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Der Luftverkehr leidet unter der Corona-Krise, die Frankfurter Flughafenbetreiberin Fraport will Arbeitsplätze abbauen.

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Run auf Fraport-Abfindungen

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die Flughafenbetreiberin lehnt 409 Anträge ab. Für Verdi sind damit betriebsbedingte Kündigungen vom Tisch.

Fraport will bis Ende nächsten Jahres bis zu 4000 Arbeitsplätze abbauen. Davon verspricht sich die Frankfurter Flughafenbetreiberin eine jährliche Kostenersparnis in Höhe von 250 Millionen Euro. Dies solle so sozialverträglich wie möglich geschehen, sagte Vorstandschef Stefan Schulte am Mittwoch bei der Vorstellung des Konzern-Zwischenberichts für die ersten neun Monate des Jahres. Die Covid-Pandemie habe die Geschäftszahlen massiv belastet, der Umsatz sei um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Trotz umfassender Kostensenkungen verzeichnet das Unternehmen demnach einen Nettoverlust von 537,2 Millionen Euro

Der Personalabbau ist in vollem Gang. Wie Schulte ausführte, scheiden 800 Beschäftigte durch Eintritt in den Ruhestand und weitere Aufhebungsverträge aus. Rund 1300 Stellen würden über Fluktuation und auslaufende Zeitverträge abgebaut. Rund 1600 Beschäftigte nutzen das „Freiwilligenprogramm“ mit Abfindungen oder Altersteilzeit.

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi hätten gerne noch mehr Kolleginnen und Kollegen das Programm genutzt, Fraport habe 409 Anträge abgelehnt. Das habe für viel Unmut geführt - zumal viele Beschäftigte von ihren Vorgesetzten geradezu gedrängt worden seien. Gewerkschaftssekretär Christoph Miemietz leitet aus den Ablehnungen ab, dass kein weiterer Bedarf an Personalabbau besteht. „Betriebsbedingte Kündigungen sind damit für uns vom Tisch.“

Auch die verbliebenen Beschäftigten müssten vermutlich ihre Gürtel enger schnallen. Am heutigen Donnerstag beginnen in Berlin die Verhandlungen mit den kommunalen Arbeitgebern über einen Notlagentarifvertrag für die deutschen Flughäfen. Das Angebot der Arbeitgeber: Verzicht auf die Entgelterhöhung im öffentlichen Dienst. Im Gegenzug will Verdi eine Beschäftigungssicherung.

Ausblick

Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit einem Passagierrückgang um mehr als 70 Prozent auf rund 18 bis 19 Millionen Passagiere. Der Umsatz geht gegenüber dem Vorjahr um bis zu 60 Prozent zurück.

Für das kommende Jahr werde in Frankfurt nur etwa 35 bis 45 Prozent des Passagieraufkommens von 2019 erreicht. In den Jahren 2023/24 voraussichtlich 80 bis 90 Prozent. jur

Auch bei der Kurzarbeit ist kein Ende in Sicht. Seit dem zweiten Quartal sind nach Konzernangaben je nach aktuellem Bedarf bis zu 18 000 der rund 22 000 Beschäftigten der Konzerngesellschaften am Standort Frankfurt im Durchschnitt etwa 50 Prozent in Kurzarbeit. Während des Sommerreiseverkehrs hatte sich die Quote aufgrund der gestiegenen Nachfrage kurz verringert. Doch mit dem erneuten europaweiten Anstieg der Infektionszahlen in den vergangenen Wochen nahmen auch die Reiserestriktionen wieder deutlich zu, sagte Schulte. Die Fluggesellschaften reduzierten ihr ohnehin geringes Angebot weiter. „Wir rechnen frühestens im kommenden Sommerflugplan mit einer Erholung.“

Der Vorstandschef will das Unternehmen „deutlich schlanker und effizienter“ aufstellen. Die am Standort Frankfurt eingeleiteten Schritte sollen mittelfristig die Personal- und Sachaufwendungen in der Größenordnung von jährlich bis zu 400 Millionen Euro senken, sagte Schulte. „Dies entspricht rund 25 Prozent des operativen Aufwands am Standort Frankfurt im Geschäftsjahr 2019.“

Der Fraport-Chef will Ausgaben in Höhe von einer Milliarde Euro reduzieren. Das Sparprogramm betreffe insbesondere die beiden vorhandenen Terminals und Vorfeldflächen in Frankfurt, aber auch die Baustelle im Süden des Airportgeländes.

Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die für 2023 geplante Eröffnung von Terminal 3 sich mangels Nachfrage verschiebt. „Einzelne Maßnahmen und Vergaben“ würden zeitlich gestreckt, sagte Schulte. Auch die vorzeitige Eröffnung von Flugsteig G scheint gestrichen zu sein. Dort sollten vor allem Billigflieger unterkommen. „Aus heutiger Sicht geht das Unternehmen davon aus, dass Terminal 3 mit den Flugsteigen H und J sowie G zum Sommerflugplan 2025 in Betrieb genommen wird.“

Dieser Zeitplan könne sich noch ändern: „Maßgeblich für die Fertigstellung und Inbetriebnahme wird letztlich die Entwicklung des Bedarfs sein.“

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