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Rassistische Fremdbezeichnungen: N- und M-Wort sollen in Frankfurt nicht geächtet werden

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Im Frankfurter Römer mahlen die Mühlen sehr langsam.
Die Koalition im Römer in Frankfurt setzt alles daran, dass das N- und M-Wort nicht geächtet wird. © Enrico Sauda

In vielen Städten werden das N- und M-Wort mittlerweile geächtet. In Frankfurt hingegen wird der Antrag zur Ächtung der rassistischen Bezeichnungen abgetan.

Frankfurt – Mittlerweile haben 10 Städte das N-Wort geächtet. Darunter Metropolen wie Köln und München. Die nordhessische Großstadt Kassel ächtete neben dem N-Wort sogar erstmals das M-Wort. Nur die Koalition im Römer setzt alles daran, dies für Frankfurt* zu verhindern.

Um es gleich zu Beginn klarzustellen: Ich bin ein Weißer, schreibe hier nicht für oder über Schwarze Menschen, sondern über rassistische Fremdbezeichnungen.

Weiße Menschen waren es schließlich, die einst Schwarze Menschen rassistisch kategorisierten und dementsprechend benannten. Dadurch fiel es ihnen leichter sie zu entmenschlichen und mit Tieren und Handelswaren gleich zu setzen, denn es waren für sie fortan nur noch N-Wort und M-Wort. Vor diesem Hintergrund sollte eine offizielle Ächtung dieser rassistischen Fremdbezeichnungen als selbstverständliche Mindestmaßnahme gelten.

Frankfurt: In der Stadt wird das N- und M-Wort nicht geächtet

Leider ist dem aber nicht so und immer noch wird vielerorts mit dem Hinweis, man würde es doch gut meinen, oder es käme auf den Kontext der Verwendung an, die Gewaltwirkung dieser Begriffe wegerklärt. Aus diesem Grunde riefen Schwarze Menschen im Jahre 2020 die Initiative N-Wort stoppen in Köln ins Leben. Mit der Ächtung des N-Wortes schufen sie ein Instrument, sich der Verwendung dieser rassistischen Fremdbezeichnung auf kommunaler Ebene zu erwehren. Im Jahre 2021 konnte die Kasseler Blacktivistin Ruth Hunstock einen weiteren wichtigen Meilenstein von historischer Bedeutung setzen: Sie führte in Kassel nicht nur das N-Wort, sondern erstmals auch das M-Wort zur Ächtung.

Die Ausnahmslosigkeit der Ächtungen ist es, die keinen Interpretationsspielraum mehr lässt, die Begriffe zu verharmlosen. Die Betroffen sind diesbezüglich vor Victim Blaming und Gaslighting geschützt. Die Vertreter*innen der Kasseler Bürgerschaft haben dies verstanden, die Koalition im Frankfurter Römer offenbar nicht.

N- und M-Wort sollen in Frankfurt nicht geächtet werden: Nur noch eine „Verurteilung“ der Begriffe

Zuerst versuchten sie, den Antrag zur Ächtung, den eine Stadtverordnete einbringen wollte*, als unnütze Symbolpolitik wegzulamentieren. Als dies von der „Fraktion“ verhindert wurde, sah man sich in der Koalition genötigt, einen Gegenantrag zu erstellen, der nur noch eine „Verurteilung“ der Begriffe vorsieht. Aller Voraussicht nach wird dieser Antrag nun Ende März beschlossen.

Er beinhaltet aber keinerlei Möglichkeit, gegen die Weiterverwendung dieser Begriffe zu intervenieren. Weder in Apothekennamen, noch bei Produktbezeichnungen. Eine bloße Verurteilung dieser Wörter lässt der Dominanzgesellschaft weiterhin den Interpretationsspielraum und die Macht zu definieren, in welchem Kontext sich ein Schwarzer Mensch durch diese Begriffe rassistisch diskriminiert fühlen darf. Für die Frankfurter Koalition scheint es also nur darum zu gehen, diese Machtverhältnisse aufrechtzuerhalten. (Thomas Hunstock) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Zum Gastautor:

Thomas Hunstock ist mit der Kasseler Blacktivistin Ruth Hunstock verheiratet und hat einen Schwarzen Sohn. Er unterstützt seine Frau und ihre Initiative „Side by Side Nordhessen“ in ihrem Engagement gegen Rassismus. Im letzten Jahr hat Ruth Hunstock erkämpft, dass Kassel als erste Stadt jegliche Verwendungen von N- und M-Wort als rassistisch anerkannt hat.

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