Wer in der Schlange steht, muss auch Geduld mitbringen. Foto: Monika Müller (2)
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Wer in der Schlange steht, muss auch Geduld mitbringen. Foto: Monika Müller (2)

Reisen trotz Corona

Frankfurt: Schlangen am Corona-Testcenter am Flughafen

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Nicht nur Reisende stellen sich für einen Abstrich geduldig an. Express-Linie kostet mehr.

Sobald man um die Ecke biegt, muss man nicht mehr nach den Weg fragen: Man sieht schon die Schlange vor dem Corona-Testcenter am Frankfurter Flughafen. Dieses liegt zwischen Terminal 1 und dem Fernbahnhof- im Übergang zum Einkaufszentrum The Squaire.

Die Motivationsgründe, warum die Leute bis zu drei Stunden an diesem Samstag anstehen sind doch sehr unterschiedlich. Eine sonnengebräunte Frau mit Sonnenhut und vollem Gepäckwagen steht mit ihrer Familie ganz hinten in der Schlange, 50 Leute stehen an diesem frühen Nachmittag vor ihnen. Sie sagt: „Wir kommen gerade aus Dubai. Dort leben wir seit zwölf Jahren, sind aber jetzt auf Familienbesuch in Deutschland. Und weil es in den Vereinigten Arabischen Emiraten sehr viele Corona-Fälle gab, lassen wir uns testen. Wir wollen unsere Familie hier nicht anstecken.“ Außerdem stehen die Vereinigten Arabischen Emirate genauso auf der Liste der Covid-19-Risikogebiete des Robert-Koch-Instituts wie auch Brasilien oder die Türkei.

Alle Ankommenden brauchen mindestens einen negativen Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, um überhaupt in Deutschland, ohne die ansonsten anstehende 14-tägige Quarantäne, einreisen zu dürfen. Die genauen Quarantäne-Ausnahmeregeln sind Ländersache. Ein junges Pärchen kommt ebenfalls direkt aus dem Flugzeug. Sieben Monate waren sie im Iran. „Wir sind dort vor dem Corona-Lockdown viel gereist und per Anhalter mitgefahren. Dann waren wir eben länger dort, weil die Ticketpreise zu hoch waren, um nach Deutschland zurückzufliegen. Jetzt lassen wir uns testen, weil Iran ein Risikogebiet ist“, sagt Sebastian (31), der in Gießen lebt.

Andere brauchen einen negativen Test, um in ihren Urlaubsort überhaupt einreisen zu dürfen. „Ich fliege morgen nach Dubai, um meinen Freund zu besuchen. Dafür brauche ich einen negativen Test. Wenn ich zurückfliege, brauche ich auch wieder einen, um direkt wieder arbeiten gehen zu können. Den Test mache ich dann aber direkt in Dubai“, sagt Julia (25) aus Mainz. Ein bisschen Angst hat sie vor dem Abstrich. „Ich bin da sensibel und bekomme schnell einen Würgereiz“, sagt sie und lacht. Ein Herr, der es schon hinter sich hat, sagt, es sei alles ganz sanft abgelaufen.

Testen lassen

Derzeit kann man nur aus elf Ländern außerhalb der EU uneingeschränkt in Deutschland laut Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat einreisen: Australien, China und Uruguay sind darunter.

Die Liste der Risikogebiete hingegen ist lang und wird ständig aktualisiert: Ägypten , Chile und die Türkei sind darunter. Wer aus diesen Ländern nach Deutschland zurückkehre, müsse in der Regel 14 Tage in Quarantäne, heißt es auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts. Umgehen lässt sich diese in einigen Bundesländern wie Hessen oder Bayern, wenn der oder die Betreffende einen aktuellen negativen Corona-Test und ein ärztliches Zeugnis vorweisen kann.

Der Test darf höchstens 48 Stunden vor der Einreise durchgeführt worden sein. Molekularbiologische Tests (PCR-Tests) werden derzeit aus allen Staaten der Europäischen Union sowie von vom Robert-Koch-Institut (www.rki.de) genannten Staaten akzeptiert.

Auch manche Länder fordern eine solche Bestätigung bei der Einreise. Die Biotechfirma Centogene hat am Frankfurter Flughafen das bundesweit erste „Walk-in Corona-Testzentrum“ vor zwei Wochen eröffnet. Offen steht es nicht nur für Reisende.

