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Rundgang im Straßenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein bei den „Tagen der Industriekultur“. 

Kultur

Frankfurt und Rhein-Main: Kulturregion will weiter wachsen

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Der Zusammenschluss von 53 Städten und Kreisen hofft, das Wiesbaden, Mainz und der Main-Kinzig-Kreis dazukommen. Er bündelt Ausstellungen in 104 Museen.

Die Kulturregion Frankfurt-Rhein-Main wird in diesem Jahr 15. Und so wie ein Jugendlicher sein Potenzial entwickelt, will auch die Kulturregion ihre Stärken ausbauen. Dies sind die Vernetzung und die Vermarktung von Kulturangeboten aus mittlerweile 53 Kommunen und Landkreisen in Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg.

Die Kulturregion bündelt Ausstellungen in 104 Museen, zehn Museen mehr als im Vorjahr, in einem Gebiet, das von Lorch am Rhein im Westen bis Bad Orb im Osten, von Laubach im Norden bis Miltenberg im Süden reicht. 3,3 Millionen Menschen wohnen in diesem Gebiet, das entspricht der halben Einwohnerzahl Hessens.

Wer dieses Gebiet durchfährt von Westen nach Osten, legt 100 Kilometer zurück. Man brauche aber nicht unbedingt ein Auto, sagte Sabine von Bebenburg, Geschäftsführerin der Kulturregion, bei der Vorstellung des Programms.

„Wir arbeiten mit unserem Partner, dem Rhein-Main-Verkehrsverbund, gut zusammen.“ Der RMV biete schon jetzt die Rhein-Main-Card an. Fünf Personen reisten für 46 Euro durchs RMV-Gebiet, eine Person zahle 29 Euro, außerdem gebe es Ermäßigungen in zahlreichen Museen.

Allerdings umfasst das Ticket längst nicht alle teilnehmenden Ausstellungshäuser. „Die Idee für eine Museumskarte existiert, aber derzeit hoffen wir noch auf günstigere Winde“, sagte sie. Günstigere Winde. Dieses Wort benutzt Sabine von Bebenburg gleich zweimal.

Beim Blick auf die Karte, in der die Teilnehmer der Kulturregion verzeichnet sind, fallen drei weiße Flecken auf, in Wiesbaden, Mainz und dem Main-Kinzig-Kreis. „Es schmerzt uns natürlich sehr, dass gerade die Landeshauptstädte nicht dabei sind“, sagte die Geschäftsführerin. Diese könnten von den Besuchern, die aus der Region in die Museen kämen, profitieren; Gespräche über eine Teilnahme liefen.

Günstige Winde vorausgesetzt stehe auch dem Main-Kinzig-Kreis vielleicht bald das nötige Budget zur Verfügung, um sich an der Kulturregion zu beteiligen.

Pro Einwohner zahlen die Teilnehmer zwölf Cent, die Finanzierung wurde kürzlich von zehn Cent pro Einwohner angehoben. 3,3 Millionen Einwohner mal zwölf Cent, das macht ein Budget von 396 000 Euro im Jahr.

„Das ist ein vergleichsweise kleines Budget“, sagte die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), die Aufsichtsratsvorsitzender der Kulturregion ist, gemeinsam mit Thomas Will, Landrat des Kreises Groß-Gerau. Gerechnet auf die Einwohnerzahl verfügt Hartwig über das größte Kulturbudget der deutschen Städte. Rund 210 Millionen Euro.

Fast die Hälfte kommt dabei den Städtischen Bühnen, der Alten Oper, der Kunsthalle Schirn und dem Künstlerhaus Mousonturm zugute, die ein Publikum weit über die Stadtgrenzen hinaus nach Frankfurt ziehen. Weil sich das Land Hessen, anders als bei seinen Staatstheatern, nicht an diesen enormen Posten beteiligt, hofft Hartwig, dass das Land bei dem Antrag zur Kulturregion guten Willen zeigen wird.

Das Wasserkraftwerk Griesheim ist eines von vielen Gebäuden, das sich bei den „Tagen der Industriekultur“ besichtigen lässt.

„Wir haben einen Antrag beim Land gestellt, die Kulturregion nun auch institutionell zu fördern“, sagte sie. Wenn die Kulturregion im Dezember ihren Geburtstag feiere, bringe das Land hoffentlich ein entsprechendes Geschenk mit.

Neben dem 96 Seiten starken Programmheft, das alle Ausstellungen der teilnehmenden Museen bündelt, und das vielerorts kostenlos ausliegt, organisiert die Kulturregion in diesem Jahr weitere Großveranstaltungen.

