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Freitags fährt Norbert Bienfait mit seinem Kaffemobil auf dem Wochenmarkt am Gravensteiner Platz vor.  

Wirtschaft

Frankfurt: Unterwegs mit dem Kaffeemobil

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Das Kaffeemobil von Norbert Bienfait ist einzigartig.  Mit dem 14 Meter langen Gefährt fährt der Unternehmer in Frankfurt auf Wochenmärkten vor.

Wer freitags seine Einkäufe auf dem Wochenmarkt am Gravensteiner Platz erledigt oder dienstags an der Friedberger Warte, der dürfte auch schon am großen weißen Wohnmobil von Norbert Bienfait vorbeispaziert sein. Übersehen kann man das 14 Meter lange Gefährt jedenfalls kaum, das der Unternehmer vor gut fünf Jahren zur mobilen Kaffeerösterei umgebaut hat.

Ein echter Hingucker ist der Truck aber nicht nur wegen seiner Länge. Auch das ungewöhnliche Innendesign des Wohnwagens ist ein Blickfang. Denn mittig im Innenraum rattert eine wuchtige gusseiserne Röstmaschine vor sich hin. Gleich nebendran ist eine volleingerichtete Küche mit Kaffeebar installiert. Rösterei, Café und Vertriebsstelle: Der Wohnwagen ist alles in einem. Damit hat Bienfait ein in Deutschland einzigartiges Konzept entwickelt.

„Guter Kaffee braucht Zeit“, erklärt Bienfait, während er eine Tasse der „Hausmischung“ zu sich nimmt. 20 bis 30 Minuten etwa dauere eine Röstung mit seiner modernen Maschine. Immer wieder zieht er eine kleine Probe der Bohnen aus der sich drehenden Rösttrommel. „Ich erkenne die fertigen Bohnen am Glanz, der Struktur und der Farbe“, erklärt der Kaffeeliebhaber. Wichtig sei vor allem, mit der richtigen Temperatur zu arbeiten.

Seine Bohnen, die er etwa aus Guatemala, El Salvador oder Burundi bezieht, röste er ausschließlich bei Temperaturen unter 200 Grad. Nur so könnten sich die individuellen Kaffeearomen entfalten, die mal an Zitrusfrüchte, mal an Schokolade oder Pfirsich erinnern. „Leider werden diese Geschmacksnoten durch herkömmliche industrielle Röstverfahren in aller Regel zerstört“, findet Bienfait.

Im Inneren des Kaffemobils rattert eine wuchtige Röstmaschine.

Von der Erntemethode über die Lagerung bis hin zum Transport: „Die ganze Kette muss stimmen“, sagt der Frankfurter. Denn die Qualität des Kaffees hänge von vielen Faktoren ab. Am liebsten macht sich Bienfait deshalb selbst ein Bild von der Produktion seiner Bohnen. Regelmäßig reise er dafür nach Lateinamerika und lerne die Händler persönlich kennen.

Auch auf gute Arbeitsbedingungen vor Ort lege er viel Wert. „Die Sozialstrukturen stimmen dann, wenn die Arbeiter zusammen mit ihren Familien auf den Kaffeeplantagen leben“, sagt der Geschäftsmann. Von Plantagenbetreibern, die etwa Tagelöhner beschäftigten, kaufe er keine Bohnen.

Seine Expertise gibt Bienfait nicht nur am Marktstand weiter, wo Besucher seinen Kaffee sowohl in der Tasse als auch abgepackt in Bohnenform kaufen können. Mittlerweile veranstaltet er ebenfalls Kaffeeseminare und Verköstigungen, bietet seinen Service auf Betriebsevents oder privaten Feiern an.

„Mein Ziel ist es, die deutsche Kaffeekultur zu verbessern“, sagt der 60-Jährige. Seine Leidenschaft für die braune Bohne hat Bienfait vergleichsweise spät zum Beruf gemacht. Nachdem ihm betriebsbedingt gekündigt worden war, fing er mit 54 Jahren noch mal neu an. Er habe lange recherchiert und sich mit dem Thema Kaffee beschäftigt, bevor er sein Geschäftsmodell entwickelt hat.

Dazu gehöre auch, dass Kunden im Sommer an einem der mit Blumen dekorierten Bistrotische vor seinem Röstmobil Platz nehmen könnten. Zum Kaffee reicht Bienfait hausgemachten Kuchen, mittags gibt es Suppen und Snacks frisch aus der Wohnmobilküche. Natürlich stehe der Verkauf seiner Produkte im Vordergrund, aber „mir ist auch wichtig, dass die Besucher meinen Kaffee in einer schönen Atmosphäre genießen können“.

Informationen zu Events und Seminaren unter www.kaffeeröstmobil.de

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