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Die Sindlinger und Sindlingerinnen machen sich Sorgen um die alten Bäume im Meisterpark.
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Die Sindlinger und Sindlingerinnen machen sich Sorgen um die alten Bäume im Meisterpark.

Frankfurt-Sindlingen

Rütteln am Tor zum Meisterpark

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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In Sindlingen möchte niemand auf das Ausflugsziel verzichten. Investor verspricht, das Areal zugänglich zu halten.

Rütteln hilft nicht. Das Tor zum Meisterpark in Sindlingen bleibt verschlossen. Vorerst zumindest. Auch wenn Sieghard Pawlik das nicht akzeptieren möchte. Der SPD-Stadtverordnete und Sindlinger rüttelt weiter an diesem kalten Donnerstag. Er möchte der Forderung des SPD-Ortsvereins Nachdruck verleihen: „Wir wollen, dass das Tor wieder aufgeht und für die Sindlinger Bürgerinnen und Bürger dauerhaft offen steht.“

Immerhin seien Villa und Park Denkmäler – kultureller Art wie auch der Industriearchitektur. Das Anwesen sei stets wichtiger Treffpunkt gewesen, zum Spaziergang oder auf einen Kaffee in der Orangerie. Die Ponyausflüge des Reitervereins durch den Park waren beliebt.

Das Anwesen

Herbert von Meister (1866-1919), Mitbegründer der Hoechst AG, hat das rund zwei Hektar große Grundstück auf der Höhe über dem Main 1902 erworben. Er ließ das Anwesen mit Wohnhaus im Stil der wilhelminischen Zeit, Orangerie, Stallungen, Kutscher- und einem Gärtnerhaus sowie einer Reitbahn im italienischen Stil mit Putten und Bänken aus Marmor anlegen. Das Ensemble, samt Park und Außenmauern, steht unter Denkmalschutz.

Nach 1945 logierte die amerikanische Militärverwaltung in dem Anwesen. Später das Institut für Angewandte Geodäsie, ab 1982 eine Rehabilitationsklinik der Suchthilfe, zunächst das „Phönix-Haus“, dann die „Villa unter den Linden“ unter Leitung des Deutschen Ordens.

2019 hat die Cairos-Gruppe das Areal gekauft. Die Investoren möchten sanieren und Wohnungen bauen. sky

Nur hat die Erbengemeinschaft das Anwesen verkauft, an die Cairos-Gruppe (Frankfurt, München, Hamburg). Die letzte Mieterin, die Klinik des Deutschen Ordens, ist im Dezember ausgezogen, der Reiterverein sucht eine neue Bleibe. Die neuen Eigentümer haben abgesperrt.

„Wir haben eine Verkehrssicherungspflicht“, sagt dazu Marcus Bube, einer der Cairos-Geschäftsführer. Gerade weil das Gebäude nun leer stehe. Da schaue niemand nach dem rechten, räume die Wege oder achte auf Äste, die hinab fallen könnten. Bube hat Infoblätter aufhängen lassen. Die Bauarbeiten haben mit der Sanierung des Gärtnerhauses begonnen, steht da. Darum sei „vorübergehend“ abgesperrt. Somit renne Pawlik offene Türen ein. „Natürlich soll der Park weiterhin öffentlich sein“, versichert Bube. Nach Abschluss der Bauarbeiten.

Pawlik beruhigt das nicht. Die Sorge, den Park zu verlieren, sei groß im Stadtteil. 2014 hat er deswegen schon den Antrag gestellt, die Stadt solle das Anwesen kaufen und dort etwas einrichten, das der Bedeutung des Ensembles gerecht werde. Ein Kultur- und Freizeitangebot, vielleicht ein Industriemuseum.

Die Stadt, also das von der CDU verantwortete Liegenschaftsamt, hat aber nicht zugegriffen. Es gebe kein Kaufangebot, steht im Magistratsbericht. Außerdem wenig Budget, alleine der Grundstückswert liege bei 8,6 Millionen Euro. Dazu stünden hohe Investitionen an in Gebäude, Park, die maroden Mauern zum Mainufer hin. Zudem liegt das Anwesen zu nahe am Industriepark, um viele neue Wohnungen zu bauen. Damit hätte eine stadteigene Gesellschaft womöglich die Sanierung und museale Nutzung der Villa finanzieren können.

Die Cairos-Gruppe setzt nun auf reine Wohnnutzung. Wie viele Einheiten entstehen und auf welchen nicht denkmalgeschützten Flächen womöglich noch ein paar Extragebäude hin könnten, mag Marcus Bube noch nicht sagen. Der Abstimmungsprozesse wegen. Nur, dass es „keine 100 werden“, auch „keine Luxuswohnungen“ und dass der Park und die Villa wieder „richtig schön“ werden sollen. Was sicher auch im Sinne der Nachbarn sei. Cairos werde „behutsam nachverdichten, so dass es sich in die umliegende Bebauung einfügt.“

Sieghard Pawlik wird aber weiter rütteln, verspricht er. Abgeschlossen sei das Tor, nicht aber der Genehmigungsprozess. Die Villa in Wohnungen umzuwandeln, sei ein massiver Eingriff in die Bausubstanz. Auch stehe das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz und sei somit nicht als Baulücke zu werten, die einfach so nachverdichtet werden könne.

Ungeklärt sei auch, wo die künftigen Bewohner parken sollen. Und wer Sanierung und Unterhalt der Parkflächen und der maroden Stützmauern zum Ufer zahlt. Pawlik warnt die Stadt davor, dem Investor Zugeständnisse zu machen. Der Punkt scheint tatsächlich ungeklärt. Marcus Bube findet jedenfalls, die künftigen Bewohner:innen des Areals dürften nicht mit den Kosten für die Instandhaltung eines öffentlichen Parks belastet werden.

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