Verkehr

Frankfurt: Rückschlag für Elektromobilität

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Ein Anbieter, der in Frankfurt 360 Schnellladesäulen errichten wollte, zieht sich ersatzlos zurück. Die Firma sei nach einem Führungswechsel ausgestiegen.

Die Elektromobilität für private Fahrzeuge und Taxis hat einen Dämpfer erlitten. Wie Robert Lange, der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, mitteilte, hat die Firma Allego nicht länger vor, bis 2022 insgesamt 360 Schnellladesäulen in der Stadt zu errichten.

Auf diese Schnellladesäulen hatte Ansgar Roese, der bei der städtischen Wirtschaftsförderung für den Ausbau der Elektromobilität zuständig ist, große Hoffnungen gesetzt. An Straßen und auf Parkplätzen von Supermärkten sollten diese Ladepunkte errichtet werden, die das Aufladen auf 80 Prozent der Batterieleistung in gerade einmal einer halben Stunde ermöglichten, sagte er der FR im Januar. Die Firma sei nach einem Führungswechsel ausgestiegen, sagte er nun. Es liefen Gespräche mit anderen Anbietern. Namen nennen wollte er nicht. Für den Verkehrsfachmann und Branchenkenner Frank Nagel (CDU) steht jedoch fest: „Unter den gegenwärtigen Bedingungen ist es für Unternehmen nicht wirtschaftlich, Ladesäulen zu betreiben, weil der Stromverkauf nicht kostendeckend ist.“

Der Ausstieg von Allego hat auch Folgen für das seit Jahren geplante Pilotprojekt mit 50 Elektrotaxis in der Stadt. Es wird im Wirtschaftsdezernat von Markus Frank (CDU) koordiniert. Ohne Schnellladesäulen kann es keine große Flotte von Elektrotaxis geben – darauf weist die Taxi-Vereinigung Frankfurt seit langem hin.

18 Schnellladestationen, 104 Normalladestationen

Bislang gibt es laut Wirtschaftsförderung in der Stadt 18 Schnellladestationen und 104 Normalladestationen, an denen das Aufladen Stunden dauert. Daher wundert es nicht, dass in Frankfurt zuletzt mehr als 430 000 Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor gemeldet waren, aber nur 1750 Elektrofahrzeuge und gut 8100 Plug-in-Hybride. Der Anteil der Elektrowagen liegt damit bei einem halben Prozent.

Ein Elektromobilitätskonzept, das 2019 von der Wirtschaftsförderung verfasst worden war, hatten die Stadtverordneten in der Corona-Stadtverordnetenversammlung im Mai beschlossen. An der Sitzung nahmen coronabedingt nur wenige Stadtverordnete teil. Die Diskussion über das Konzept fiel aus. Dabei ist es ambitioniert. Neben E-Taxis ist die finanzielle Förderung von E-Leichtfahrzeugen – also E-Vespas, Pedelecs, elektrischen Lastenrädern – vorgesehen. Ob sich die Stadtverordneten angesichts der Gewerbesteuerausfälle wegen der Corona-Krise dazu entschließen werden, diese Fahrzeuge wirklich mit einem Viertel des Kaufpreises zu fördern, ist momentan nicht absehbar.

Auch Mobilitätsstationen, wie es sie unter anderem am Marktplatz in Offenbach gibt, werden im Konzept genannt. An solchen Stationen, die an U-Bahn- oder S-Bahn-Stationen entstehen könnten, würden die Kunden das Fahrzeug für die letzten Kilometer ihres Weges – Leihrad, Carsharing-Auto oder auch E-Tretroller – frei wählen können. Eine Umsetzung in Frankfurt harrt der Dinge.

Frank Nagel wies darauf hin, dass sich der Rahmen bei den Fördermitteln und auch die Unternehmenslandschaft seit 2019 gewandelt hätten. Entsprechend müsse das Konzept angepasst werden.

Robert Lange sagte: „Frankfurt muss bei der E-Mobilität kräftig nachziehen.“ Er forderte eine zentrale Koordinierungsstelle zum Bau von Stromtankstellen. Sie soll ämterübergreifend wirken.

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