1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Rodung im Fechenheimer Wald ab 12. Januar

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Florian Leclerc

Kommentare

Solidaritätsdemo von Fridays for Future Frankfurt für das Hüttendorf in Lützerath.
Solidaritätsdemo von Fridays for Future Frankfurt für das Hüttendorf in Lützerath. Foto: Peter Jülich © Peter Jülich

Die Frankfurter Polizei informiert über ihr Vorgehen bei der Rodung im Fechenheimer Wald in Frankfurt. Eine Demo am Opernplatz wendet sich gegen die Räumung des Hüttendorfs in Lützerath.

Frankfurt - Unter dem Motto „Lützerath bleibt“ haben etwa 200 Menschen am Mittwoch vor der Alten Oper in Frankfurt für den Erhalt des Hüttendorfs in Lützerath demonstriert. Zur Demonstration aufgerufen hatten Fridays for Future Frankfurt. Lützerath sei zum Symbol geworden für den Widerstand gegen den Kohleabbau, sagte eine Sprecherin. „Das ist die Geschichte, die wir erzählen sollten.“

Lützerath ist ein Weiler von Erkelenz westlich von Köln in Nordrhein-Westfalen. Der Energiekonzern RWE will das Dorf abreißen lassen, um den Braunkohle-Tagebau Garzweiler auszubauen. Die Dorfbewohner:innen können nach Immerath (neu) umsiedeln. Aktivist:innen haben ein Hüttendorf errichtet. Sie wollen die Ausweitung des Braunkohleabbaus verzögern oder verhindern. Die dortige Polizei will am Montag, 9. Januar, über die geplante Räumung informieren.

Räumung für Rodung im Fechenheimer Wald in Frankfurt soll frühestens ab kommenden Donnerstag erfolgen

In Frankfurt will die Polizei die parlamentarischen Beobachter:innen ebenfalls am 9. Januar über die Räumung des Fechenheimer Walds in Kenntnis setzen. Die Polizei will die Presse und damit die Öffentlichkeit am Mittwoch, 11. Januar, informieren, wie ein Polizeisprecher der Frankfurter Rundschau mitteilte. Die Info-Veranstaltung gehe der Räumung des Waldes voraus, sagte er. Die Räumung wird demnach frühestens ab Donnerstag, 12. Januar, durchgeführt. Sie läuft parallel zur Aktion in Lützerath. Auf der Demonstration in Frankfurt riefen Fridays for Future dazu auf, nach Lützerath zu reisen. Am Samstag, 14. Januar, werde ein Bus von Frankfurt nach Lützerath gemietet.

Den Fechenheimer Wald halten etwa ein Dutzend Aktivist:innen in wechselnder Besetzung seit gut einem Jahr besetzt. Sie haben unter anderem Baumhäuser, Traversen und Hindernisse errichtet. Die Autobahn-GmbH des Bundes will in einem Stück des Fechenheimer Waldes zwei Baustraßen für den Ausbau der Autobahn 66 errichten. Nach dem Fund des geschützten Heldbock-Käfers im Sommer plante die Autobahn-Gesellschaft die Lage der Baustraßen um. Eichen, in denen Larven des Heldbocks leben könnten, werden zunächst nicht gefällt.

Aktivist:innen wollen die Rodung im Fechenheimer Wald verhindern oder verzögern. Foto: Renate Hoyer
Aktivist:innen wollen die Rodung im Fechenheimer Wald verhindern oder verzögern. Foto: Renate Hoyer © Renate Hoyer

BUND hält Klage gegen die Rodung im Fechenheimer Wald in Frankfurt für möglich

Der BUND Frankfurt behält sich die Möglichkeit einer Klage gegen die Rodung vor. „Wir lassen eine Klage von unseren Rechtsanwälten prüfen“, sagte Wolf-Rüdiger Hansen, Mitglied des Kreisvorstands im BUND Frankfurt. In einer Mitteilung forderte er die Autobahn-Gesellschaft auf, die geplante Teilrodung auszusetzen. „Dieser Wald ist Teil des geschützten Grüngürtels und wertvoller Lebensraum des FFH-geschützten Heldbockkäfers. Auch das Frankfurter Arten- und Biotopschutzkonzept ordnet diesem Wald eine ‚herausragende Bedeutung‘ zu“, sagte er.

Jetzt eine Schneise durch den Lebensraum der Käfer zu schlagen hieße, vollendete Tatsachen zu schaffen, hielt Hansen fest. Für Sommer sei eine weitere Untersuchung zum Vorkommen des Heldbock geplant. „Wie wäre zu verfahren, wenn die Untersuchung ergäbe, dass die Schneise doch eine Verletzung des Lebensraumes bewirkt hat?“, fragte er.

Frankfurt: Rodung im Fechenheimer Wald laut BUND-Kreisvorstand kein Einzelfall

Hansen kritisierte auch die Genehmigung der Rodung „als Einzelfall“ gemäß Paragraf 45 des Bundesnaturschutzgesetzes. Solche Genehmigungen würden mittlerweile bei den meisten größeren Verkehrsprojekten erteilt. „Können das noch Einzelfälle sein?“ Aus Gründen des Klima- und Artenschutzes lehne der BUND Frankfurt auch den acht- bis zehnspurigen Ausbau der A5, den Ausbau der A3 auf zehn Spuren und den fünfspurigen Ausbau der A661 in Frankfurt ab.

Der Beginn der Rodung hängt auch von der Zustimmung der Unteren Forstbehörde Groß-Gerau ab. Die Autobahn-GmbH hatte dem Forstamt, das für 13 000 Hektar Wald in Südhessen zuständig ist, am 30. Dezember Unterlagen zur Rodung zukommen lassen. Die Entscheidung über die Waldsperrung ist laut Behördensprecher aber noch nicht erfolgt. (Florian Leclerc)

Erst im November vergangenen Jahres hatten die Ortsbeiräte von Bornheim und Ostend einen Antrag zur Verhinderung der Rodung des Fechenheimer Waldes gestellt.

Autobahn-Ausbau

Die Autobahn-Gesellschaft des Bundes hat Baurecht für die Verlängerung der A66 zur A661 im Frankfurter Osten. Der Lückenschluss ist 2,2 Kilometer lang. Die Hälfte liegt im sogenannten Riederwaldtunnel. Gebaut werden soll voraussichtlich bis 2031. Kostenschätzung: 600 Millionen Euro. Das hessische Verkehrsministerium hat 2019 den geänderten Planfeststellungsbeschluss erteilt. Für zwei Baustraßen sollen bald Teile des Fechenheimer Walds gerodet werden. fle

Auch interessant

Kommentare