+
Wo heute noch das Juridicum steht, soll die neue Hochschule für Musik wachsen. 

Architektur

Frankfurt: Ringen um den Kulturcampus

  • schließen

Die Zeit drängt: Stadt und Land müssen sich jetzt auf einen gemeinsamen Architektenwettbewerb verständigen.

Es war eine Vision. Fast zehn Jahre sind vergangen, seit die damalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und Hessens scheidender Finanzminister Karl-Heinz Weimar (CDU) den Plan eines Kulturcampus öffentlich präsentierten. Auf dem alten Gelände der Goethe-Universität in Frankfurt-Bockenheim sollte ein Nebeneinander von weltweit renommierten Kulturinstituten, Wohnen und Arbeiten entstehen. Erst jetzt tritt dieses Projekt in eine entscheidende Phase.

Land Hessen und Stadt Frankfurt müssen sich auf einen gemeinsamen Architekturwettbewerb für das Herzstück des Kulturcampus verständigen. Eine neue Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) soll im Süden des alten Campus gebaut werden – ein Projekt des Landes – und direkt daneben ein „Zentrum der Künste“, ein Vorhaben, das die Stadt eingebracht hat.

Hier will Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) allerdings nur noch das „Frankfurt LAB“ unterbringen, in dem Moderne Musik, Tanz und Theater Probe- und Aufführungsmöglichkeiten bekommen sollen. Nördlich der Bockenheimer Landstraße, auf einem dreieckigen Tortengrundstück neben dem Bockenheimer Depot, sollen die anderen Kultur-Institutionen des Zentrums der Künste unterkommen, also etwa die Junge Deutsche Philharmonie. Hartwig möchte diesen Teil erst wesentlich später entwickeln – und sie will auch prüfen, ob dort die Städtischen Bühnen ein Interims-Quartier beziehen könnten.

Für die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Grüne), stellt das ein Problem dar. „Das Tortengrundstück nördlich der Bockenheimer Landstraße bliebe damit zunächst außen vor – und damit auch die weiteren Nutzerinnen und Nutzer des Zentrums der Künste, die in der gemeinsamen Machbarkeitsstudie von 2018 dort angedacht waren.“

Aus Sicht der Ministerin wären „wesentliche Initiativen damit vorerst ausgeschlossen“. Das würde „die Voraussetzung für den Kulturcampus stark verändern“, so die Ministerin gegenüber der FR. Die Politikerin der Grünen zeigt sich „in großer Sorge, dass die gemeinsame Entwicklung des Kulturcampus zwischen dem objektiven Zeitdruck des Landes und der HfMDK einerseits und dem anhaltenden Diskussionsbedarf aufseiten der Stadt zerrieben wird.“

Die Ministerin hat deshalb „Gesprächsbedarf“ bei der Kulturdezernentin angemeldet. Ina Hartwig dagegen berichtet von „sehr konstruktiven Gesprächen mit dem Land“. Sie ist zuversichtlich, dass der gemeinsame Architektenwettbewerb von Stadt und Land zustande kommt.

Im Gespräch mit der FR unterbreitet die Kulturdezernentin der Landesregierung sogar ein Angebot. Das Zentrum der Künste könnte laut Hartwig vom städtischen Wohnungsbaukonzern ABG realisiert werden. Das Frankfurt LAB könnte dann den Neubau anmieten. Stadt und Land sollten das Gebäude am Ende dann „durch eine entsprechende Erhöhung ihrer Zuschüsse finanzieren“, so die SPD-Politikerin.

Das berührt eine besonders heikle Frage: die Finanzierung des Zentrums der Künste. Sie ist ungeklärt.

Der Präsident der Musikhochschule, Elmar Fulda, hatte 2019 im Interview mit der FR die Kosten auf 60 Millionen Euro beziffert. Fulda drängt wegen der starken Raumnot der heutigen Musikhochschule an der Eschersheimer Landstraße in Frankfurt auf eine Lösung.

Aus Sicht der Frankfurter Kulturdezernentin ist die Finanzierung „eine gemeinsame Sache von Stadt und Land“. Schließlich sei das Frankfurt LAB auch ein Zuschussempfänger beider Seiten. Ministerin Dorn äußert sich zur Finanzierung nicht.

In dieser verfahrenen Situation ist es schwierig, Optimismus zu zeigen. Stefan Mumme versucht es unverdrossen. Der Jurist, der bundesweit als „der Theateranwalt“ bekannt ist, hatte vor neun Jahren den Verein „Forum Kulturcampus“ gegründet und vertritt alle betroffenen Kulturinstitutionen des „Zentrums der Künste“. Mumme hofft noch immer, dass sich Land und Stadt verständigen und im Frühjahr der gemeinsame Architektenwettbewerb ausgeschrieben wird. Geschieht das nicht, wird die Stadt jetzt von der Entwicklung des Kulturcampus ausgeschlossen werden. Die Zeit drängt. Das Land muss den Wettbewerb für den Neubau der Hochschule nun auf den Weg bringen, ein Flächenbedarf von 14 000 Quadratmetern hat Präsident Fulda angemeldet.

Für das Zentrum der Künste haben die renommierten Frankfurter Architekturbüros D. W. Dreysse und Tektonik-Architekten ein Raumprogramm mit 9700 Quadratmetern Fläche erarbeitet. „Dieses Raumprogramm legt seit September dem Land vor, das Raumprogramm der Hochschule haben wir bis heute nicht“, beklagt die Kulturdezernentin.

Am Donnerstag, 6. Februar, sitzen die Kulturdezernentin, Hochschulpräsident Fulda, Anwalt Mumme und der Geschäftsführer des Ensemble Modern, Christian Fausch, bei einer Podiumsdiskussion zusammen (ab 19 Uhr im Kulturzentrum Titania, Basaltstraße 23 in Frankfurt).

Die SPD als Veranstalter hat nur eine Beteiligte nicht eingeladen: Ministerin Dorn. Keine guten Voraussetzungen für eine Einigung.

Von Claus-Jürgen Göpfert

CDU-Politiker in Frankfurt kritisiert SPD: Thomas Dürbeck, der kulturpolitische Sprecher der CDU in Frankfurt, macht Kultur-Dezernentin Ina Hartwig (SPD) Vorwürfe - im Haushalt sieht er "keinen Cent" für den Kulturcampus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare