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Die Schauspielerin Katharina Bach vor ihrem Plakat in der Münchener Straße. 

Katharina Bach

Frankfurt: Rockstar für 90 Minuten

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Die Schauspielerin Katharina Bach hat mit einem Nick-Cave-Abend einen Erfolg gefeiert, nun probt sie für das Ibsen-Stück „Brand“, das zur Buchmesse Premiere am Schauspiel Frankfurt hat.

Bei dem Damenrad sind Plastikblumen um die Sattelstütze gewunden, es klappert beim Fahren. Katharina Bach hält um kurz nach 12 Uhr am „Plank“ im Bahnhofsviertel und lässt es unabgeschlossen stehen.

Gleich um halb zwei wird die Schauspielerin aus dem Ensemble des Schauspiels Frankfurt „Brand“ von Henrik Ibsen proben. Das Stück wird während der Frankfurter Buchmesse gespielt, auf der Norwegen Gastland ist. Die Premiere ist am 12. Oktober. Vor kurzem wurde Bach vom Publikum stehend gefeiert, bei der Premiere von „The Fe.Male Trail. Ein Nick Cave-Abend“.

Katharina Bach singt Nick-Cave-Songs, 90 Minuten lang, begleitet von ihrer Band Bitchboy. Den Musiker Nick Cave habe sie nicht als Jugendliche entdeckt, sondern vor wenigen Jahren, durch eine Freundin. Die Musiker mit der sie als Bitchboy auftritt, Tim Roth (Bass), Martin Standke (Schlagzeug), Yuriy Sych (Piano), Tomek Witiak (Gitarre), kennt sie aus dem Schauspiel. Als sie vor einem Jahr zusammengesessen hätten, sei die Idee gekommen: „Lasst uns das machen!“

Aber nicht ohne Brechung. „Die Texte von Nick Cave sind häufig religiös aufgeladen und von einem männlichen Blick dominiert, der schmachtend oder schuldbewusst eine Frau zum Objekt hat. Das breche ich auf, in dem ich als Frau singe und meine Prosa zwischen die Songs platziere.“ Bach spielt im Stück ihre Epiphone-Les-Paul-Gitarre und Trompete.

Beim Schlussapplaus, nach den Verbeugungen, dankt Bach den „Techniker*innen“, was sich mit einer Pause zwischen Techniker und „Innen“ ausspricht. Sie wolle sichtbar machen, dass nicht nur männliche Techniker die Inszenierung begleiteten. „Wenn jemand Schauspieler sagt, fühle ich mich auch nicht angesprochen.“

Katharina Bach, 34 Jahre alt, stammt aus Remscheid. In Bochum wurde sie zur Schauspielerin ausgebildet, wechselte 2012 ans Schauspiel Frankfurt. Seit fünf Jahren ist sie festes Ensemblemitglied. Nebenbei inszeniert sie mit anderen Schauspiel*innen des Ensembles im „Freiraum“, einer Reihe des Schauspiels Frankfurt, oder solo in der Fabrik in Sachsenhausen. Dort lief „Frühlingsbagatelle“, wieder ein Stück mit Les-Paul-Gitarre und eigenen Texten.

Sie möge diese künstlerische Freiheit, sagt sie. Sie arbeite auch in der freien Szene. Etwa mit „profikollektion“, die in „(das) heim“ die Geschichte der Villa Gründergeist aufarbeiteten. Im früheren Hauses der Begegnung im Westend waren in der Zeit des Nationalsozialismus jüdische Mädchen in einem Kinderheim untergebracht, später wurden sie deportiert, ermordet.

Hier sei Geschichte sichtbar gemacht worden, die in Vergessenheit geraten sei. Ums Sichtbarmachen ging es ihr auch in „50 Jahre Stonewall-Inn-Riots. Die Geschichte des Christopher Street Day“, gemeinsam entwickelt mit Christina Lutz aus dem künstlerischen Betriebsbüro des Schauspiels.

„Wir wollten nicht nur einen historischen Abriss der LGBTIQ-Bewegung erzählen, sondern in der Institution Schauspiel Frankfurt auch über die teilweise regressive Entwicklung in der Jetztzeit reflektieren, mit Texten von Carolin Emcke, Édouard Louis und meiner Wenigkeit.“

In der letzten Spielzeit inszenierten Katharina Bach und ihre Kolleg*innen Altine Emini und Samuel Simon in der Box mit „Circlusion I“ ein Theater im Theater. Die Zuschauer bauten die Bühne mit auf, feierten wie auf einer Premierenfeier. Im Theater lasse sich die Kunst nicht festhalten, sondern existiere nur für eine bestimmte Zeit, in diesem Falle 90 Minuten, sagt sie.

Der „Freiraum“ sei im ersten Jahr der Intendanz von Anselm Weber eine Moderationsreihe gewesen, bis das Ensemble diesen Raum eingefordert habe, um selbst Neues ausprobieren zu können.

Das Mitmachtheater, ein Aufbrechen der vierten Wand hin zum Publikum, setze sie manchmal ganz bewusst ein, sagt Katharina Bach. Bei „The Fe.male Trail“ holt sie eine Frau aus dem Publikum auf die Bühne, um im Duett „Henry Lee“ von Nick Cave zu singen. Die Frau aus dem Publikum ist niemand anderes als die Schauspielerin Anna Kubin aus dem Ensemble. Ihren Text lerne sie zu Hause, erzählt Katharina Bach, in der Stille, sie sage den Text dann laut auf, bilde Eselsbrücken, bewege sich. Dann streckt sie den Arm aus, macht eine Faust, zieht die Faust zum Körper, um zu zeigen, wie man sich „herausreißen“ merken könne.

Wobei man nicht jedes Wort verbildlichen müsse. „Wenn ich Herausreißen spiele, ist mein ganzer Körper in Spannung, erst sehr stark, damit er das schon mal erlebt hat, ich kann die Intensität immer noch zurücknehmen.“

Wäre sie gerne Rockstar geworden? Musik auf der Bühne habe sie schon lange machen wollen, sagt sie. Auch bereichere die Verbindung von Schauspiel, Musik, Choreographie oder Tanz das Theater, nicht nur am Mousonturm, auch im Schauspiel. Es sei ihr wichtig gewesen, die Inszenierung „Fe.male Trail“ auf der großen Bühne zeigen zu können. Diese große Bühne habe eine besondere Wucht.

Von ihrem Stuhl aus blickt sie die Münchener Straße hoch, in Richtung Willy-Brand-Platz, wo seit 1962 Oper und Schauspiel in der Doppelanlage sind, gleich muss sie weiter zur Probe von „Brand“ in die Schielestraße. „Wenn man mich fragt, ist der Willy-Brand-Platz genau der richtige Platz für das Schauspiel. Eigentlich gibt es keinen besseren Platz.“

Weitere Aufführungenvon „The Fe.male Trail“ im Schauspiel Frankfurt gibt es am 28. September, am 5. und am 26. Oktober, jeweils ab 20.30 Uhr.

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