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Den Anwohner reicht es. Bei ihrem Marsch laufen sie vom Bahnübergang im Ziegelhüttenweg durch den Mittleren Schafhofweg, den Oberen Schafhofweg, den Letzten Hasenpfad bis zum Sachsenhäuser Landwehrweg - eben die Strecke, wo der Schleichverkehr verläuft. 

Demonstration in Sachsenhausen

Nachbarn auf dem Sachsenhäuser Berg: "Verkehr wird immer schlimmer"

Täglich rasen rund 1700 Autos durch Schafhofweg und Hasenpfad in Frankfurt-Sachsenhausen. Die Nachbarn machen lautstark auf ihr Problem aufmerksam.

Frankfurt – Als die Autos endlich wieder freie Fahrt haben, wird schon mal geschimpft und gehupt. "Da kommen wir dreimal im Jahr zu Besuch und dann so was", ruft ein Autofahrer den Demonstranten zu. Doch denen geht es um die vielen tausend Fahrzeuge, die tagtäglich durch ihr Wohngebiet am Sachsenhäuser Berg fahren. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, haben die Anwohner den Protestzug am Donnerstagabend organisiert, der den Weg nachläuft, den viele der Autofahrer nehmen.

Vom Ziegelhüttenweg geht es in den Mittleren und Oberen Schafhofweg, von dort in den Letzten Hasenpfad bis zum Sachsenhäuser Landwehrweg.

"Hier wird immer gerast", sagt eine Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter zur Demo gekommen ist. Eigentlich gelte Tempo 30, aber die wenigsten hielten sich daran. Zudem sei der Verkehr nur für Anlieger frei, aber auch das interessiere die meisten nicht. Auch Einbahnstraßen würden ignoriert. Für die Kinder sei das sehr gefährlich, denn es sei ihr Weg zur Martin-Buber-Schule.

Frankfurt-Sachsenhausen: "1700 Fahrer auf Schleichweg"

"Der Verkehr wird immer schlimmer", sagt Renate Steckhan. Sie habe sich auch schon öfter bei der Stadt beschwert, passiert sei aber nichts. Es müsse einfach mehr kontrolliert werden. Das finden die meisten Anwohner, die protestieren. Ein Gros der Fahrzeuge seien Pendler, wie die Nummernschilder erkennen ließen. Auf einem Transparent steht "1700 Fahrer nehmen jeden Tag den Schleichweg", das hatten die Anwohner gezählt.

"Wir wohnen seit 20 Jahren hier und es war mal echt eine ruhige Ecke", sagt ein Mann. Er habe noch keine einzige Kontrolle erlebt. Dabei würden die sicher abschrecken. Er erhofft sich mehr Aufmerksamkeit durch die Demonstration. Mit geringen Mitteln könnte die Stadt schnell etwas tun, sagt Kerstin Kendziora, in dem die Stadt etwa Schwellen anbringe. "Das Gebiet muss einfach unattraktiver werden."

"Hier ist unser Wohngebiet, nicht deine Rallye-Strecke", steht auf einem selbstgebastelten Schild. Selbst hier werde viel zu schnell gefahren, sagt eine Anwohnerin, und zeigt auf den Beginn einer Spielstraße im Letzten Hasenpfad.

Frankfurt: Sachsenhausen leidet unter Pendler-Verkehr 

Wenn man die Fahrer, darauf hinweise, dass sie nicht so rasen sollen, werde man nicht selten angeschrien, berichtet eine Frau. "Ob ich eins in die Fresse will", sei ihr zugerufen worden. Oder man werde angehupt, wenn man sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halte. Teilweise würden Mopeds oder Motorräder auf dem Bürgersteig fahren, um schneller voranzukommen. Irgendwie sei es auch verständlich, dass sich Autofahrer eine alternative Route suchten, wenn es auf der Darmstädter oder Mörfelder Landstraße zu voll sei. Da seien nun die Verkehrsplaner gefragt.

Vom Ortsbeirat 5 sind nur Vertreter der Linken dabei. Sie haben für die heutige Sitzung einen Antrag eingebracht, in dem die Stadt prüfen soll, ob die Wegnahme der Linksabbiegerspur aus der Darmstädter Landstraße stadteinwärts in den Schützenhüttenweg den regelwidrigen Durchgangsverkehr verhindern und zur Verkehrsberuhigung infrage kommt. Die Initiatoren sind zufrieden mit der Beteiligung. Thomas Hoffmann, einer der Mitbegründer der Anwohner-Initiative hat 70 Teilnehmer gezählt. Er plane nun, alle drei bis vier Wochen diesen Abendspaziergang zu wiederholen.

Die Mainkai-Sperrung verschärft die Probleme beim Verkehr in Sachsenhausen zusätzlich. Die Beschwerden in Frankfurt häufen sich

Von Judith Köneke

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