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Senioren-Rikscha vor dem Römer, hier: Passagierin Iracy des Almeida Cardia und Fahrer Heinz Fuchs.  

Aktion

Frankfurt: Rikschafahren gegen die Einsamkeit

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Die Malteser starten ein neues Projekt für Senioren. „Wind in den Haaren“, heißt die Aktion. Die Idee kommt aus Dänemark. Es ist die ersten Senioren-Rikscha in Frankfurt

Die Testfahrt am Römerberg mit der ersten Senioren-Rikscha in Frankfurt hat erstmal nicht so die idealen Wetterbedingungen, es ist nasskalt nach dem Regen. Aber das Test-Paar lacht fröhlich und friert auch nicht, während es am Donnerstagmittag gefahren wird. „Es ist kuschlig warm Dank der Decke“, sagt Ircay des Almeida Cardia. Ihr Beifahrer Michael Hess nickt und sagt: „Die Fahrt würde auch der Dame, mit der ich ein Mal die Woche etwas unternehme, weil sie alleine mit ihrer Arthrose schwer raus kann, viel Spaß machen.“ Hess arbeitet ehrenamtlich beim Malteser Besuchs- und Begleitungsdienst.

Des Almeida Cardia war dort früher auch aktiv. Sie testen an diesem Tag für die zukünftigen Beifahrerinnen und Beifahrer. Seit 20 Jahren besuchen Ehrenamtliche der Frankfurter Malteser alleinstehende, oft einsame Senioren. Dieser Besuchsdienst wird jetzt ergänzt um eine Senioren-Rikscha. Im Mai, wenn das Wetter wärmer ist, sollen die Rikscha-Fahrten losgehen. „Wind in den Haaren“, heißt die Aktion der Malteser. Die Idee dazu hatte der frühere „HitRadioFFH“-Chef Hans-Dieter Hillmoth, der das Projekt koordiniert. „Die Aktion kommt aus Dänemark. Dort gibt es solche Ausfahrten für Senioren seit 2012 in mittlerweile über 100 Orten. Wir wollten diese Aktion nach Frankfurt holen und suchen jetzt ehrenamtliche Rikscha-Pilotinnen und Piloten jeden Alters, die Lust haben mitzumachen“, sagt Hillmoth.

Rikscha mit Sicherheitsgurten

Keine Sorge, die Rikscha mit Sicherheitsgurten und einfachem Einstieg hat zur Unterstützung einen Elektromotor. Finanziert hat das Fahrzeug die Frankfurter Volksbank. „Um die 10 000 Euro“ habe sie gekostet. Eine gewisse Fitness als Pilotin oder Pilot sei wichtig. Aber das reicht nicht: „Man muss auch Lust haben zu kommunizieren“, betont Hillmoth. Es geht nämlich nicht nur darum, dass die Älteren frische Luft schnappen, sondern auch, dass die Seniorinnen und Senioren mit jemandem reden können. Annette Lehmann, Stadtbeauftragte der Malteser, betont: „Einsamkeit ist gegen unsere Natur. Das wirkt sich negativ auf Körper und Seele aus. Der gesellschaftliche Wandel hat zur Folge, dass immer mehr ältere Menschen alleine leben. In Frankfurt sind 60 000 Einwohner älter als 75. Bundesweit leben im Schnitt ab dem 85. Lebensjahr drei von vier Frauen und einer von drei Männern alleine.“

Rikscha-Piloten gesucht

Wer Lust und Laune hat, gelegentlich als Rikscha- Pilot zu fahren, sollte sich melden über info@malteser-frankfurt.de. Das Alter der künftigen Pedaleure spielt keine Rolle.

Es gibt zwei Infoabende zur Auswahl: Am 1. April oder am 8. April jeweils um 18 Uhr beim Malteser Hilfsdienst, Schmidtstraße 67. rose

Viele hätten keine Kinder oder zumindest keine Kinder in der Nähe und oft sei der Lebenspartner bereits gestorben. „Dazu kommt die Anonymität der Großstadt und wenig Rente. Da ist es nicht möglich, zweimal die Woche Kaffeetrinken zu gehen, wenn das Geld knapp ist“, sagt Lehmann. Die Rikscha-Fahrten seien so auch kostenlos.

Mit der Rikscha könnten sie für ein bis zwei Stunden dem Alltag entfliehen, was erleben. Ob am Main entlang, oder noch einmal durch ihnen bekannte oder neue Stadtteile. „Die Piloten bekommen auch vorab ein Fahrtraining. Das ist schon ein anderes Fahren. Man kann da nicht scharf um die Kurve. Sanft bremsen ist auch wichtig. Aber wir werden auch schöne Fahrrouten vorschlagen“, sagt Hillmoth.

In Deutschland gründe sich aktuell die Initiative „Radeln ohne Alter“, ein Dachverband, der die Rikscha-Initiativen vor Ort unterstütze. In Frankfurt sei die Malteser-Rikscha die bisher erste und einzige. Martina Borger, Pflegewissenschaftlerin an der Frankfurt University of Applied Sciences, will in Frankfurt sogar einen eigenen Verein „Radeln ohne Alter“ gründen.

Auch deshalb und weil sie gerne ehrenamtlich arbeitet startet sie bald als Malteser-Rikscha-Pilotin. „Ich mag es, an der frischen Luft zu sein, radele gerne und will diese Freude daran auch gerne mit älteren Menschen teilen“, so Borger. „Außerdem freue ich mich, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, es ist ja auch bereicherend, wenn sie aus ihrem eigenen Leben erzählen.“

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