Wer das Ergebnis innerhalb von drei Stunden wissen will, zahlt 139 Euro. Bei der 59-Euro-Variante liegt es spätestens nach acht Stunden vor. Voranmeldung braucht man nicht. Aber man muss sich online registrieren und dabei auch gleich per Kreditkarte bezahlen. www.centogene.com

Das Zentrum ist zwischen Fernbahnhof und Terminal 1 angesiedelt. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr und samstags und sonntags von 9 bis 17 Uhr. jur/rose

Es stehen auch einige Menschen an, die wollen gar nicht verreisen. „Ich habe seit gestern Abend Gliederschmerzen und erhöhte Temperatur, und weil mein Bruder zur Risikogruppe gehört, will ich nicht bis Montag warten, bis ich mich beim Hausarzt testen lassen kann“, sagt ein 19-Jähriger Andere zeigen zwar keine Symptome, aber hatten direkt Kontakt zu Corona-Erkrankten. „Vier meiner Kollegen sind positiv getestet. Mein Chef will, dass wir uns alle jetzt testen lassen. Er zahlt auch die Kosten für den Test“, sagt ein junger Vater. Seine kleine Tochter trägt er auf dem Arm. Alle Wartenden tragen Maske.

„Wir haben gut zu tun“, sagt eine Mitarbeiterin. Bis zu 300 Tests schafften sie pro Stunde. Das Abstrichzentrum betreibt das Biotechnologieunternehmen Centogene in Kooperation mit Lufthansa und Fraport bis zunächst Ende Juli 2021.

Um überhaupt dranzukommen, muss man sich online registrieren und gleich per Kreditkarte bezahlen. Entweder macht man die Registrierung vorab oder direkt, wenn man bereits in der Schlange wartet. Das macht bei der Wartezeit keinen Unterschied. Denn es gibt eine Schlange für alle. „Außer die Kunden, die einen Expressprozess gebucht haben. Die dürfen direkt rein, dafür zahlen sie auch mehr“, sagt die Mitarbeiterin. Der Standardprozess kostet 59 Euro und das Ergebnis bekommt man dann als Download sechs Stunden nach Probeabnahme per E-Mail zugesendet, beim Expressprozess (139 Euro) liegt das nach drei Stunden vor.

In Hessen und Bayern braucht man, um die 14-tägige Quarantäne zu umgehen, zusätzlich ein ärztliches Zeugnis in deutscher oder in englischer Sprache, welches bestätigt, dass keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus vorhanden sind. Auch das kann man hier im Testcenter bekommen. Dafür gibt es drinnen eine extra Schlange und die ärztliche Bescheinigung kostet zusätzliche 25 Euro. „Ich muss am Montag wieder arbeiten und brauche den negativen Test und die ärztliche Bescheinigung. Ich war um 11.30 Uhr hier, da war die Schlange noch viel länger als jetzt. Und dann musste ich noch eine Stunde warten, weil nur ein Arzt da war. Insgesamt hat es drei Stunden gedauert“, erzählt eine 61-jährige Offenbacherin, erschöpft. Sie war auf Familienbesuch in Serbien, ebenfalls ein Covid-19-Risikogebiet. Ihr Sohn sagt: „Ich finde es nicht gut, dass man sich vorab online registrieren muss. Das überfordert viele ältere Menschen. Meine Mutter hätte das ohne meine Hilfe gar nicht geschafft. Außerdem funktioniert die Bezahlung nur per Kreditkarte. Was ist, wenn man keine Kreditkarte hat?“

Eine Deutschamerikanerin will am nächsten Tag in die USA, ihre über 80 Jahre alten Eltern besuchen. „Ich brauche keinen Test zur Einreise, weil ich Amerikanerin bin. Ich mache den Test aber, um meine Eltern nicht womöglich anzustecken.“ Und wenn sie zurück sei, werde sie sich auch testen lassen müssen. „Ich werde in den USA zwar das Haus kaum verlassen und meine Eltern leben auch in einem sehr ländlichen Gebiet mit kaum Corona-Fällen, aber ich arbeite hier mit Kindern zusammen.“

Und ganz geduldig in der Schlange steht auch Till Klimpke. Der 22-jährige Handballtorhüter des Bundesligisten HSG Wetzlar. „Wir müssen uns alle privat testen lassen, bevor das Training am Mittwoch beginnt. Das ist anders als bei den Fußballprofis, wo der Herr Doktor persönlich vorbeischaut“, sagt er und lacht. Die Kosten für den Test übernehme aber sein Verein.

Die aktuelle Lage zur Corona-Pandemie in Deutschland finden Sie in unserem News-Ticker.

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