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Radiolegende Volker Rebell mit einem winzigen Teil seiner gigantischen Platten- und CD-Sammlung.

Porträt der Woche

Volker Rebell, der Rockhistoriker

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Mehr als 40 Jahre lang moderierte Volker Rebell Musiksendungen im HR. Jetzt erinnert er mit Gesprächskonzerten an legendäre Platten.

Was für eine Schatzkammer! In Jahrzehnten hat Volker Rebell Tausende und Abertausende Langspielplatten, CDs und Musik-DVDs gesammelt. In seinem Haus in Oberursel füllen Rock, Pop, Jazz und Weltmusik den gesamten Keller aus, akribisch geordnet nach Musikern und Genre. Wie viele Titel sind das wohl? „Ich kann es wirklich nicht sagen“, meint der immer noch bekannte Radiomann. „Aber es geht sicher deutlich über die 10 000.“ Und vermutlich ist das angesichts übervoller Regale eine sehr vorsichtige Schätzung.

Mehr als 40 Jahre lang hat der gebürtige Offenbacher im Hessischen Rundfunk legendäre Sendungen wie „Volkers Kramladen“ oder „Schwarz-Weiß – Musik in Farbe“ moderiert. Dabei hat er ebenfalls jahrzehntelang parallel dazu tagsüber die elterliche Firma geleitet, abends moderiert – und jahrelang auch noch regelmäßig für das Feuilleton der Frankfurter Rundschau Konzertbesprechungen geschrieben.

Dass er 2008 „aus dem Programm gedrängt“ wurde, wie er selber sagt, das ist für viele seiner Fans immer noch bedauerlich. „Bis heute werde ich immer wieder auf einzelne Sendungen angesprochen, an die sich die Leute noch erinnern. Offenbar war ich aber nicht mehr kompatibel mit dem HR3-Mainstream“, sagt er. „Da wurde behauptet, ich sei so ein Steinzeittyp, der nur noch die Stones und die Beatles spielen würde. Aber das stimmt gar nicht.“

Schade sei das, dass es heutzutage im Radio kaum noch einen Ort für all die „wunderbaren neuen Sachen“ gebe. Denn das Angebot an fantastischen Nachwuchsmusikern sei immens, das meiste bleibe ungehört. Nun sagt Volker Rebell zwar von sich selbst, er sei gar kein Rebell, aber so ganz stimmt das nicht. Die Musik ist ihm auch nach dem HR lebenswichtig geblieben. „Das ist mein Lebenselixier“, sagt er. Dass sich einer wie er aufs Altenteil zurückzieht, ist nur schwer vorstellbar.

Volker Rebell produziert eine Sendung bei "byteFM" und plant sein eigenes Webradio

Aktuell produziert Rebell – aus Spaß an der Freud – eine Sendung beim Internetradio „byteFM“, zu empfangen unter www.byte.fm, und plant ein eigenes Webradio mit Interviews, www.radio-rebell.de. Er ist eng vernetzt in der Musikerszene der Region und hat im Dezember 2017 in der Werkstatt des früheren Elternhauses in der Bieberer Straße 145A in Offenbach mit großem finanziellen Engagement und Aufwand seine „Rebell(i)sche Studiobühne“ für Konzerte und Ausstellungen eröffnet, für die seine Frau und er ein anspruchsvolles und ungewöhnliches Programm organisieren. „Man sagt das ja oft so leichthin, aber für mich schließt sich mit der Bühne in meinem Elternhaus doch ein Kreis“, meint er.

Wenn dann mal etwas dazwischenkommt – Rebell hatte sich in diesem Winter beim Skilaufen ein Bein gebrochen –, dann müssen die Veranstaltungen ausfallen; so ist das eben bei einer kleinen Bühne mit nur 80 Plätzen. Man merkt Rebell an, dass es ihm da viel weniger um den finanziellen Verlust, sondern vielmehr um die verpassten Chancen interessanter Nachwuchsbands leidtut, deren Auftritte er deswegen absagen musste.

Aktuell hat Volker Rebell wieder mal zwei neue Projekte am Start, und es geht dabei – Steinzeit hin oder her – tatsächlich mal wieder um die Rolling Stones und die Beatles. Zwei legendäre Alben, „Beggars Banquet“ von den Stones und „A Hard Day’s Night“ von den Beatles, erschienen ziemlich genau vor 50 beziehungsweise 55 Jahren. Das ist für Rebell ein schöner Anlass, die von ihm so verehrten Musiker mit einer Reihe von Gesprächskonzerten zu feiern. Obgleich er beide Bands seit ihrer Gründung liebt und bewundert, sei es aber schon harte Arbeit gewesen, die jeweiligen Abende zu konzipieren, sagt er.

Bei dem Stones-Abend an diesem Donnerstag in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen, wie die Rebell(i)sche Studiobühne ein ehemaliges Industriegebäude, gibt es übrigens noch mehr zu feiern als das berühmte Album. Der legendäre Moderator wird an dem Konzertabend nämlich 72.

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