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Ellen Wild und Rainer Luckhaus fordern, die Einfahrten in den Kreisverkehr an der Kreuzung Vilbeler Landstraße/Viktor-Slotosch-Straße für ankommende Fahrzeuge besser sichtbar zu machen. Hier der Blick von Süden die Vilbeler Landstraße in Richtung Bergen. 

Verkehr 

Schilder-Zoff in Bergen-Enkheim: Wie gefährlich ist dieser Kreisel wirklich? 

In Frankfurts Norden gibt es einen Kreisel, an dem sich die Geister scheiden. Bürger empfinden ihn als gefährlich. Die Politik findet alles halb so schlimm.

Bergen-Enkheim – An den Unfall kann sich Rainer Luckhaus noch genau erinnern, auch wenn er schon einige Jahre her sei. Oft werde es eng hier am Kreisverkehr, wo die Viktor-Slotosch-Straße auf die Vilbeler Landstraße trifft. Der Kreisverkehr sei gefährlich, warnt Luckhaus. Er wohnt direkt am Kreisel in einem Mehrfamilienhaus.

Mehrfach sei es schon zu Unfällen gekommen, "aber dieser war der Schlimmste", sagt Luckhaus. Ein Lastwagenfahrer hatte eine Frau übersehen, die den Zebrastreifen auf der Südseite überquerte, an der Ausfahrt aus dem Kreisverkehr Richtung Borsigallee. "Die Frau wurde unter dem Lastwagen einklemmt." Schnell war die Feuerwehr da, doch auch sie konnte die Frau erst befreien, als ein hinzu gerufener Kranwagen den Lastwagen hochhob. "Die Frau war überraschender Weise offenbar nur leicht verletzt. Sie hatte Glück."

Dass der Kreisverkehr gefährlich ist, weil unübersichtlich, findet auch BFF-Ortsbeirätin Ellen Wild. Also ließ sie ihre Parteifreundin, die Stadtverordnete Ingeborg Leineweber, in der Fragestunde des Stadtparlaments bei Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) nachfragen. Doch dessen Antwort verwundert Ellen Wild und ebenso Rainer Luckhaus: "Die Straßenverkehrsbehörde sieht keinen akuten Handlungsbedarf, Änderungen vorzunehmen", erklärt Klaus Oesterling. Der Kreisverkehr sei "nicht unfallauffällig und keine akute Unfallstelle".

Frankfurt: Nur wenige Unfälle verzeichnet

In der Unfallstatistik seien für die vergangenen drei Jahre am Kreisverkehr "keine Unfälle mit Fußgängerbeteiligung" verzeichnet, erklärt der Dezernent. Die Frankfurter Polizei bestätigt dies und fügt hinzu: "Im Jahr 2017 kam es zu zwei Verkehrsunfällen, wodurch zwei Radfahrer leicht verletzt wurden. In den Jahren 2014, 2015 und 2016 kam es jeweils zu einem Unfall mit einem Fußgänger, welche jeweils leicht verletzt wurden. Zudem wurden in den Jahren 2014 und 2015 insgesamt drei Unfälle mit Fahrradfahrern verzeichnet, welche leicht verletzt wurden." Wild und Luckhaus haben einen ganz anderen Eindruck: Immer wieder komme es zu gefährlichen Situationen, beklagen sie.

Frankfurt: Anwohner finden, die "Straße verleitet zum Gas geben"

Auch weil die Vilbeler Landstraße von Bergen kommend schnurgerade bergab nach Enkheim führe. "Das verleitet dazu, noch mal aufs Gas zu drücken, wenn man das Gefühl hat, der Kreisverkehr ist ja frei, ich kann schnell durchfahren", findet Luckhaus.

Er hat sich viele Jahre lang bei der Deutschen Verkehrswacht ehrenamtlich an Verkehrssicherheitsplanungen für Frankfurt und ganz Hessen beteiligt. Und von der Borsigallee her kommend könne man wegen der etwas in Richtung der Viktor-Slotosch-Straße versetzten Konstruktion des Kreisverkehrs fast geradeaus durch das Nadelöhr fahren, sagt Luckhaus. Er warnt: "Aus Richtung Süden kommend ist der Kreisverkehr auch nicht wirklich gut zu sehen."

Frankfurt Enkheim: Kreisverkehr ohne Beschilderung 

Luckhaus kritisiert, dass an den Einfahrten weder die quadratischen, blau-weißen Verkehrsschilder "Fußgängerüberweg" aufgestellt seien, noch blau-weiße Manschetten an den Schildermasten beiderseits des Überwegs. Beides sei etwa an den vielen Kreisverkehren im benachbarten Bad Vilbel üblich. "In einigen Ländern werden Zebrastreifen außerdem standardmäßig durch gelbe Blinklichter sichtbar gemacht", erklärt der Anwohner.

Allerdings: Die blau-weißen Schilder sind hier kein Muss. Der Kreisverkehr habe "wartepflichtige Zufahrten": wer hinein fährt, muss jenen, die bereits im Kreisverkehr sind, Vorfahrt gewähren. Dadurch sei laut Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung "die Beschilderung in der Regel entbehrlich", heißt es in Oesterlings Antwort auf Leinewebers Anfrage. Das hessische Verkehrsministerium habe schon 2010 sogar schriftlich angeordnet, dass an solchen Stellen die Zebrastreifen-Schilder zu entfernen seien. "Aus diesem Grund wurde auf die Beschilderung verzichtet", erklärt der Verkehrsdezernent. Doch seine Argumente überzeugen weder Ellen Wild noch Rainer Luckhaus. 

red

Auch um einen anderen Kreisverkehr gab es in Enkheim Ärger.

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