Schnäppchenjäger bescheren dem Karstadt auf der Zeil in Frankfurt derzeit gute Umsätze.
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Schnäppchenjäger bescheren dem Karstadt auf der Zeil in Frankfurt derzeit gute Umsätze.

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Schlechte Stimmung, viel Umsatz bei Karstadt Zeil

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Die Mitarbeiter sind gekündigt, doch um den Ansturm der Schnäppchen-Jäger zu bändigen, muss Karstadt Leiharbeiter einstellen. Noch immer lebt die Hoffnung auf Erhalt.

  • Bei Karstadt auf der Zeil in Frankfurt läuft der Ausverkauf, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zum 31. Oktober gekündigt.
  • Doch Schnäppchenjäger sorgen für gute Umsätze und die Karstadt-Mitarbeiter geben die Hoffnung nicht auf.
  • Angestellte und Gewerkschaft Verdi kämpfen weiter um die Arbeitsplätze.

Frankfurt - Der Ausverkauf läuft auf vollen Touren, aber die Mitarbeiter bei Karstadt auf der Zeil haben die Hoffnung auf eine späte Rettung noch immer nicht aufgegeben. Beschäftigte und Betriebsrat hatten dem Vermieter Sahle Wohnen Mitte August nochmal einen Brief geschrieben und darin auf eine „vielversprechend“ verlaufene Telefonkonferenz von Anfang August verwiesen. Doch worauf konkret sich die Hoffnung gründen soll, kann der Betriebsratsvorsitzende Norbert Sachs auf Nachfrage auch nicht sagen: „Momentan blicken wir nicht richtig durch, woran es liegt.“ Angeblich lägen der Vermieter und der Karstadt-Eigner René Benko in den Verhandlungen nicht weit auseinander. Es geht nach wie vor um einen weiteren Mietnachlass für das Haus auf der Zeil.

Karstadt auf der Zeil in Frankfurt: Paradoxe Situation im Kaufhaus

Die Situation in dem Traditionshaus ist reichlich paradox. Einerseits ist die Stimmung in der Belegschaft am Boden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihre Kündigungen zum 31. Oktober erhalten, einige junge Kollegen sind Sachs zufolge schon gegangen, weil sie eine andere Arbeit gefunden haben. Doch mit dem beginnenden Abverkauf in der Karstadt-Filiale auf der Zeil hätten viele Schnäppchenjäger Einzug gehalten. „Das ist der Vorteil, wir haben gute Umsätze“, so Sachs. An den Kassen bilden sich regelmäßig lange Schlangen. Um den Ansturm überhaupt bewältigen zu können, hat das zur Schließung verdammte Haus ein Dutzend Leiharbeiter einstellen müssen.

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat den Kampf um die rund 450 Arbeitsplätze inklusive aller dort untergebrachten anderen Shops noch nicht aufgegeben. „Kann das Aus für Karstadt in Frankfurt-Zeil noch abgewendet werden?“, heißt es im jüngsten Mitteilungsblatt „Kuckuck“. Die letzte Entscheidung sei selbst zwei Monate nach Bekanntgabe der Schließung noch nicht gefallen.

Karstadt auf der Zeil in Frankfurt: Mike Josef fungiert als Vermittler

Aufseiten der Stadt Frankfurt fungiert Planungsdezernent Mike Josef (SPD) als Vermittler zwischen Vermieter Sahle und Benko. „Es gibt einen intensiven Austausch“, verrät Josefs Sprecher Mark Gellert. Von dem scheint der Vermieter Sahle Wohnen aber nichts mitzubekommen. Vor Wochen sei ein „letztes, finales Angebot“ zur Mietminderung unterbreitet worden, seitdem habe sich aufseiten der Geschäftsführung Karstadts nichts getan, sagt eine Unternehmenssprecherin auf FR-Anfrage.

Bei den Verhandlungen geht es auch um die Laufzeit. Der bisherige Dauernutzungsvertrag für Karstadt ist durch eine deutlich reduzierte Miete vom Tisch. Dem Vernehmen nach soll es um eine Laufzeit von drei bis fünf Jahren gehen. Betriebsrat Sachs betont, das würde angesichts von 55 Mitarbeitern Ü60 schon helfen, wenn die sich „irgendwie in die Rente reinzittern“ könnten. Sachs betont aber auch, es müsse jetzt schnell gehen, damit die Stammkunden animiert werden könnten, das Kaufhaus auf der Zeil wieder zu besuchen. „Das Publikum hat sich schon geändert“, so Sachs. Am 1. September ist eine Gläubigerversammlung in Essen. Doch selbst danach würde Sachs die Hoffnung auf eine Rettung noch nicht ganz aufgeben.

Die Stimmung bei den Mitarbeitenden in der geretteten Karstadt-Filiale auf der Zeil in Frankfurt ist angespannt. Die Kundinnen und Kunden freuen sich über die Neuigkeiten.

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