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In der B-Ebene der Station Eschenheimer Tor bietet die Stadt Frankfurt mehr als 100 Obdachlosen Schlafplätze für die kalte Jahreszeit. Die Winteraktion findet jedes Jahr statt.
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In der B-Ebene der Station Eschenheimer Tor bietet die Stadt Frankfurt mehr als 100 Obdachlosen Schlafplätze für die kalte Jahreszeit. Die Winteraktion findet jedes Jahr statt.

Obdachlosigkeit

Frankfurt: Schlafen in der U-Bahn-Station

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Die Notunterkunft am Eschenheimer Tor bietet Obdachlosen Schutz vor kalten Nächten. Doch Sozialdezernentin Elke Voitl will so viele wie möglich ganz von der Straße holen.

Mit ihrer Winteraktion weitet die Stadt Frankfurt auch in diesem Jahr wieder die Angebote für obdachlose Menschen aus. Besonders in den drohenden kalten Nächten sollen Menschen ohne Obdach in der Stadt organisierte Rückzugsorte und Anlaufstellen haben. Eine der niedrigschwelligsten Notübernachtungen findet sich dabei erneut in der B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor.

Seit 2018 werden die Flächen von der Frankfurter Verkehrsgesellschaft VGF zur Verfügung gestellt. Die Organisation hat der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten inne. Bevor die Einrichtung in der U-Bahn-Station öffnete, war die B-Ebene der Hauptwache jeden Winter Rückzugsort für obdachlose Menschen. Der jetzige Standort sei besser, sagt Christine Heinrichs, stellvertretende Geschäftsführerin des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten. Es gebe Toiletten, eine Organisation und am Morgen das Wintercafé, wo die obdachlosen Menschen gleich mit Getränken und Essen versorgt werden können. Im 600 Quadratmeter großen Hauptraum können die Schutzsuchenden auch ohne Störungen schlafen.

Winter-Angebote

Die Unterkunft in der B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor öffnet abends um 21 Uhr. Am Morgen um 5.45 Uhr beginnt das Aufwecken. Anschließend gibt es nach einer Reinigung vor Ort das Wintercafé mit Getränken und Essen. Dort können obdachlose Menschen bis 10.30 Uhr bleiben.

Der Tagesaufenthalt in der Bärenstraße 1 ist ab dem 15. November geöffnet: montags bis sonntags von 9 bis 18.30 Uhr. Nachts gibt es vor Ort 27 Schlafplätze. Außerdem gibt es Duschmöglichkeiten und gegen einen geringen Unkostenbeitrag Frühstück sowie Mittag- und Abendessen. Das Angebot wird von der Caritas Frankfurt organisiert.

Das Diakonische Werk für Frankfurt und Offenbach öffnet ab 15. November die Winter-Notübernachtung im Tagestreff Weißfrauen in der Gutleutstraße 20. Dort wird es 15 Plätze für Männer und fünf für Frauen geben.

Der Kältebus ist bereits seit Anfang Oktober wieder jede Nacht in Frankfurt unterwegs. Er bietet auf der Straße lebenden Menschen Tee, Schlafsäcke und Isomatten an. Zudem fährt er die Menschen zu den Notunterkünften, wenn sie das möchten. Der Kältebus ist telefonisch unter 069/431 414 erreichbar. Befindet sich ein obdachloser Mensch in einer kalten Nacht ernsthaft in Gefahr, sollte gleich die Notrufnummer 112 gewählt werden. mic

Doch Corona hat auch die Lage in der Notunterkunft verändert. Wo sonst 180 Menschen Platz fanden, dürfen jetzt nur noch 40 schlafen. Die restlichen Menschen finden Platz in den langen Gängen oder auf der hinteren großen Fläche nahe den Rolltreppen zu den U-Bahn-Gleisen. „Alle Bereiche sind von uns betreut“, sagt Heinrichs. Vier Sicherheitskräfte, drei Mitarbeitende des Vereins sowie drei Reinigungskräfte sind jede Nacht vor Ort. Das Prozedere sei aufwendig und anstrengend. Masken seien Pflicht, auch die Sicherheitsabstände von 1,5 Metern müssen eingehalten werden. Vor Ort finden die obdachlosen Menschen eine Matte und zwei Decken für die Nacht.

In der Nacht zu Montag kamen 147 Personen und ein Hund zum Übernachten. Tiere seien vor Ort kein Problem. Der Großteil der Schutzsuchenden waren Männer. Aktuell geht der Verein anhand von Zählungen des Kältebusses von 254 obdachlosen Menschen in der Stadt aus. 80 mehr als vor einem Jahr. Die Pandemie hatte auch viele auf der Straße lebende Menschen vertrieben. Dass Corona diesen Menschen zusetze, merke auch der Frankfurter Verein. Die Leute gehen zu ihren Schlafplätzen und würden erschöpft einschlafen. Die Situation für sie sei durch Corona schwerer als sowieso schon.

Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) sieht die Unterbringung in der B-Ebene als Grundversorgung, die zwar nicht heimelig sei, aber wärmer und geschützter als auf der Straße. Dass die Notunterkunft mitten in der Stadt läge, sei kein Zufall. Genau dort seien die obdachlosen Menschen häufig, und ihnen „gehört die Stadt genau so wie allen anderen auch“.

Die Stadt mache beim Thema Obdachlosigkeit bereits sehr viel. Die Angebote seien differenziert und flexibel. Niemand müsse in Frankfurt auf der Straße schlafen. Man könne für jeden eine Unterkunft für die Nacht finden. Gleichzeitig gebe es den freien Willen – nicht jeder möchte Hilfe annehmen. Das sei zu respektieren, auch wenn es manchmal kaum auszuhalten sei.

Der Kältebus ist unterwegs. Aber wenn ein Obdachloser zu erfrierendroht: lieber gleich den Notruf 112 anrufen.

Stadt und die verschiedenen Träger spezieller Angebote möchten den betroffenen Menschen aber stets Unterstützung zukommen lassen. Auch Hartnäckigkeit sei dabei wichtig. Voitls erklärtes Ziel sei es, so viele Menschen wie möglich in feste Wohnungen zu bringen und neue Angebote zu entwickeln. Obdachlose würden aber nicht nur ein Dach über dem Kopf benötigen, sondern auch Begleitung, um die erlangte Wohnung nicht zeitnah wieder zu verlieren.

Die Dezernentin sieht nicht mangelnde Erfahrung oder Kompetenz als das große Problem, beides sei vorhanden. Es fehle schlicht an Wohnungen. Neben Flächen und Gebäuden brauche es auch „mutige Vermietende, die sich auf solche Angebote einlassen“, sowie Nachbarn, die Toleranz leben. Sie appellierte an das soziale Gewissen aller: „Obdachlose sind Menschen mitten in der Gesellschaft, für die wir alle gemeinsam die Verantwortung tragen.“

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