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Einsatz in der Silvesternacht der Feuerwehr in der Karl-Kirchner-Siedlung. Foto: Friedrich Reinhard
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Einsatz in der Silvesternacht der Feuerwehr in der Karl-Kirchner-Siedlung. Foto: Friedrich Reinhard

Preungesheim

Ruhiger als früher

In der Karl-Kirchner-Siedlung in Preungesheim brennen jedes Jahr zu Silvester Mülltonnen. Die Randale wird aber immer weniger.

Ab zwei Uhr haben in der Karl-Kirchner-Siedlung doch wieder Müllcontainer gebrannt. „Einfach brennen lassen und sich freuen“, sagt einer der beiden jungen Männer, die gerade auf der Wegscheidestraße vorbeikommen. „Oh, das wird teuer beim Mietzuschlag“, schiebt er in ironischem Ton hinterher. Angetrunken, mit Wollmützen auf den Köpfen und den Händen in den Pullovertaschen, schauen sie amüsiert zu, wie erst die Polizei anrückt, dann die Feuerwehr, um die brennende Tonne zu löschen – als seien die Rettungskräfte für die beiden eine Ballettgruppe, die ihre Siedlung wieder tanzen lässt.

In den vergangenen zehn Jahren entwickelte sich unter Jugendlichen in der Siedlung eine eigentümliche Silvesterkultur, bei der in Flammen stehende Müllcontainer einen festen Platz im Programm haben. Es ist mittlerweile besser geworden. Vorbei sind die Tage, an denen unzählige Tonnen brennen, sie als Straßenbarrikaden verwendet werden, um Rettungskräfte auszusperren. Auch Sperrmüll wird nicht mehr angezündet. Die Logik dahinter sei die, erklärt der 25-Jährige: „Wenn Mülltonnen brennen, kommt die Polizei und dann ist Krieg.“ Ob es um das Selbstwirksamkeitsgefühl geht, mit etwas Feuer ein großes Tatütata auslösen zu können, oder um den Adrenalinkick in der Auseinandersetzung mit der Polizei, wird nicht klar. Aber die Polizei ist omnipräsent in der Silvesternacht, bevor etwas brennt. Keine fünf Minuten vergehen, in der nicht ein Polizeiauto vorbeifährt.

Die Erklärung des jungen Mannes für die ruhigeren Silvesternächte der vergangenen Jahre: „Die Jugendlichen von früher sind älter geworden.“ Vielleicht erklärt sich das Abebben der zerstörerischen Silvesterkultur auch durch gesellschaftliches Engagement. Unter Leitung des Präventionsrats hat sich vor Jahren ein Bündnis aus FES, Polizei und dem SV Frankfurt Nord gebildet. Seitdem leert die FES jedes Jahr vor dem Jahreswechsel die Mülltonnen und schafft Sperrmüll, also das brennbare Material, aus der Siedlung. Der SV patrouillierte mit rund 25 Jugendlichen, um ihre Bekannten aus der Karl-Kirchner, davon abzuhalten, Mülltonnen anzuzünden. Weil sie die Jugendlichen, ihre Eltern und Lehrer kennten, könnten sie auf sie einwirken, sagt Abdenassar Gannoukh, SPD-Stadtverordneter und Vorsitzender des SV Frankfurt Nord. „Und da die Polizei die Situation oft nur anheizte, wurde vereinbart, dass die Beamten erst kommen, wenn ich sie rufe.“

Die Rundgänge der Fußballer konnte es in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie aber nicht geben. „Wir können uns nicht mit 25 Haushalten treffen“, erklärt Gannoukh. Er habe das schon im Herbst kommen sehen und begonnen, mit den Jugendlichen zu reden. „Es ist schwer, sie zu überzeugen, zu Hause zu bleiben und wo sollen sie sonst hin?“ Sie würden aber die Folgen ihres Unsinns verstehen, wenn man es ihnen erklärt. „280 Euro kostet ein Müllcontainer und wird er abgefackelt zahlen es letztlich die Eltern der Jugendlichen über einen Mietzuschlag.“

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