Los geht es von 12. bis 23. März mit dem Theaterfestival „Starke Stücke“ für ein junges Publikum, das 31 Orte in der Rhein-Main-Region bespielt. Theatergruppen aus 13 Ländern reisen dafür an, die Aufführungen sind für alle Altersgruppen geeignet, vom Kleinkind bis zu Jugendlichen und den Erwachsenen. In Frankfurt bespielt das Planetenparty Prinzip und das TaO! Theater erstmals das Zoo-Gesellschaftshaus, in dem das neue Kinder- und Jugendtheater in Frankfurt entstehen soll. „Das Space Maze Game“ heißt die partizipative Aufführung, die die Besucher einlädt, die Handlung in einer „Weltraumarche“ mitzubestimmen.

Der Frage, wie Kleidung die gesellschaftlichen Konventionen spiegelt, gehen rund 60 Veranstaltungen unter dem Titel „Kleidung, Freiheit, Identität gestern und heute“ nach. Projektleiterin Magdalena Zeller erinnerte an den Skandal, den die Bundestagsabgeordnete Lenelotte von Bothmer im April 1970 auslöste, als sie als erste Frau den Bonner Bundestag im Hosenanzug betrat. „Das war ein bewusster Tabubruch mit der männlichen Konvention“, sagte sie. Auch den Herstellungsbedingungen der Kleidung, die wir tragen, gingen die Veranstaltungen nach.

Das Programm von Garten Rhein-Main rückt von April an die heimischen Tiere und Pflanzen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Unter dem Titel „(G)Artenvielfalt“ werden rund 600 Veranstaltungen angeboten.

Von 8. bis 16. August finden die Tage der Industriekultur, die Führungen zu Industriedenkmälern anbietet, unter dem Motto „Umwelt gestalten“ statt. Während rauchende Schornsteine und autogerechte Städte früher als Sinnbild von Aufschwung und Fortschritt galten, sind heutzutage Nachhaltigkeit, umweltgerechte Produktion und Klimaschutz wichtiger denn je. Für Kinder und Jugendliche organisiert die Kulturregion die „Route der Industriekultur junior“ von April bis Oktober, die im vergangenen Jahr 3000 Teilnehmer zählte.

Theater: 19 „Starke Stücke“

Das Theaterfestival „Starke Stücke“ zeigt vom 12. bis 23. März insgesamt 19 Inszenierungen in 31 Theatern, Bürgerhäusern, Stadthallen, Jugendzentren, Schulen und Privatwohnungen in Frankfurt und der Region.

Ab 2 Jahren: „Boks“ dreht sich um eine eigenartige Box, in der zwei sich zurechtfinden müssen, zu sehen (Friedberg, Darmstadt, Kronberg).

Ab 3 Jahren: In „Four Go Wild in Wellies“ tanzen vier Darsteller in Bommelmützen, Schals und Gummistiefeln (Rüsselsheim, Darmstadt, Frankfurt).

Ab 4 Jahren: „Elektrische Schatten“ setzen eine kuriose Maschine in Gang (Dreieich-Sprendlingen, Eschborn).

Schüler proben für das Festival „Starke Stücke“ 2016. 

Ab 5 Jahren: In „Down Tiger Down“ will der Tiger eine Torte backen (Frankfurt).

Ab 10 Jahren: „Silence“ geht der Stille nach (Privatwohnungen in Frankfurt).

Ab 13 Jahren: „Das Space Maze Game“ nimmt Teilnehmer in die Weltraumarche mit, (Zoo-Gesellschaftshaus Frankfurt).

Für jedes Alter: Comedy-Performace „I am Somebody (Sprendlingen, Aschaffenburg), „Vu“ - ein Mann trinkt Tee (Bad Homburg, Obertshausen, Frankfurt, Bad Vibel), „Shake Shake Shake“ - alles ist in Bewegung (Frankfurt). fle

Kleidung: 60 Events zum Thema „Kleidung, Freiheit, Identität gestern und heute“

Das Programm „Geist der Freiheit“ der Kulturregion geht in diesem Jahr dem Thema „Kleidung, Freiheit, Identität gestern und heute“ in 60 Veranstaltungen nach. Zum Beispiel hier:

Mit „Step by step. Schuh.Design im Wandel“ zeigt das Deutsche Ledermuseum noch bis 31. Mai 150 Schuhe aus allen Zeiten und Ethnien. Frankfurter Straße 86, Offenbach.

