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Martialisches Auftreten: Die „Revolutionäre 1. Mai Demonstration“ in Franfurt. Foto: Renate Hoyer
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Martialisches Auftreten: Die „Revolutionäre 1. Mai Demonstration“ in Franfurt.

1. Mai

Frankfurt: Rote Fahnen und Klassenkampf

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Die Demo zum 1. Mai in Frankfurt bediente eine eher klassisch linke, martialische Ästhetik. Das Bündnis hinter dem Protest gibt sich selbstbewusst, sein Kurs ist in der radikalen Linken aber nicht unumtritten.

So eine Demonstration hat es in Frankfurt schon lange nicht mehr gegeben. Der gesamte erste Block der Demonstration „Revolutionärer Erster Mai Frankfurt“, mehrere Hundert Menschen stark, bediente sich am 1. Mai einer traditionell linken, martialischen Ästhetik, wie sie in der radikalen Linken in den vergangenen Jahren nicht mehr üblich war. Die meisten Menschen an der Demospitze, überwiegend junge Männer, waren komplett in Schwarz gekleidet und mit roten Schlauchtüchern vermummt. Sie schwenkten rote Fahnen, statt eines Fronttransparents trugen sie quergelegte lange Fahnenstöcke aus Holz vor sich her.

„Kapitalismus zerschlagen – Eine neue Welt erkämpfen “ hieß es weiß auf rot auf dem zentralen Demoplakat. Auf vielen Fahnen und Mundtüchern waren Hammer und Sichel zu sehen, die klassischen Symbole des Marxismus-Leninismus, die von Anarchist:innen und anderen Linksradikalen etwa wegen der Verbrechen des Stalinismus abgelehnt werden. Kämpferisch und unversöhnlich waren auch die Parolen, die aus diesem ersten Demoblock kamen: „Die BRD ist nicht unser Staat, alle Macht dem Proletariat“ oder „1. Mai, Straße frei, nieder mit der Polizei!“

Die Demonstration, an der insgesamt fast 4000 Menschen teilnahmen, thematisierte in den hinteren Blöcken auch feministische und queere Themen, es ging um die Verteilung von Sorgearbeit in der Gesellschaft, die sozialen Kosten der Corona-Pandemie, zu hohe Mieten und ein Recht auf Stadt für alle. Fast alle linken Spektren und unterschiedliche soziale Bewegungen waren vertreten – bis hin zu den Fridays for Future. Der zentrale Ausdruck des Aufzugs nach außen wurde jedoch klar durch die Demospitze geprägt – und durch ihre unversöhnliche, traditionell klassenkämpferische Ästhetik.

„Wir sind Revolutionäre“

Miran Müller, Sprecher des Demobündnisses, sagte der Frankfurter Rundschau, es gebe in der radikalen Linken schon länger eine Verschiebung zurück zu klassischen linken Themen wie Internationalismus und Klassenkampf. In der monatelangen Vorbereitung der Demonstration habe das Bündnis sich intensiv etwa mit Arbeitskämpfen in der Region beschäftigt, außerdem hätten sich auch von Rassismus betroffene Menschen eingebracht, die in der letzten Zeit durch die Proteste der „Black Lives Matter“-Bewegung und des Netzwerks „Migrantifa“ politisch aktiv geworden seien.

Man habe zum 1. Mai eine „kämpferische Demonstration“ auf die Straße bringen wollen und wolle in Zukunft neue Schwerpunkte in der radikalen Linken der Stadt setzen. Man habe die Demospitze bewusst nicht mit Transparenten umgeben, um Offenheit für unterschiedliche soziale Kämpfe zu signalisieren. Zum eher martialischen Ausdruck der Demonstration sagte Müller: „Klar, wir sind Revolutionäre unterschiedlichster Couleur, Kommunist:innen und Sozialist:innen.“ Es gehe dem Bündnis aber nicht um identitäre Abgrenzung von anderen Gruppen.

In der Frankfurter linken Szene ist diese politische Linie durchaus nicht unumstritten. Wer sich dort umhört, bekommt etwa die Sorge mit, dass durch ein derart kämpferisches Auftreten lange diskutierte feministische Standards gegen eine zur Schau getragene Männlichkeit in Frage gestellt werden könnten. Teils wird auch die Einschätzung geäußert, Teile der Linken seien von der eigenen Zerstrittenheit und Machtlosigkeit gerade in der Pandemie frustriert und versuchten, diese Schwäche durch ein Revival alter Symboliken zu überspielen. Die Demo am 1. Mai 2021 dürfte jedenfalls in der radikalen Linken des Rhein-Main-Gebiets weiter für Diskussionen sorgen – nicht nur wegen der Verletzten.

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