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Frankfurt: Scharfzüngiger Aufklärer gestorben

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Christian Raabe.
Christian Raabe. © Andreas Arnold

Zum Tod des Sozialdemokraten und Stadtältesten Christian Raabe.

Über Jahrzehnte gehörte dieser Mann zu den einflussreichsten Politikern der Frankfurter SPD. Er war scharfzüngig, seine Wutausbrüche fürchteten nicht nur die politischen Gegner:innen. Christian Raabe ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Der Name des Rechtsanwaltes wird für immer mit dem Kampf zur Aufklärung der Verbrechen des Holocausts verbunden sein. Frankfurt ehrte den langjährigen Stadtverordneten mit dem Titel des Stadtältesten.

1959 war er in die SPD eingetreten. 1963, beim ersten Auschwitz-Prozess in Frankfurt, bei dem einige der schlimmsten Täter des Konzentrationslagers vor Gericht standen, trat der junge Jurist als einer der Anwälte der Nebenkläger auf. Rasch machte er sich einen Namen: Er bot den Verbrechern aus dem KZ, die teils provozierende Frechheit zeigten, die Stirn. Diese Zeit prägte Raabe für sein Leben. Auch beim zweiten Frankfurter Auschwitz-Prozess und in anderen NS-Verfahren war er dabei.

1970 machte er sich mit einer eigenen Kanzlei selbstständig. Als einer der ersten Anwälte überhaupt vertrat er Studentinnen und Studenten, die in den Jahren der Revolte mit Polizei und Staatsmacht in Konflikt geraten waren. Unvergessen ist sein Einsatz 1982 gegen die Verleihung des Goethepreises der Stadt Frankfurt an den Schriftsteller Ernst Jünger. Für Raabe war Jünger ein geistiger Wegbereiter des Nationalsozialismus, ein zynischer Antisemit.

Als Notar des gewerkschaftseigenen Bau- und Wohnungsunternehmens Neue Heimat gelangte der Anwalt später zu Wohlstand. Politisch gehörte Raabe dem rechten SPD-Flügel an. Er war Mitglied im Ortsverein Sachsenhausen-Ost, der lange Zeit größten und einflussreichsten Parteigliederung der Frankfurter SPD. Der Kulturpolitik gehörte sein besonderes Engagement. Mit dem langjährigen Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann (SPD) geriet der Sozialdemokrat immer wieder aneinander. Raabe stand den großen Projekten, mit denen Hoffmann reüssierte, teils kritisch gegenüber, etwa der Perlenkette des Museumsufers. Er hielt Hoffmanns Politik nicht selten für zu teuer.

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