Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Polizei

Frankfurt: Rückblick auf tödliche Polizeieinsätze

Die FR fasst zusammen, bei welchen Polizeieinsätzen es in der Vergangenheit zu Todesfällen kam.

Mai 1999: Auf seinem erzwungenen Flug in den Sudan stirbt ein 32 Jahre alter Mann kurz nach dem Start der Maschine in Frankfurt. Da eine Abschiebung des Mannes im Monat zuvor daran gescheitert war, dass dieser einen Mitarbeiter der Ausländerbehörde mit einem Messer bedroht hatte, ist diesmal die Polizei mit an Bord. Sie fesseln Hände und Füße des Mannes mit Kabelbindern, verbinden die Fesseln auf dem Rücken, setzen ihm einen Motorradhelm auf und tragen ihn ins Flugzeug. Dort wird er an Armen und Beinen mit Klettband am Sitz fixiert. Als er sich wehrt, drücken die Polizisten seinen Oberkörper auf die Oberschenkel, ein Beamter drückt auf seinen Kopf. Kurz darauf ist der Mann tot. Im Oktober 2004 werden drei der beteiligten Beamten vom Landgericht Frankfurt wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten und eine Zahlung von je 2000 Euro an die Familie des Gestorbenen verurteilt.

Januar 2004: Bei einer Verkehrskontrolle an der Kreuzung Miquel-/Hansaallee eröffnen Fahrer und Beifahrer eines Autos plötzlich das Feuer auf die kontrollierenden Beamten und verletzen einen Polizisten an der Schulter. Die Polizei schießt zurück. Der Fahrer stirbt noch am Tatort, der Beifahrer kurz darauf im Krankenhaus.

November 2009: Ein 48 Jahre alter Mann wird von zwei Polizeikugeln getötet. Er hatte wegen eines Unterhaltsstreits an der Haustür seiner Ex-Frau in Nieder-Eschbach randaliert und auf die von einer Nachbarin gerufene Streife gezielt. Einer der beiden Polizisten wird dabei lebensgefährlich verletzt, kommt aber durch. Sein Kollege kommt mit einem Schock davon.

Januar 2010: Vor der Tür des Bürgerhospitals stirbt ein 28 Jahre alter Jurastudent durch Polizeikugeln. Eine Kugel trifft Leber und Lunge, zwei weitere beide Beine. Der unter Schizophrenie leidende Mann war wohl aus Verzweiflung darüber, dass er nicht sofort zur medizinischen Behandlung in die Klinik eingelassen worden war, ausgerastet und hatte eine ihn begleitende Bekannte mit einem Schälmesser bedroht. Beim Eintreffen der Polizei soll er auf diese „in bedrohlicher Haltung zugegangen“ sein. Der Fall führt zu ebenso erbitterten wie langwierigen Diskussionen über die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes. Das Ermittlungsverfahren gegen die Beamten wird aber eingestellt.

Juli 2010: Bei einem Einsatz in Bonames stirbt ein 38 Jahre alter Mann – der offenbar genau das auch wollte. Der Mann selbst hatte die Polizei angerufen und gesagt, er habe in einem Wohnheim eine Geisel genommen, die er erschießen werde. Die alarmierten Beamten wurden von ihm dann aber mit gezogenem Samurai-Schwert empfangen. Die Aufforderung, er möge das Schwert niederlegen, konterte er mit der Aufforderung, die Polizei möge ihn erschießen. Als die Polizisten vor Ort sich zurückziehen wollten, um das Eintreffen der Verstärkung abzuwarten, stürmte der Mann mit dem Schwert auf sie los und wurde erschossen. Bereits 2006 hatte der Mann in Königstein eine 69 Jahre alte Nachbarin als Geisel genommen und damit einen SEK-Einsatz provoziert, bei dem ihm in die Schulter geschossen worden war.

Mai 2011: In einer Außenstelle des Jobcenters in der Mainzer Landstraße, in dem Wohnsitzlose und Süchtige betreut werden, wird eine 39 Jahre alte Frau von der Polizei erschossen. Die Frau hatte im Jobcenter randaliert, Mitarbeitende hatten daraufhin die Polizei alarmiert. Als diese eintraf, zog die Frau ein Messer aus ihrer Tasche und stach einen 30 Jahre alten Polizisten in Bauch und Oberarm. Eine 28 Jahre alte Kollegin des Attackierten eröffnete daraufhin das Feuer und schoss der Frau in den Bauch. Die 39-Jährige erlag kurz darauf im Krankenhaus ihren Verletzungen, die Schützin erlitt einen Schock.

Juni 2017: Ein 42 Jahre alter Mann stirbt bei einem Polizeieinsatz in Höchst. Eigentlich handelt es sich bei dem Einsatz lediglich um die Zwangsräumung einer Wohnung, doch die läuft komplett aus dem Ruder. Der außergewöhnlich dicke Mann geht wohl splitternackt, aber unbewaffnet auf die Beamten los. Daraufhin überwältigen sie ihn und drücken den 42-jährigen zu siebt bäuchlings auf sein Bett. Der Mann stirbt. An der Leiche finden sich zahlreiche Blutergüsse an Kopf, Hals, Rücken, Bauch und Armen. Zusätzlich ist ein Schultergelenk teilweise ausgerissen. Das Verfahren gegen die Beamten wird später eingestellt, es gibt auch keine dienstrechtlichen Konsequenzen. Noch 2020 attestiert ein Arzt in der FR, dass die Gewalt der US-Polizisten gegen George Floyd „wesentlich milder“ gewesen sei. Zudem müsste eigentlich spätestens seit dem Tod des Abschiebehäftlings 1999 auch der Polizei bekannt sein, „dass übergewichtige Menschen in Bauchlage anfällig für einen lagebedingten Erstickungstod seien“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare