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Samson zieht um, und für das Gelände gibt es viele Ideen. michael schick
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Samson zieht um, und für das Gelände gibt es viele Ideen. michael schick

Stadtentwicklung

Frankfurt: Samson-Gelände weckt Begehrlichkeiten

Stadt bevorzugt wäre eine industrielle Nutzung, doch es gibt auch andere Interessenten.

Über die Zukunft des Geländes der Samson AG im Osthafen entbrennt ein Wettbewerb. Die Stadtregierung möchte es weiter für die Industrie sichern. Doch auch für Rechenzentren ist die Lage hochinteressant: Direkt nebenan werden bereits Teile des Datenverkehrs des größten Internetknotens der Welt umgeschlagen.

Der Knoten ist auf mehrere Rechenzentren in der ganzen Stadt verteilt. In einigen der unscheinbaren Gebäude laufen Datenleitungen aus halben Kontinenten zusammen. An der Hanauer Landstraße befindet sich ein solcher Knoten. Kurze Wege sind auch für Daten wichtig, kein Wunder also, dass Betreiber Interxion für sein Wachstum selbst die teure, aufwendige Denkmalschutzsanierung des Eiermann-Baus, der einstigen Neckermann-Zentrale, in den nächsten Jahren nicht scheut.

In der Nachbarschaft eröffnet sich nun die nächste Expansionsoption: Ventilhersteller Samson will seine Produktion binnen fünf bis zehn Jahren vom Standort am Ratswegkreisel nach Offenbach verlagern. Direkt zwischen Kreisel und dem Zaun zu Samson hat Interxion gerade sein Rechenzentrum FRA 15 gebaut. Das Samson-Gelände wäre sicher eine ideale Expansionsfläche. Interxion werde das aber nicht kommentieren, sagt Sprecherin Sabine Tabrizi.

Die Stadtpolitik will in eine andere Richtung: „Auch in Zukunft soll das Gebiet im Osthafen als Industriegebiet für produzierende Industrie erhalten bleiben“, erklärten die Dezernenten für Stadtplanung und Wirtschaft, Mike Josef (SPD) und Markus Frank (CDU), nach Bekanntwerden der Umzugspläne von Samson. Das Areal habe mit Anschluss an Straße, Schiene und Wasser einen „ziemlichen Vorteil“, sagt Josefs Referent Marcus Gwechenberger. Daher solle es dort auch in Zukunft „eine hafenaffine Nutzung“ geben.

Es sei nicht sehr weitsichtig, den bereits ansässigen Rechenzentren schon jetzt Expansionsmöglichkeiten zu versagen, urteilt indessen Stadtverordnete Stephanie Wüst (FDP). Zwar wollen auch die Liberalen den Osthafen „als Standort für das produzierende Gewerbe bewahren und weiterentwickeln“. Würden aber Flächen in direkter Nachbarschaft frei, sollten diese auch für „zukunftsträchtige Tech-Unternehmen“ grundsätzlich nutzbar sein.

Die Entwicklung solle dem Markt überlassen werden, fordert die Industrie- und Handelskammer (IHK). „Diese Fläche, die es außerhalb der Industrieparks in dieser Größe nur selten gibt, bietet sich auch für eine qualifizierte industrielle Nachnutzung an“, betont Präsident Ulrich Caspar. Er sieht aber auch die Attraktivität für Rechenzentren.

„Das ist eine klassische Konfliktsituation,“ sagt Josef-Referent Gwechenberger, „ganz typisch für die Stadtentwicklung.“ Letztlich müssten in dieser „Abwägungsfrage“ die Stadtverordneten entscheiden. „Diskussionen über einzelne, potenziell geeignete Standorte wie zum Beispiel den Osthafen, fallen leider allzu oft einer unübersichtlichen Melange an Partikularinteressen zum Opfer“, kritisiert Frank Zachmann vom Verein Digital Hub Frankfurt/Rhein-Main, einem Zusammenschluss der Digitalgewerbes.

Daher müsse die Stadt jetzt zügig das angekündigte Konzept für die Entwicklung des digitalen Knotenpunkts vorlegen, fordert FDP-Stadtverordnete Wüst. Da Flächen knapp seien, „müssen wir diese Entwicklung planerisch gestalten“ und stärker Cluster von Rechenzentren bilden. Solche gibt es bereits an der Hanauer Landstraße, in Sossenheim und Seckbach. Gwechenberger rechnet damit, dass der Rahmenplan in der zweiten Jahreshälfte vorgelegt wird. Darin wolle die Stadt über die Cluster Perspektiven für die Rechenzentren aufzeigen. Es sei aber am besten, „Frankfurt auf mehrere Standbeine zu stellen“, betont er.

Ein runder Tisch aller Beteiligten sei seit Jahren überfällig, kritisiert hingegen Zachmann – „damit Interessenslagen klar geäußert und verbindliche Standortoptionen aufgezeigt werden können“. Allein die vorhandenen Flächen zu verteilen, genüge nicht, mahnt IHK-Präsident Caspar. Der Fall Samson zeige, dass es an großen, zusammenhängenden Flächen für neue industrielle Produktion mangele. Caspar: „Frankfurt sollte insgesamt mehr Flächen für Gewerbe und Industrie ausweisen.“

Rechenzentren hätten „sich in den vergangenen Jahren als prosperierender Wirtschaftszweig mit hohen Wachstumsraten und langfristigen Standortplänen für die Region fest etabliert“, erinnert Frank Zachmann. Die Betreiber investierten jährlich dreistellige Millionenbeträge. Zachmann warnt vor langen Diskussionen über Standorte: Damit riskiere Frankfurt den Abzug von Investitionen „auf regionale und nationale Alternativen“. Mehrere solcher Fälle habe es bereits gegeben.

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