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Samuel Gärtner, Modeschöpfer, vor dem Senckenberg Museum.
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Samuel Gärtner, Modeschöpfer, vor dem Senckenberg Museum.

PORTRÄT DER WOCHE

Frankfurt: Samuel Gärtner zeigt erste Modekollektion im Senckenberg-Museum

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Lange war Samuel Gärtner Mode-Influencer. Jetzt präsentiert der 23-jährige Designer seine eigenen Kreationen im Senckenberg-Museum und vor der Alten Oper. Es sind eine der wenigen echten Veranstaltungen, die im Rahmen der Frankfurt Fashion Week in der Stadt passieren.

Samuel Gärtner trägt schwarze Plateauschuhe zur weißen Perlenkette, als er vor dem grünen Dinosaurier posiert. Der Jungdesigner wird an diesem Montag seine erste Modekollektion nicht draußen beim Dino unweit des Haupteingangs, sondern drinnen im Senckenberg-Museum präsentieren. „Die Models werden zwischen den Dinosaurierskeletten laufen“, sagt Gärtner, der am Samstag seinen 23. Geburtstag feierte. Seine beste Freundin, das Frankfurter Model Bruna Rodrigues, die 2018 Kandidatin bei „Germany’s Next Topmodel“ war, wird die Show eröffnen. Am Dienstag präsentieren Models seine Mode beim Open-Air-Laufsteg der Frankfurt Fashion Lounge an der Alten Oper.

Es sind eine der wenigen Veranstaltungen, die rund um die erste Frankfurt Fashion Week pandemiebedingt in der Stadt passieren. Die Fashion Week selbst ist digital. 100 Gäste durfte Gärtner unter Hygieneauflagen ins Senckenberg-Museum einladen. Auf seinem Instagram-Account kann man ab 20 Uhr seine Show live verfolgen.

Beste Freundin als Muse

32 Looks bestehend aus zwei bis drei Kleidungsstücken werden die männlichen und weiblichen Models präsentieren. „Vom Stil her habe ich mich viel an den 70er Jahren orientiert. Ich liebe große Krägen. Ich habe es teilweise vielleicht etwas übertrieben“, sagt Gärtner. Er spiele gerne mit Materialien, die auf den ersten Blick nicht zueinander passten. „Ich kombiniere einen Tweedstoff, also eher das Spießige, was man mit Chanel verbindet, mit Kunstleder.“ Er selbst trage fast nie seine eigenen Sachen. „Ich denke viel an meine beste Freundin Bruna, wenn ich meine Sachen entwerfe. Sie ist so etwas wie meine Muse. Vielleicht bin ich wie Karl Lagerfeld, der hat auch nie seine eigenen Sachen getragen“, sagt er und lacht.

Bevor Gärtner Designer wurde, war er als Mode-Influencer in Mailand, Paris und New York bei den Fashion Weeks eingeladen. „Ich habe mir da viel abgeschaut, wie man eine Schau organisiert. Denn es war immer schon mein Ziel, selbst Mode zu machen“, so Gärtner, der bereits eine Vier-Jahreszeiten-Badelatschen-Kollektion rausbrachte.

Auf der Waldorfschule hat Samuel Gärtner das Nähen gelernt

1998 wird er in Frankfurt geboren; bis er zwölf ist, lebt die Familie in Dreieich, dann zieht sie nach Nidderau. „Das waren aber immer nur Wohnorte für mich. Mein Leben hat sich immer in Frankfurt abgespielt. Als Kind war ich mit meiner Oma jedes Wochenende in den Museen. Deswegen habe ich auch zum Senckenberg-Museum eine emotionale Bindung.“ Im März hatte Gärtner auch ein Mode-Shooting im Städel.

„Meine Mutter ist schuld“, antwortet er auf die Frage, warum er Mode macht. „Meine Mutter liebt Tiere und Mode. Meine Schwester und ich haben ihre Interessen aufgesplittet. Ich bin die Mode, sie die Tiere. Meine Schwester ist Profireiterin.“ In Nidderau hat die Familie ein großes Grundstück: Mit Hunden, Katzen, Enten und Pferden lebt Gärtner dort bis heute. Sein Vater ist IT-Manager und habe ihn immer unterstützt. Die Mutter habe ihn und seine drei Jahre jüngere Schwester immer schon schön angezogen.

Ab der neunten Klasse reicht es Gärtner nicht, sich nur noch schön anzuziehen. „Ich wollte selbst Mode machen. Ich war auf der Waldorfschule in Eschersheim und habe dort das Nähen gelernt. Meine Kollektion ist zu 100 Prozent von mir genäht. Vom Design bis zum Endprodukt ist alles von mir.“

„Ich habe sehr feminine und maskuline Teile. Wer was am Ende trägt, überlasse ich den Leuten.“

Eine Zeit lang habe er überlegt, Sänger zu werden. Er ist im Kinderchor der Oper Frankfurt, nach dem Stimmbruch nimmt er Gesangsunterricht am Konservatorium. „Das war und ist immer noch mein Problem: Ich habe zu viele Interessen. Es ist ein innerer Kampf: Was soll ich machen?“ Nach dem Realschulabschluss fängt er an, über Mode und Reisen zu posten, und wird, wie er sagt, ungeplant zum Influencer.

Und dann kommt Corona: „Ich habe mich gelangweilt und die Nähmaschine entstaubt, Stoffe gekauft und wieder angefangen zu nähen. Es war erst mal just for fun, aber dann waren es auf einmal 32 Looks. Dann dachte ich: ‚Vielleicht sollte ich mehr damit machen.‘“ Anfang des Jahres hat er angefangen Musik- und Eventmanagement an der Akademie Deutsche Pop in Frankfurt zu studieren. „Ich kann damit in die Mode- oder Musikrichtung gehen. Meine Modenschauplanung wird meine Projektarbeit sein.“ Zu kaufen gibt es seine Kollektion noch nicht. „Ich will erst mal sehen, wie meine Mode ankommt. Ich war aber schon vor ein paar Wochen in Portugal und habe dort eine Fabrik besucht. Wenn also jetzt viele Einkäufer auf mich zukommen, bin ich ready.“ Ein paar seiner Sachen hat er bereits auf Instagram veröffentlicht wie diesen rosa Tüllrock „Pretty in Pink“, den beim Shooting ein Männermodel trug. „Ich habe sehr feminine und sehr maskuline Teile. Wer was am Ende trägt, überlasse ich den Leuten.“

Gärtner selbst werde wegen seines femininen Looks oft auf der Straße angefeindet: „Viele glauben, dass wir in Deutschland sehr tolerant seien. Aber das ist nicht so. In New York oder Mailand hingegen feiern die Leute einen, wenn man individuell auftritt.“ Dank seiner Mutter habe er ein gutes Selbstbewusstsein. Aber er kenne viele, die sich aus Angst eben nicht so kleideten, wie sie es gerne wollten. „Mein Ziel mit meiner Mode ist es, dass Menschen sich trauen, ihre Gefühle und Persönlichkeit nach außen zu tragen.“

Samuel Gärtners Modeschau im Senckenberg-Museum kann man 5. Juli ab 20 Uhr im Live-Stream auf Instagram sehen

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