvereine klar gegen Antisemitismus positionieren, positiv. Allerdings sehe er auch eine Häufung von Übergriffen, die den Widerstand erst notwendig machten.

„Es ist deshalb richtig schön, wenn Initiativen, wie die Malereien am Haus, von den Fans kommen.“ Alon Meyer, Präsident von Makkabi Frankfurt und Makkabi Deutschland, betont die gesellschaftliche Verantwortung des Sports. Sport solle eine Heimat für alle schaffen, die frei von Rassismus und Antisemitismus sei. „Mit dem Lernpfad wollen wir Sensibilisierung und Empowerment zugleich schaffen, auch und vor allem, wenn man sich damit unbeliebt macht.“ Für Georgios und Oscar geht es nach der Sensibilisierung weiter zum Empowerment, sie machen sich zu ihrem Spiel auf. „Gelernt habe ich auf jeden Fall etwas“, grinst Georgios.

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