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Frankfurt bekommt neue Straßenbahnen, doch der Ausbau der Infrastruktur zieht sich hin.

Modernisierung

Frankfurt rüstet Straßenbahnen auf

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Die Wagen sollen geräumiger und komfortabler werden. Es gibt Investitionen von 200 Millionen Euro.

Frankfurts Straßenbahnen sollen mittelfristig komfortabler werden und mehr Platz bieten. Was zunächst mal nicht sehr spektakulär klingt, bezeichnete Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) bei der Präsentation am Freitag als „eigentlich einen historischen Moment“. Denn in drei Schritten will Frankfurt seine Straßenbahnflotte komplett umrüsten.

Um das steigende Verkehrsaufkommen in der Stadt zu bewältigen, sollen die Straßenbahnen zunächst mal länger werden. Derzeit sind sie gut 30 Meter lang, in wenigen Jahren sollen sie dann 40 Meter lang sein. Der erste Wagen vom Typ T40 wird laut Verkehrsbetriebe Frankfurt (VGF) für Oktober 2022 auf Frankfurts Schienen erwartet. Bis Juni 2023 sollen dann 22 der längereren Wagen vor allem auf der am stärksten befahrenen Linie 11 zum Einsatz kommen.

Modell T40

Länge: 40 Meter

Leergewicht: 55,52 Tonnen

Gesamtkapazität: 248 Personen

Sitzplätze: 78

Stehplätze: 170

Klappsitze: 8

Auslieferung: ab Oktober 2022

Hersteller: Alstom, Barcelona

In vielen Städten gibt es laut Verkehrsdezernent Oesterling den Trend, die Straßenbahnen für den Personentransport leistungsfähiger zu machen. „In Budapest kommen sogar 62 Meter lange Wagen zum Einsatz“, so Oesterling. Das sei im nicht ganz so geräumigen Frankfurt allerdings nicht möglich. Zwar fahren bei Heimspielen der Eintracht vom Stadion zwei aneindergekoppelte Bahnen mit einer Gesamtlänge von 60 Metern Richtung Hauptbahnhof. Allerdings könnten diese Straßenbahnen an nur wenigen Bahnsteigen in der Stadt halten, denn die meisten haben nur eine Länge von 30 Metern. „Zum Umrüsten hätten wir die Stadt über Jahre in eine Baustelle verwandelt“, so Oesterling.

Bei den 40 Meter langen Bahnen sei das Problem anders gelöst, wie VGF-Geschäftsführer Michael Rütter erläuterte: „Die Türen sind jeweils fünf Meter nach innen gerückt.“ Somit liegen die Türen der 40 Meter langen Wagen 28 Meter auseinander und können problemlos an den 30 Meter langen Bahnsteigen halten. In den Wagen der neuen Generation, von denen im kommenden Jahr zunächst noch Modelle in der 30 Meter langen Variante vom Alstom-Werk in Barcelona nach Frankfurt ausgeliefert werden sollen, gibt es auch keine Stufen mehr innerhalb der Wagen zu überwinden. Für die insgesamt 58 neuen Wagen plus 22 neuen U-Bahn-Waggons investiert Frankfurt laut Oesterling in den kommenden Jahren mehr als 200 Millionen Euro.

Frankfurts Straßenbahnen sollen aber nicht nur länger werden. In einem zweiten Schritt will die Stadt die Wagen ab 2025 nach und nach auf einer Breite von 2,65 statt der bisherigen 2,40 Meter auf die Gleise setzen. Damit wären die Straßenbahnen genauso breit wie die U-Bahn-Wagen und genauso komfortabel. Mit mehr Platz in den Wagen würde auch das Umsteigen schneller möglich. „Die Gänge in den Straßenbahnen sind eng, dadurch kommt es beim Ein-und Aussteigen zu Verzögerungen“, so Oesterling. Für die breiteren Straßenbahnen werden Umbaumaßnahmen erforderlich, aber schon jetzt seien 92 Prozent des Straßenbahnnetzes und 70 Prozent der Kreuzungen mit breiteren Wagen befahrbar. Die restlichen Umbaumaßnahmen im Streckennetz sollen sukzessive erfolgen, wenn Abschnitte wie in der Schwarzwaldstraße oder der Gartenstraße ohnehin modernisiert werden. Die dritte Änderung im Straßenbahnnetz ist für die Fahrgäste eher weniger interessant. Um das System leistungsfähiger zu machen, werden die Straßenbahnen künftig nicht mehr mit 600, sondern mit 750 Volt Stromspannung versorgt.

Die neuen Maßnahmen dienen dazu, die Straßenbahnen noch leistungsfähiger zu machen. Denn auf einigen Streckenabschnitten war die Kapazität des umweltschonenden Verkehrsmittels im vergangenen Jahr erreicht.

So sollen demnächst überlastete Streckenabschnitte durch zusätzliche Linien ergänzt werden, alte Strecken reaktiviert oder bestehende verlängert werden. Auch eine gänzlich neue Linie soll es mit der 19 von der Friedberger Warte bis zur Stadtgrenze Offenbach geben; damit würden die Linien 18 und 16 entlastet.

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