Modejournalismusforscherin Diana Weis spricht über „Selbstinszenierung 4.0. Modebilder im Netz“, am 28. Januar, 18 Uhr, in der Hochschule für Gestaltung. Eintritt frei. Marktplatz, Offenbach.

Neun Näherinnen aus Bangladesch und Kambodscha porträtiert die VHS-Ausstellung „Ich mache deine Kleidung! Starke Frauen aus Südostasien“, ab 13. Februar. Luitpoldstraße 2, Aschaffenburg.

Das Museum Rheinheim blickt auf die Mode der 1920er zurück, ab 20. Februar. Kirchstraße 41, Rheinheim.

„Repicturing Homeless“ ist der Titel einer Schau im Haus St. Martin ab 28. Februar, bei der Obdachlose schick angezogen und gestylt wurden. Frankfurter Straße 43, Hattersheim.

Das Historische Museum Frankfurt zeigt ab 19. März „Kleider in Bewegung. Frauenmode seit 1850“, Saalhof 1, Frankfurt.

Das Museum Angewandte Kunst blickt auf die Sammlung der Mode-Ikone Michelle Elie in „Michelle Elie wears Comme de Garcons“, ab 3. April, Schaumainkai 17, Frankfurt. fle

Museen: Ausstellungen in 104 Häusern

Die Kulturregion zeigt in diesem Jahr Ausstellungen in 104 Museen. Eine kleine Auswahl:

Das Kirchnerhaus Museum Aschaffenburg, das Geburtshaus des expressionistischen Malers Ernst Ludwig Kirchner, zeigt noch bis 1. März „Blickwechsel: Kirchner - Picasso“. Ludwigstraße 19, Aschaffenburg.

Das Museum Gotisches Haus geht ab 16. Februar auf die Spur von Friedrich Hölderlin, der vier Jahre lang in Bad Homburg lebte, und zeigt in „Hölderlin - ein geprägtes Bild“ zeitgenössische Kunst sowie Münzen und Medaillen, die sich mit Hölderlin auseinandersetzen. Tannenwaldweg 102, Bad Homburg.

Das Historische Museum am Strom bereitet eine Sonderschau zur mittelalterlichen Universalgelehrten Hildegard von Bingen vor, mit dem Titel „zwischen Prophetie und Politik“, die ab Herbst gezeigt werden soll. Museumsstraße 3, Bingen.

Dem „Kraftwerk Block Beuys“, einer Sammlung von 290 Objekten, widmet sich das Hessische Landesmuseum Darmstadt ab 14. Februar. Es ist das weltweit größte Werkensemble von Joseph Beuys. Friedensplatz 1, Darmstadt.

In Frankfurt werden die Städel-Ausstellung „Nennt mich Rembrandt!“, ab 9. Dezember (Schaumainkai 63) und „Fantastische Frauen. Surreale Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo“ in der Schirn Kunsthalle (Römerberg) ab 13. Februar die Besucher anziehen.

Kunstwerke von Hans Arp, Lucio Fontana, Hermann Goepfert, Ernst Wilhelm Nay sowie Briefwechsel mit den Künstlern sind ab 16. Mai in der „Sammlung Fritz Usinger“ im Wetterau-Museum zu sehen. Haagstraße 16, Friedberg.

Dem sich wandelnden Frauenbild von den 1950er Jahren bis heute geht die Ausstellung „Busy Girl - Barbie macht Karriere“ nach, ab 17. Mai, im Hessischen Puppen- und Spielzeugmuseum. Parkpromenade 4, Hanau-Wilhelmsbad. 

„Hölle & Paradies. Der deutsche Expressionismus um 1918“ ist im Stadtmuseum Hofheim zu sehen, ab 30. August. Burgstraße 11, Hofheim. fle

Zur Sache: Die Programme

Die Programmhefte zu „Museen und Sonderausstellungen 2020“ in der Kulturregion Frankfurt Rhein-Main, zum Theaterfestival „Starke Stücke“ und zu „Kleidung, Freiheit, Identität gestern bis heute“ stehen im Internet kostenlos zum Download zur Verfügung: www.krfrm.de

Außerdem liegen sie in den beteiligten Museen, Spielstätten, Rathäusern, Bürgerbüros und Touristen-Infos aus. Die Veranstaltungsübersicht zu „(G)Artenvielfalt“ wird im April, das Programm zu „Tage der Industriekultur“ im Sommer veröffentlicht. fle

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