+
Christian Becker am Schweizer Platz. Die Schweizer Straße soll attraktiver für Fußgänger und Radfahrer werden.

Frankfurt-Süd

Sachsenhausen: „Das nördliche Mainufer muss wieder geöffnet werden“

  • schließen

Der Vorsteher des Ortsbeirats 5, Christian Becker, über die Sperrung der Uferstraße, die eine Mehrheit des Stadtteilgremiums ablehnt. Die Schweizer Straße soll nach Ansicht des Christdemokraten für Fußgänger und Radfahrer attraktiver werden

Herr Becker, viele Sachsenhäuser sind davon genervt, dass mehr Verkehr seit der Sperrung des nördlichen Mainufers ihre Straßen verstopft. Aber auf dem Abschnitt ist auch einiges geplant, gerade steht eine Eisbahn dort. Muss das Experiment trotzdem abgebrochen, die Sperrung wieder rückgängig gemacht werden?

Die Mehrheit des Ortsbeirats ist dafür, dass das nördliche Mainufer wieder geöffnet wird. Allerdings mit einer Spur weniger. Das heißt eine in jede Richtung, die dritte wird in einen Radweg aufgeteilt. Man könnte ja auch am südlichen Mainufer eine Spur wegnehmen, aber der Verkehr sollte gleichmäßig und gerechter verteilt werden. Und eine Flaniermeile ist der nördliche Mainkai nicht, wenn ich spazieren gehen will, dann laufe ich direkt am Main, das sehen wohl viele so, denn sonderlich belebt ist es dort bislang nicht.

Die Idee ist, dass insgesamt weniger Autos durch Frankfurt fahren sollen, darum fordern einige, die Sperrung zu belassen und zu schauen, wie man die Anwohner entlastet. Ist das keine Option?

Man hat ja nicht den Verkehr aus der Stadt gebannt, das ist es, was wir kritisch sehen – er verteilt sich nur anders. Und es wurde kein adäquater Ersatz geschaffen. Man muss die Menschen dazu bringen, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. Im Moment gibt es aber im Ortsbezirk zu wenig gute Alternativen. Die Linie 18 fährt nicht mehr nach Oberrad, eine neue Verbindung von Oberrad in die Stadtmitte oder ins Ostend hat die Stadt abgelehnt. Der Umweg über Mühlberg und Lokalbahnhof spricht nicht dafür, dass man das Auto stehen lässt. Bürger haben zudem berichtet, dass etwa auf der Schweizer Straße das Radfahren noch gefährlicher geworden ist. Und die Aggressionen zugenommen haben. Die Stadt hatte sogar gesagt, dass ein Radweg in der Gartenstraße, Ecke Schweizer Straße wegen der Sperrung des Mainufers schwierig zu realisieren sei.

Schweizer Straße: Bäume müssen erhalten bleiben

Die Schweizer Straße soll auch umgestaltet werden, aber wann?

Im Zuge des Radwegentscheids hat die Koalition im Römer entschieden, dass es im nächsten Jahr einen Ideenwettbewerb geben soll. Der Ortsbeirat ist hier offen für Neuerungen. Wir brauchen barrierefreie Haltestellen und müssen einen Radweg einrichten. Mit diesen Grundpfeilern muss man etwas erarbeiten und schauen, wie man den öffentlichen Verkehrsraum anders aufteilt. Die Bäume müssen auf jeden Fall erhalten werden.

Könnte sie zur Fußgängerzone werden?

Die Straßenbahn soll bleiben, das halten wir für sinnvoll, ich weiß nicht, wie sich das mit den Fußgängern verträgt. Aber sicher, sie muss für Fußgänger attraktiver gestaltet werden. Wir werden darauf achten, dass man alle mitnimmt, also auch Lokale und Geschäfte. Es wird sicherlich ein Kompromiss. Meine Idee ist es, dass die Planung dann im Ortsbeirat vorgestellt wird, um die Bürger miteinzubeziehen. Die können dann auch äußern, was ihnen wichtig ist.

Das Entfernen der Bänke auf dem Adlhochplatz wegen nächtlichen Lärms war in der ersten Jahreshälfte ein Riesenthema, erreichen Sie noch viele Reaktionen?

Die Beschwerden über den Abbau sind immer weniger geworden. Mich haben aber beide Sichtweisen erreicht. Wir hatten ja angekündigt, dass wir nach einem Jahr evaluieren und dann entscheiden, ob die Bänke oder nur einige wieder aufgebaut werden.

Frankfurt: Zweiter Markttag in Oberrad?

Gibt es schon eine Tendenz?

Das wollen wir im neuen Jahr erörtern. Ich gehe davon aus, dass es leiser geworden ist. Die Frage, die wir klären müssen, ist, ob es dafür woanders laut geworden ist. Wir planen zudem eine Informationsveranstaltung mit dem Ordnungsamt und der Polizei, wie es insgesamt mit dem Lärm im Ortsbezirk auf öffentlichen Plätzen aussieht. Da warten wir noch auf einen Termin.

In Oberrad hatte sich eine Initiative gebildet, die mehr Menschen auf den samstäglichen Wochenmarkt locken und den Buchrainplatz beleben wollte, war die Idee erfolgreich?

