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Frankfurt: Ruf nach höheren Zuschüssen für die Jugendhilfe

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Von: Steven Micksch

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Nicht am falschen Ende sparen: Mit Bannern protestierten die freien Träger am Römer. Peter Jülich
Nicht am falschen Ende sparen: Mit Bannern protestierten die freien Träger am Römer. Peter Jülich © peter-juelich.com

Die freien Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit fordern von der neuen Stadtregierung eine ausreichende Finanzierung. Die Arbeit immer nur zu loben, reiche nicht mehr. Eine Protestaktion am Römer soll Druck machen.

Auf dem Boden vor dem Römer liegen am Donnerstagnachmittag Dutzende bunte Banner. Sprüche wie „Ohne Moos nix los“, „Corona nimmt uns schon genug weg“ und „Keine Mitarbeiter:innen da, Kinder und Jugend in Gefahr“ stehen auf den großen Transparenten. Sie sind Zeichen des Protests der verschiedenen Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, die von freien Trägern betrieben werden, und sollen zeigen: Uns steht das Wasser bis zum Hals.

Die Anliegen der freien Träger sind nicht neu. Sie hoffen auf eine höhere Finanzierung der offenen Kinder- und Jugendarbeit, um die seit Jahren aufgelaufenen und gestiegenen Kosten decken zu können. Sie wünschen sich die Gleichbehandlung aller Träger, eine Aufstockung der zurzeit 28 fehlenden Stellen sowie zusätzliche Mittel für notwendige Renovierungen.

Den Donnerstag als Tag des Protests haben sie bewusst gewählt: Erstmals tritt das neue Stadtparlament zusammen. Die Hoffnung, dass die neue Stadtregierung endlich das Problem der fehlenden finanziellen Mittel angeht, sei groß, sagt Jessica Beloborodov, Beisitzerin im Frankfurter Jugendring. Auch wenn SPD und Grüne ja bereits an der vorigen Koalition beteiligt waren und sich in deren Regierungszeit nur wenig bewegt hat. Vielleicht könne die FDP positiven Einfluss nehmen, die sich – damals in der Opposition – an die Seite der freien Träger stellte.

„In der Pandemie ist unsere Arbeit wichtiger denn je“, sagt Christoph Wilkens vom selbstverwalteten Jugendzentrum Fechenheim. Alles was Eltern und Schule zurzeit nicht leisten könnten, übernehme die offene Kinder- und Jugendarbeit. Sie hilft bei den Schulaufgaben, beantwortet Fragen oder bietet einfach nur Platz, um ungestört arbeiten zu können. „Wir werden dann auch immer gelobt für unseren Einsatz. Aber an der Finanzierung ändert sich nichts“, sagt Wilkens. Er verstehe, dass es finanzielle Zwänge gebe, doch die Jugendarbeit sei ein so wichtiges Feld, das es auch wert sei, gefördert zu werden.

Aktuell verzichten viele Einrichtungen auf reduzierte Öffnungszeiten, die wegen der zu geringen Finanzierung hätten notwendig werden können. In der Pandemie könne man eher bei den Ausflügen sparen. „Die Einrichtungen wollen jetzt Anlaufstelle für die Jugendlichen sein“, sagt Beloborodov. Nicht nur als Hilfe bei Schulaufgaben, sondern als Zuhörer:innen bei Problemen und Sorgen. Davon gebe es viel mehr als viele dächten.

Dass der Protest vor dem Römer über die Bühne geht und nicht bei den Mainarcaden, wo die Politiker tagen, sei kein Widerspruch, sagt Wilkens. „Die Stadtverordneten wissen über unsere Probleme ja Bescheid. Wir wollen sie den anderen Menschen dieser Stadt erklären. Viele wissen gar nichts von unserer Situation.“

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