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Eine Skulptur wird im Treppenhaus des Obergeschosses präsentiert.

Hochschule

Frankfurt: Rundgang an der Städelschule

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Die rund 200 Städelschüler zeigen bis Sonntag ihre Arbeiten, darunter viele formale, aber auch politische. Im April übernimmt Yasmil Raymond das Hochschulrektorat.

Während die rund 200 Studierenden der Städelschule noch letzte Hand an ihre Kunstwerke anlegen, für den Rundgang, der am heutigen Freitag beginnt, läuft Yasmil Raymond von Raum zu Raum. „I like what I see here“ (Ich mag, was ich hier sehe), sagt sie.

Im Erdgeschoss gibt es Malerei und Installationen zu sehen.

Am 1. April übernimmt Yasmil Raymond das Hochschulrektorat von Philippe Pirotte, der die Städelschule seit 2014 leitete und Professor für Kunstgeschichte und Curatorial Studies bleibt. Philippe Pirotte hatte in den vergangenen Jahren den Übergang der Städelschule in die Trägerschaft des Landes Hessen organisiert und die Finanzierung gesichert. Dass die Städelschule ein Freiraum für Experimente und interdisziplinäres Arbeiten bleibe, sei ihm besonders wichtig, sagt er.

Bis April wolle sie die 200 Studierenden und 50 Mitarbeiter persönlich kennenlernen, verstehen, wie die Hochschule ticke, sagt Yasmil Raymond auf Englisch. Und natürlich weiter Deutsch lernen. Zuletzt hat sie fünf Jahre als Kuratorin am Museum of Modern Art in New York gearbeitet, davor am Dia Art Foundation in New York und am Walker Art Center in Minneapolis. In Frankfurt lebt sie schon seit Oktober.

Auch in diesem Jahr geben die rund 200 Studierenden der international geprägten Hochschule wieder einen Einblick in ihren Arbeitsprozess. Luis Einhauser (Hauptgebäude, Obergeschoss, Raum I2) hat sich mit dem Medium Stahl auseinandergesetzt und ein Gerüst gebaut, dass quer durch den Raum an der Wand lehnt. Der Einfluss der Minimal Art ist offensichtlich.

Rundgang der Stadelschule

Die Städelschulein Frankfurt öffnet vom heutigen Freitag bis Sonntag, 10–20 Uhr, für Besucherinnen und Besucher, an den Standorten Dürerstraße 10 und 32 sowie in der Daimlerstraße 32. Zwischen Daimler- und Dürerstraße fährt ein Shuttlebus.

Öffentliche Führungensind am Freitag, 15 und 16 Uhr, sowie Samstag und Sonntag, 14, 15 und 16 Uhr. Treffpunkt ist die Lichthalle, 1. Obergeschoss, neben dem Rektorat, Dürerstraße 10. Führungen in der Daimlerstraße 32 sind am Samstag und Sonntag, 15 und 16 Uhr. Treffpunkt ist die Mensa.

Im DFF, dem Deutschen Filminstitut und Filmmuseum, sind Freitag, 10, 12 und 16 Uhr, sowie Samstag, 12, 14, 16 Uhr, Filmarbeiten von Städelschülern zu sehen.
Filmvorführungen gibt es auch im „Magazine“, Dürerstraße 10, Freitag, 14 und 16, Samstag, 13 und 15, Sonntag, 14 und 15 Uhr, sowie in der Daimlerstraße 32, Samstag, 14, und Sonntag, 12 Uhr.

Der Portikuszeigt bis 12. April eine Einzelausstellung der Städelschule-Absolventen Laura Langer mit dem Titel „Liberty“. Eröffnung ist Freitag,
19 Uhr. Der Eintritt in den Portikus sowie zum Rundgang in die Städelschule und das DFF ist frei.

Der StudiengangCuratorial Studies veranstaltet eine Vortragsreihe zu kuratorischen Fragen. Mehr Programm: www.staedelschule.de 

Andrew Wagner (Hauptgebäude, Obergeschoss, Raum H10) hat das Brettspiel „The Landlord’s Game“ aus dem Jahr 1904, das als Vorläufer von Monopoly gilt, als Wandbild nachgebildet und mit einer Videoarbeit unterlegt, in der zwei Frauen im Grüneburgpark picknicken. „Menschen am Sonntag“ (1929), der Stummfilm von Robert Siodmak, habe ihn beeinflusst, sagt er.

Elisaveta Braslavskaja (Hauptgebäude, Obergeschoss, Raum I1) greift die Anekdote des römischen Autors Vitruv zur Entstehung des korinthischen Kapitells auf. Demnach habe eine Amme in Gedenken an eine verstorbene Jungfrau einen Korb mit Spielsachen auf das Grab gestellt und mit einer Platte abgedeckt. Eine Akanthuspflanze wuchs über den Korb. Dies habe den Maler Kallimachos im 5. Jahrhundert vor Christus zum Entwurf des korinthischen Kapitells inspiriert. Elisaveta Braslavskaja zeigt in ihrer Arbeit Erde, vertrocknete Akanthuspflanzen und einen Korb in einer Holzvitrine.

„Die normative Kraft des Faktischen“ von Nicholas Warburg.

Villiam Miklos Andersen (Außengelände) hat seinen VW Bus LT 35 im Innenhof der Städelschule geparkt. Den Bus nutze er als fahrende Ausstellungsplattform, in der er Kollaborationen mit anderen Künstlern umsetze. Zum Rundgang hat Alicja Wysocka den Innenraum zu einem Hippie-Wohnzimmer umgestaltet, mit Aussagen wie „Make love not art“ (Mach Liebe, keine Kunst) und „relax“. Relaxen, entspannen, verstehe sie als Gegenentwurf zum Kapitalismus, der ständige Verfügbarkeit und Produktivität fordere. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, sich hinzusetzen und bei „Trap“-Musik, einer modernen Form des Hip-Hop, zu entspannen.

Während hier schon Sozialkritik durchscheint, stellt Nicholas Warburg eine dezidiert politische Arbeit aus. Er hat die Verschwörungstheorie der Reichsbürger, die an eine „BRD GmbH“, so der Titel seiner Arbeit, glauben, mit schwarzem Stift auf einer Holztafel nachgestellt (Hauptgebäude, Obergeschoss, 34). Die Bundesrepublik ist demnach als Unternehmen im Handelsregister beim Amtsgericht Frankfurt registriert, mit einem Stammkapital von 50 000 D-Mark. Die Bundeswehr sei eine Firma, die Söldner stellt, und von den Vereinigten Staaten befehligt werde. Die Polizei sei ein privater Sicherheitsdienst. Das Grundgesetz sei von der Besatzungsmacht verfügt, gelte also nicht. Ein Staatsgebiet habe die Firma nicht, ein Staatsvolk gebe es nicht, weil man nicht Bürger einer Firma sein könne und so weiter.

Laut Verfassungsschutz waren der Reichsbürgerszene in Deutschland zuletzt 19 000 Personen zuzurechnen; bei knapp tausend davon handelt es sich demnach um Rechtsextreme.

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