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Eine Ladestation von Innogy in der Siesmayerstraße am Palmengarten mit einer Leistung von 22 Kilowatt - dabei dauert das Aufladen mehrere Stunden.

Verkehr

Frankfurt: Schnellladesäulen für Elektroautos

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Noch in diesem Jahr soll der Ausbau der Ladeinfrastruktur beginnen, an denen auch E-Taxis laden sollen.

Wenn die Frankfurter Stadtverordneten die Verkehrswende voranbringen wollen, haben sie in den nächsten Tagen viel zu tun. 117 Seiten hat das Elektromobilitätskonzept der städtischen Wirtschaftsförderung, das am 21. Januar im Verkehrsausschuss besprochen wird - falls die Parlamentarier bis dahin ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Zum Glück ist das Papier in überschaubare Kapitel eingeteilt. So gibt es gleich zu Beginn gutachterliche Empfehlungen sowie am Ende eine Übersicht über 22 Projekte, in Steckbriefe sortiert.

„Die allerhöchster Priorität hat der Ausbau der Ladeinfrastruktur“, sagt Ansgar Roese von der städtischen Wirtschaftsförderung, aus dessen Feder das Dokument maßgeblich stammt. Die Ausgangssituation in Frankfurt beschreibt er so: Es gibt 104 Normalladestationen und 18 Schnellladestationen in der Stadt. Der Anteil der Elektroautos an den zugelassenen Fahrzeugen liegt in Frankfurt bei einem halben Prozent. Dennoch ist er zuversichtlich: „Die E-Mobilität kommt.“

Bis 2030 könnte ein Drittel der neu zugelassenen Fahrzeuge elektrisch fahren. Doch dafür brauche es Ladeinfrastruktur. Dazu hat er Gutes zu berichten: „Die Firma Allego steht parat.“ 360 Schnellladepunkte, an denen das Aufladen des Elektrowagens auf 80 Prozent der Batterieleistung gerade einmal eine halbe Stunde dauere, wolle Allego in der Stadt aufstellen. Noch fehlten die Genehmigungen, räumt Roese ein. Doch noch in diesem Jahr sollen voraussichtlich die ersten Schnellladesäulen stehen - zusätzlich zu jener im Flughafenstadtteil Gateway Gardens.

Aufgebaut würden die Schnellladepunkte an Straßen und unter anderem auf Parkplätzen von Supermärkten. Die Ladesäulen sollen 24 Stunden am Tag zugänglich sein. „Eine halbe Stunde Einkaufen - und schon ist das Fahrzeug aufgeladen“, so beschreibt Roese die elektromobile Zukunft.

Hoffnung macht ihm, dass die Automobilindustrie derzeit massiv für Elektroautos wirbt, im Fernsehen, an Bushaltestellen. Auch trieben die gesetzlichen CO2-Flottendurchschnittswerte, welche die EU vorgegeben hat, die Hersteller weiter an. 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer sind ab diesem Jahr zulässig. 2030 verschärft sich der Grenzwert auf 59 Gramm CO2. Wenn die Hersteller weiterhin SUVs verkaufen wollen, die von vielen Kunden nachgefragt werden, sind die CO2-Grenzwerte ohne viele Elektroautos in der Flotte nicht zu halten.

Das Konzept sieht vor, dass die Stadt die Elektromobilität auch mit eigenen Mitteln fördern soll. So sei eine „Anschubfinanzierung“ geplant, damit ein Pilotprojekt mit 50 Elektrotaxis in Gang kommt. Vorher müssten aber die Schnellladestationen stehen, an denen auch E-Taxis laden sollen, sagt Roese.

Auch müssten sich die Taxiunternehmer daran gewöhnen, dass „keine Mercedes E-Klassen“ oder „VW Touran“ zum Kauf angeboten würden, sondern Fahrzeuge anderer Hersteller.

Das Konzept sieht weiterhin vor, dass die Stadt „E-Leichtfahrzeuge“ - also E-Vespas, Pedelecs, elektrische Lastenräder - finanziell fördern soll, mit bis zu einem Viertel des Kaufpreises. Dieses Projekt, das bis zu einer halben Million Euro kosten würde, müssten die Stadtverordneten eigens beschließen.

Die zahlreichen Ladestationen sollen für Elektroautos reserviert sein, damit kein anderes Fahrzeug dort parkt. Auch für die sogenannten KEP-Dienstleister – das steht für Kuriere, Express- und Paketboten, also den Lieferverkehr – könnten Parkplätze reserviert werden, sobald die Unternehmen zahlreiche Elektrofahrzeuge einsetzen.

An Mobilitätsstationen sollen die Kunden unter verschiedenen Verkehrsmitteln - Leihrad, Carsharing-Auto, E-Tretroller - frei wählen können. Vorbilder gibt es am Marktplatz in Offenbach, in Hamburg oder München. „Es ist natürlich leichter, eine Mobilitätsstation bei Neubauprojekten mitzuplanen, als im Bestand nachträglich zu errichten“, sagt Roese. Möglich wären Mobilitätsstationen am Danziger Platz (Ostbahnhof) im Zuge der Planung der nordmainischen S-Bahn, an Haltestellen der Regionaltangente West, am Bahnhof Heddernheim oder am Südbahnhof. Schwieriger sei es an der Galluswarte. „Dort fehlt einfach der Platz.“

Im Nahverkehr fahren schon jetzt 85 Prozent der Fahrzeuge elektrisch - die U-Bahnen, S-Bahnen und Trams. Von den knapp 400 Bussen haben nur fünf einen Elektromotor, sie sind auf der Linie 75 zwischen Campus Bockenheim und Westend unterwegs. Die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq hat sich zum Ziel gesetzt, die komplette Busflotte bis 2030 auf Wasserstoffantrieb oder Strom umzustellen. Daran arbeitet Traffiq derzeit.

„In den nächsten Tagen erteilen wir den Zuschlag für das Busbündel A an einen privaten Wettbewerber“, sagt Traffiq-Sprecherin Nora Pullmann. Vorgesehen seien zwölf Elektrobusse, die ab Dezember 2020 auf der Linie 60 (Eschersheim–Rödelheim) fahren sollen. Auf der Linie 52 (Gallus–Griesheim) sollen ab Dezember 2021 weitere neun Elektrobusse fahren - diese Linie werden dem Bündel A zugeordnet.

Zuvor hatten Traffiq-Geschäftsführer Tom Reinhold und Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) bekanntgegeben, dass auf der Linie 33 (Hauptbahnhof–Westhafen) ab Dezember 2020 zwei Elektrobusse und auf der Linie 37 (Hauptbahnhof–Gutleut) neun elektrische Gelenkbusse fahren sollen. Rechnet man die Elektrobusse zusammen, werden Ende 2020 bereits 28 von ihnen unterwegs sein, ein Jahr später 37 Elektrobusse.

Bis Ende 2021 könnten 22 Wasserstoffbusse der städtischen Busgesellschaft ICB in den Busbündeln D (Mitte-Ost) und E (Mitte-Nord) fahren. Auf dem neuem Betriebshof, dessen Standort noch nicht bekannt ist, sollen die Busse Wasserstoff tanken.

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