Ja, das hat super geklappt. Die Initiative hat einmal im Monat jeweils ein anderes Thema gewählt und viele Menschen angezogen. Und sie verweilen auch länger dort. Soweit ich gehört habe, sind auch die Marktbeschicker sehr zufrieden. Die Vereine haben sich ebenfalls bei den Veranstaltungen beteiligt. Die Reihe soll nächstes Jahr fortgesetzt werden, die ersten sechs Termine stehen schon. Der Ortsbeirat hatte sich außerdem dafür eingesetzt, dass der Metzgereiwagen auch dienstags auf dem Platz steht – weil wir keinen Metzger mehr im Stadtteil haben. Ich habe zudem als Stadtverordneter vorgeschlagen, dass man dienstags einen zweiten Markttag einrichtet.

Zur Person

Christian Becker(CDU) ist seit 2011 Vorsteher im Ortsbeirat 5. Der 42-jährige Gymnasiallehrer ist in Oberrad aufgewachsen und seit 2001 Mitglied des Stadtteilgremiums.

Der Ortsbezirk 5ist mit fast 65 000 Quadratmetern Fläche der größte in Frankfurt. Fast 100 000 Menschen leben in den drei Stadtteilen Sachsenhausen, Ober- und Niederrad. Die 19 Sitze sind wie folgt verteilt: CDU und SPD halten je fünf, die Grünen drei, die FDP und die Linke zwei, die BFF einen und einen besetzt eine fraktionslose Politikerin.
.
Die nächste Sitzungdes Ortsbeirats 5 ist voraussichtlich am Freitag, 17. Januar, um 19 Uhr im Begegnungs- und Servicezentrum Riedhof, Mörfelder Landstraße 210-212. jkö

Wie läuft es auf Oberrads Einkaufsstraße, der Offenbacher Landstraße?

Das ist noch unser Sorgenkind. Wir bemühen uns um zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten. Eine Drogerie und ein weiterer Supermarkt fehlen. Wir hoffen, dass der Einzelhandel wieder etwas aufblüht und wenigstens der Bestand bleibt. Der Ortsbeirat hat auch Kurzzeitparkplätze beantragt. Das dauert wohl noch länger. Radbügel sollen ebenfalls aufgestellt werden.

In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats haben Eltern, deren Kinder die Friedrich-Fröbel-Schule in Niederrad besuchen, ihrem Ärger Luft gemacht. Sie beklagten die beengten Zustände und dass sie keine Informationen bekommen, wann neu gebaut wird. Wissen Sie, wie es dort weitergeht?

Die Eltern sind nicht begeistert, das kann ich nachvollziehen. Das ist eine lange Geschichte. Aber wir haben als Ortsbeirat schon einen klaren Zeitplan vorgestellt, den wir mit Bildungsdezernentin Silvia Weber und Planungsdezernent Jan Schneider erarbeitet haben. Anhand einer Machbarkeitsstudie hatten wir gezeigt, was möglich ist. Dass die Schule fünfzügig wird etwa. Das Gebäude wird abgerissen und neu gebaut. Auf dem bestehenden Gelände, dafür hatte sich der Ortsbeirat auch ausgesprochen. Nun wartet man auf die Ausnahmegenehmigung wegen des Flughafens. Wenn man die hat, kann man weiter planen und später dann bauen. Sechszügig soll sie nicht werden, sondern maximal 125 Schüler pro Jahrgang aufnehmen. Zusätzliche Container werden bestellt. Dass das keine super Lösung ist, weiß ich.

Generell gibt es zu wenig Grundschulplätze im Stadtteil, wird sich da bald etwas ändern?

Im Lyoner Quartier ist eine weitere Schule vorgesehen und nach einem weiteren Standort dort wird gesucht. Auch an der Frauenhofschule werden 25 Plätze pro Jahrgang mehr geschaffen. Wenn die vier Schulen stehen, dann müssen wir gucken, dass man die Schulbezirksgrenzen so schiebt, dass jede Schule nicht mehr als 125 Kinder pro Jahrgang aufnimmt.

Frankfurt: Umsetzung des Radwegentscheides steht an

Was muss im kommenden Jahr noch angepackt werden?

Es geht an die Umsetzung des Radwegentscheides, abgesehen von der Schweizer Straße sollen auch die Rennbahnstraße und die Mörfelder Landstraße umgestaltet werden. Dort soll eine Fahrspur zugunsten der Radfahrer wegfallen. Gleichzeitig müssen zusätzliche Abstellplätze geschaffen werden. Die Neugestaltung oder der Neubau von Schulen im Ortsbezirk wird Thema bleiben. Die Bewohner beklagen sich außerdem über Lärm durch Durchgangsverkehr, die Verkehrsbelastung ist überall hoch, das müssen wir uns anschauen. Das Jugendbüro in Sachsenhausen sucht eine neue Bleibe, darum wollen wir uns auch kümmern.

Interview: Judith Köneke

Christian Becker(CDU) ist seit 2011 Vorsteher im Ortsbeirat 5. Der 42-jährige Gymnasiallehrer ist in Oberrad aufgewachsen und seit 2001 Mitglied des Stadtteilgremiums.

Der Ortsbezirk 5ist mit fast 65 000 Quadratmetern Fläche der größte in Frankfurt. Fast 100 000 Menschen leben in den drei Stadtteilen Sachsenhausen, Ober- und Niederrad.

Die 19 Sitzesind wie folgt verteilt: CDU und SPD halten je fünf, die Grünen drei, die FDP und die Linke zwei, die BFF einen und einen besetzt eine fraktionslose Politikerin.

Die nächste Sitzungdes Ortsbeirats 5 ist voraussichtlich am Freitag, 17. Januar, um 19 Uhr im Begegnungs- und Servicezentrum Riedhof, Mörfelder Landstraße 210-212. jkö

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare