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Frankfurt: Schnippeln for Future

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Von: Thomas Stillbauer

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Mahlzeit. Mutter Sophie Frey und Pestalozzischüler:innen.
Mahlzeit. Mutter Sophie Frey und Pestalozzischüler:innen. © Monika Müller

An der „Blauen Tafel“ auf dem Römerberg zeigen Schulen, was sie fürs Klima tun – und lecker Essen gibt’s auch.

Nachher wird Suppe gegessen an der „Blauen Tafel“ in der Altstadt. Leckere Gemüsesuppe. Bleiben Sie dran. Aber zunächst duftet es überall nach … Parfüm? Nein, zu intensiv. Was dann? Was verströmt betörenden Duft über den halben Römerberg?

Aha, der Marktstand der Meisterschule. Lavendel! Fleißige Hände verpacken die getrockneten Blüten in Säckchen. War das so geplant, als Frankfurter Duftoffensive? Claudia Teubner lacht. „Wir hatten so eine gute Ernte“, sagt die Lehrerin, die den Schulgarten der Sindlinger Grund- und Hauptschule betreut. „100 Säckchen gehen heute bestimmt weg.“ Öl, Tee und Kissen kann man auch daraus machen, informiert eine Tafel über dem Produktionsteam. Und dass Lavendel viel Sonne braucht, aber wenig Wasser. Perfekte Pflanze für den Klimawandel – auch bei Biene und Hummel enorm beliebt.

Es geht um Pflanzen, ums Essen, ums Klima am Freitag auf dem Römerberg. 300 Schülerinnen und Schüler aus 25 Schulen sind da und zeigen „eine große Werkschau“ dessen, was sie in Sachen Ernährung und Nachhaltigkeit so leisten. Kochworkshops und Insektenwiesen, Kräuterspiralenbaugemeinschaften und Vogelfutterbereitstellungsinitiativen. Die Textorschule etwa hat eine Garten-AG, die sich jeden Donnerstag trifft und Blumen pflanzt. Die Heinrich-Seliger-Schule zeigt Fotos von der Gartenarbeit. „Wir hatten das erste Flächenbüffet in Frankfurt“, sagt Schulgartenbetreuerin Jana Encev. Flächenbüffet? Das veranschaulicht, wie viel Anbaufläche für einen Teller Spaghetti Napoli nötig ist (geht so) und für einen Teller Spaghetti Bolognese (viel mehr). Was hat die Seliger-Gärtnerei noch so gemacht? „Hochbeete gebaut“, sagt Felix (9). „War gut, weil es Spaß macht und weil wir was gelernt haben.“ Nämlich? „Dass man viiiel Erde braucht“, stöhnt Mitschüler Bruno.

Gucken, riechen, schmecken

Das Schöne an diesem Freitag ist, dass er endlich wieder draußen stattfindet. „Wir sind begeistert“, sagt Monika Krocke vom Verein Umweltlernen in Frankfurt, der die „Blaue Tafel“ seit Jahren mit dem Netzwerk „Nachhaltigkeit lernen in Frankfurt“ und dem Stadtschulamt veranstaltet. Corona hat das Spektakel zweimal verhindert, jetzt heißt es wieder gucken, tasten, riechen, schmecken – und der Regen macht einen Tag Pause. „Das haben wir extra so organisiert“, flachst Monika Krocke. „In der Teamsitzung tanzen wir dafür.“

Überall auf dem Römerberg zeigen die Kinder und Jugendlichen, was sie in den Schulgärten fabrizieren. Das klappt auch deshalb, weil selbst in den Sommerferien weitergepflegt wird von „superengagierten Lehrkräften“ (Krocke), Eltern, Kindern. Auf dem Römerberg wird am Freitag außerdem Apfelsaft gekeltert, Umweltorganisationen haben Stände aufgebaut, es gibt eine Rallye mit Quizfragen.

Hamona und Asya aus der sechsten Klasse helfen beim Gemüseschnippeln, denn der Tag gehört ja zur Klimagourmet-Festivalwoche. Aus dem Gemüse (die Schätzungen bewegen sich zwischen 80 und 500 Kilo) macht Aktionskoch Wam Kat aus Berlin etwas, das mit riesigen Schöpfkellen umgefüllt wird und unfassbar gut duftet. Ging das Schnippeln unfallfrei ab? „Nein“, sagt Bärbel Praetorius von Slow Food zur Gesamtlage. „Ja“, sagt Hamona zum Einzelfall mit einem gewinnenden Lächeln, „ich mache das ja zu Hause auch oft.“

Dann also das Essen, alle zusammen mit blauen Tischdecken und mitgebrachten Tellern. „Ihr seid großartig“, lobt die Bildungsausschussvorsitzende Dana Kube (Grüne) die Schülerinnen und Schüler. Eine muss ja mal aussprechen, was alle denken.

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