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Tisch reserviert: Restaurants in Frankfurt verlangen künftig Geld, wenn Gäste nicht erscheinen.

Strafe für geschwänztes Dinner

Tisch reservieren und nicht erscheinen: Frankfurter Restaurants verlangen künftig Geld von Gästen

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Frankfurter Restaurants verlangen künftig Geld, wenn Gäste einen Tisch reservieren und dann nicht erscheinen.

Frankfurt - Die Frankfurter Gastronomen machen Ernst. Die Initiative Gastronomie Frankfurt (IGF) kündigte jetzt an, für nicht wahrgenommene Reservierungen künftig Geld von den Kunden zu verlangen. Denn solche „No Shows“-Gäste, die einen Tisch reservieren, dann aber nicht erscheinen oder absagen, seien mittlerweile ein großes Problem. 

Der IGF-Vorstandsvorsitzende Madjid Djamegari sagte zur Begründung: „Mit der Einführung der No-Show-Rate möchten wir die Gäste nicht vergraulen oder bestrafen, sondern lediglich ein besseres Bewusstsein für die Problematik schaffen.“

Frankfurt: Restaurant verlangt künftig Geld, wenn Gäste nicht kommen

Der IGF gehören 81 Gastronomiebetriebe in Frankfurt an, darunter die Gerbermühle, das Roomers, das Ginko und das Moriki. Auch Thomas Klüber, dem die Restaurants Walden und Oosten gehören, beteiligt sich an dem Vorstoß. „Wir machen das im Oosten schon seit geraumer Zeit“, sagt er. Im Walden in der Innenstadt sei die Problematik wegen der vielen Laufkundschaft nicht so groß, aber im Oosten im Ostend komme es immer wieder vor, dass große Tische leer blieben.

Klüber berichtet auch von einer „Frankfurter Unsitte“ im Geschäftsleben: Vorstandsdamen reservierten in mehreren Restaurants gleichzeitig, damit die Chefs sich kurzfristig aussuchen könnten, wo sie speisen möchten.

Die Initiative

Die Initiative Gastronomie Frankfurt wurde Ende 2015 ins Leben gerufen, um die Interessen der Branche zu vertreten und zu stärken. Aktuell gehören der IGF 81 Restaurants, Bars und Clubs an.

Für die Einführung einer No-Show-Rate hatten sich 80 Prozent der Mitglieder ausgesprochen. Die Umsetzung erfolgt unterschiedlich und nicht zeitgleich.

Als Folge ist in einigen Restaurants eine Tischreservierung nur noch online möglich.

Die Höhe der sogenannten No-Show-Rate ist den einzelnen Betrieben selbst überlassen. Klüber nimmt bei größeren Gruppen 20 Euro. Andere Gastronomen wollen noch wesentlich mehr Geld von ihren Nichtgästen. Im Franziska im Henninger Turm werden bei Nichterscheinen pro Person 80 Euro fällig.

„Wir haben dadurch praktisch keine No-Shows mehr“, sagt Inhaber Christian Mook, der aber einräumt, dass er die Gebühr nicht verlange, „wenn dem Stammgast die Großmutter stirbt“. Mook hatte die Gebühr schon in früheren Jahren erhoben, dann aber aus rechtlichen Gründen zunächst wieder Abstand davon genommen.

In der Tat ist das Thema rechtlich „durchaus komplex“, sagt Julius Wagner, Rechtsanwalt und Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga Hessen. Es gelte die Datenschutzgrundverordnung und „das klassische AGB-Recht“ einzuhalten.

Die Dehoga begrüßt indes den Vorstoß aus Frankfurt. Der Verband hatte seinen 4000 Mitgliedern schon im vorigen Jahr empfohlen, sich mit dem sensiblen Thema zu beschäftigen, und dazu auch ein Merkblatt verfasst.

Frankfurt: In Restaurant Tisch reservieren und nicht erscheinen kostet Geld

„Wer eine Reservierung tätigt, schließt einen Vorvertrag“, betont Wagner. Der Gast erwarte bei einer Tischreservierung schließlich auch, dass der Tisch für ihn zum gewünschten Zeitpunkt zur Verfügung stehe. Die Unsitte, in mehreren Restaurants gleichzeitig zu reservieren, gebe es vor allem in der Vorweihnachtszeit, wenn Firmenfeiern anstünden, sagt Wagner.

Dabei handelt es sich der Dehoga zufolge auch keinesfalls um ein reines Frankfurter Problem. Auch in Darmstadt und Kassel gibt es bereits Restaurants, die auf das Nichterscheinen angekündigter Gäste reagiert haben. In Berlin, so Wagner, seien solche Gebühren übrigens bereits eine Selbstverständlichkeit und fielen „teilweise saftig“ aus. Letztlich aber stehe eher der „pädagogische Gedanke“ im Vordergrund.

Von Oliver Teutsch

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