1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Rückzugsort für junge Frauen und Mädchen

Erstellt:

Von: Steven Micksch

Kommentare

Lisa Reinhard (l.) und Sinah Klockemann wünschen sich, dass im Kosi bald viel los ist.
Lisa Reinhard (l.) und Sinah Klockemann wünschen sich, dass im Kosi bald viel los ist. © christoph boeckheler

Das Mädchenzentrum Kosi nahe der Frankfurter Zeil will Mädchen und jungen Frauen mehr Sicherheit bieten und helfen, die Stadt für sie zurückzugewinnen.

Ein Sofa, ein Tisch, mehrere Hocker, die auch als Stauraum dienen, eine Lichterkette und helle Wände – so präsentiert sich das vor kurzem gegründete Mädchenzentrum „Kosi“ in der Stiftstraße. Es liegt etwas versteckt in der dortigen Passage mit der Hausnummer 9-17, was aber dem Zweck der Einrichtung entgegenkommt. Kosi soll ein Rückzugsort für Mädchen und junge Frauen, für intergeschlechtliche und Trans-Menschen sein. Ein sicherer Raum nahe der Zeil, die eben immer häufiger nicht sicher ist, vor allem, wenn man weiblich ist.

Sinah Klockemann und Lisa Reinhard betreuen gemeinsam mit einigen studentischen Aushilfskräften den kleinen Raum in der Stiftstraße. Sie gehören zum Frankfurter Verein Junularo, einem freien Träger der Jugendhilfe. Das Mädchenzentrum Kosi hat der Verein aber nicht allein auf den Weg gebracht. Vielmehr ist es ein Kooperationsprojekt mit der Caritas, dem Internationalen Bund und dem Evangelischen Verein für Jugendsozialarbeit.

„Die Idee entstand zu Beginn der Pandemie, als Mädchen und Frauen im öffentlichen Raum nicht mehr sichtbar waren und eine große männliche Dominanz herrschte“, sagt Klockemann. Die Träger wollten etwas gegen die fehlende Sicherheit im öffentlichen Raum unternehmen. Dank einer Förderung vom Bund in Höhe von 150 000 Euro konnte Kosi eingerichtet werden. Für knapp ein Jahr hat das Team jetzt Planungssicherheit. Danach endet die Finanzierung. „Es wäre schade, wenn wir nach einem Jahr wieder verschwinden würden“, sagt Klockemann. Man wolle mit der Stadt oder anderen Stellen über mögliche finanzielle Unterstützungen sprechen.

Das Zentrum

Kosi liegt in einer Ladenpassage in der Stiftstraße 9-17, nahe der Zeil. Der Zugang ist links neben einem Nagelstudio.

Geöffnet ist in der Regel von 14 Uhr bis 19 beziehungsweise 20 Uhr. Künftig plant das Team montags den Treff geschlossen zu lassen und dafür am Samstag zu öffnen. Dann auch bis 22 Uhr.

Das Mädchenzentrum richtet sich an 12- bis 27-Jährige, es können aber auch Jüngere kommen. Kontakt per Mail an kosi@junularo-ffm.de und per Telefon: 0178/1436375. mic

Bedarf für den neuen Rückzugsraum gebe es genug. Das hätten bereits die ersten Wochen gezeigt. Nicht nur die Gastronomie in der Umgebung sei froh, dass es solch ein Angebot gibt, weil auch diese Einrichtungen bereits negative Erfahrungen gemacht haben, sondern vor allem die Betroffenen selbst schildern von unsicheren Situationen. Eine junge Frau habe Klockemann von rassistischen Sprüchen berichtet, weil sie auf der Zeil einen Hijab trug. Auch hinterherpfeifen oder blöde Kommentare erlebten die Mädchen und Frauen – also alles, was man unter dem Begriff Catcalling zusammen fassen würde.

Kosi kann somit wirklich ein Anlaufpunkt sein, an dem man Hilfe findet, aber er soll auch die Möglichkeit bieten, sich aufzuwärmen, zur Toilette zu gehen oder das Handy zu laden. Jugendlichen mangele es an nicht kommerziellen Aufenthaltsorten in der Stadt, auch das soll Kosi sein. Dafür müsse man sich allerdings erst vor Ort etablieren. Deshalb wartet das Team nicht nur, bis jemand kommt, sondern betreibt auch aufsuchende Sozialarbeit. Heißt, aktiv auf die Zeil gehen und Mädchen und junge Frauen ansprechen - natürlich ohne aufdringlich zu sein. Mit geschenkten Hip-Bags wird das Eis gebrochen. Darin sind Taschentücher, Tampons und weitere nützliche Artikel und Infomaterial über Kosi.

Lisa Reinhard findet den Standort perfekt. „Die Zeil ist ein beliebter Sozialraum, aber wir wollen keine Kontrollinstanz sein.“ Viel eher eine Mischung aus „kuscheligem Rückzugsort“ und der Möglichkeit, sich „den öffentlichen Raum anzueignen“. Das wolle man in Angriff nehmen, wenn es wieder etwas wärmer wird. Dann will das Team nach draußen gehen und Events veranstalten. Damit Mädchen im öffentlichen Raum wieder sichtbar werden und die Stadt auch wieder ihnen gehört.

Auch interessant

Kommentare