Frankfurt

Frankfurt: Rock und Rollen

Das Drive-In-Festival des Fechenheimer Arbeitskreises startete mit der Band „Pfund“, weitere Konzerte folgen

Kann ein Konzert sich wie ein Konzert anfühlen, wenn auf der Bühne zwar Musiker sind, aber niemand davor? Wenn das Publikum nicht mittanzen kann, sondern jeder im eigenen Auto sitzt, abgeschirmt voneinander durch Frontscheiben und Kotflügel?

Der Arbeitskreis der Fechenheimer Vereine hat sein erstes Drive-In-Festival auf die Räder gestellt, und Musikfans aus Frankfurt und Umgebung folgen am Freitag dem Ruf. Das Konzert der Rock-Cover-Band „Pfund“ ist ausverkauft, der Parkplatz an der Mainzer Straße in Fechenheim vollgeparkt.

Wo man hinblickt, schauen erwartungsvolle Gesichter aus Autofenstern. Hier und da wird schon das erste Bier ausgepackt. Sogar die Fahrer dürfen trinken, müssen die Autos dann aber selbstverständlich bis zum nächsten Morgen stehen lassen. Musik dudelt aus den heruntergelassenen Fenstern, so richtig weiß man noch nicht, wie das wohl alles werden wird. Das erwartungsvolles Schnattern einer Menschenmenge vor der Bühne fehlt. Auf der Frequenz 88,9 sendet das Drive-In-Festival, der Ton geht von der Bühne in erstaunlich guter Qualität direkt in die Autoradios.

Dass dieses Konzert kein normales sein wird, ist nicht nur wegen der Location auf einem Parkplatz und den vielen Autos klar. Schon bei der Einfahrt bekommt jeder Besucher ein Formular, auf dem die Daten der Insassen eingetragen werden. So soll die Infektionskette nachverfolgt werden, falls es denn zu einem Ausbruch mit dem Coronavirus kommt.

Vorkehrungen, dass das gar nicht erst passiert, sind getroffen. Aussteigen während des Konzerts ist verboten, eine Pause gibt es nicht. Die Gäste sollen sich so wenig wie möglich begegnen. Nur für den Gang zur Toilette darf das Auto verlassen werden, die Toilette wird ständig gereinigt.

„Drei Wochen lang haben wir getüftelt und geplant“, erklärt Christoph Scheich, der Vorsitzende des Arbeitskreises Fechenheim, als er auf der Bühne den Abend eröffnet und noch einmal auf die Regeln hinweist. Gehupt werden darf nicht, der Nachbarn wegen. Gefallen kann man mit Lichthupe kundtun.

„Es muss ja weitergehen“, erzählt Scheich später. Die Fahne des Arbeitskreises und ganz Fechenheims solle hochgehalten werden, am Samstag findet ein weiteres Drive-In-Konzert statt. Ehrenamtlich haben er und das Team alles auf die Beine gestellt, ein Hygiene- und ein Sicherheitskonzept dazu. Geholfen haben auch die Firmen AES Veranstaltungskonzept und Stagepro Veranstaltungstechnik. 65 Autos finden Platz vor der Bühne – die Tickets an diesem Abend sind alle weg. „Wir wollten den Leuten eine Möglichkeit geben, endlich wieder raus zu kommen, endlich mal wieder Live-Musik zu sehen,“ sagt Scheich. Dieses Gefühl könnte man nicht digital ersetzen.

Trotz der Umstände ändern manche Dinge sich übrigens nicht: Aus den Autofenstern werden Handykameras gestreckt, bei den Klassikern ist das Publikum textsicher, und auch Headbangen funktioniert aus einem Autofenster heraus. Wer ein Cabrio hat, hat das große Los gezogen, andere sitzen im Autofenster oder stehen im Fußraum des Wagens, mit dem Oberkörper nach draußen.

Trotz Distanz ist man irgendwie zusammen. Autos wippen, dass man sich glatt Sorgen um die Federung macht. Je später der Abend, desto lauter und ausgelassener wird mitgesungen. „Wir haben uns zwar gefreut, dass ihr kommt“, sagt Pfund-Sänger Markus Philipp dann. „Aber das hier so eine richtige, live-artige Stimmung ist... Das ist außergewöhnlich.“ Die Frage, ob sich auch ein Autokonzert echt anfühlt, kann mit einem „Ja“ beantwortet werden.

Kurz vor dem letzten Lied stellt Sänger Markus Philipp allerdings eine andere Frage, auf die eine Antwort aussteht: Welche Autoversicherung zahlt eigentlich bei Rock-Konzert-Schäden?

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