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Der Großgastronom Christian Mook hat gerade mit Krazy Kraken seinen 5. Laden eröffnet.  

Porträt der Woche

Der Frankfurter Restaurant-Sammler – Christian Mook eröffnet neues Lokal

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Christian Mook versorgt Frankfurt immer wieder mit ambitionierter Klientel-Gastronomie.

Er gehört zu den großen Zampanos in der Frankfurter Gastronomieszene und er ist ein Gastronom aus Leidenschaft. Christian Mook arbeitet nach eigenem Bekunden 18 Stunden am Tag und radelt abends mit dem E-Bike seiner Frau seine Restaurants im Westend ab. 180 Mitarbeiter beschäftigt die Mook-Group derzeit. Der 49-Jährige versichert allerdings: „Ich hatte nie den Wunsch zu expandieren oder viel Personal zu haben, die Restaurants haben sich eher ergeben wie Autounfälle.“

Bis zu seinem ersten „Unfall“ war der Sachsenhäuser im Vertrieb beschäftigt. Zunächst unter den Fittichen seines Vaters im Koffergeschäft. Aber darauf hatte der Filius nicht so recht Lust. Da er kunstinteressiert ist, betätigte er sich lieber als Kunsthändler und war auf vielen Messen in den USA.

Von Frankfurts erstem Steakhaus bis zum Surf'n Turf

„Die viele Pendelei war hart und abends habe ich mich dann am liebsten mit einem Steak belohnt.“ Zu jener Zeit, vor etwa 25 Jahren, war Mook „sehr verrückt nach Steaks“. Zurück in Frankfurt habe er aber kein adäquates Steakhaus gefunden. Also eröffnete er 1997 im Westend das Morton’s, heute „M-Steakhouse“. „In Frankfurt gab es damals nur Gaucho-Steakhäuser, wir haben das als eine Art Notwehr aufgemacht“, sagt Mook.

Frankfurts erstes Steakhaus für Besserverdiener nach amerikanischem Vorbild lief von Anfang an sehr gut. „Da war immer Rambazamba.“ Mook präsentierte das Fleisch am Tisch selbst. Den unmittelbaren Kontakt zu den Gästen hat er auch gut 20 Jahre später noch gerne. „Ich habe so viel Administratives zu tun, da ist kellnern für mich wie eine Belohnung.“

Da sein Steakhaus so gut lief, musste er nicht lange überlegen, als ihm zwei Jahre später im Grüneburgweg ein Lokal angeboten wurde. Dort zog mit dem „Surf’n Turf“ – Mooks zweites Restaurant – ein, wodurch die Arbeit nicht weniger wurde.

Auch der „Ivory Club“ in Frankfurt ist Mooks Idee gewesen

Der 49 Jahre alte Gastronom Christian Mook betreibt sechs Restaurants in Frankfurt.

Zuletzt hat er das „Franziska“ im Henninger-Turm und das Fischrestaurant „Krazy Kraken“ im Grüneburgweg eröffnet.

Vielleicht hätte der Gastronom seine Frau Michaela nie kennengelernt, wenn sie nicht irgendwann im M-Steakhouse aufgetaucht wäre. Nach zehn Jahren als Vegetarierin hatte sie mal wieder Lust auf ein Steak. Nicht nur in der Hinsicht konnte Mook helfen. Als Michaela, großer Fan der indischen Küche, sich beschwerte, es gebe in Frankfurt keinen richtig exquisiten Inder, hob Mook den „Ivory Club“ in der Taunusanlage aus der Taufe. „Meine Restaurants spiegeln immer meine aktuelle Stimmung wider“, erzählt Mook.

Seine Inspiration holt er sich auf Reisen. „Wenn es irgendwo auf der Welt eine Neueröffnung mit einem neuen Konzept gibt, schaue ich mir die an.“ Er fotografiert jedes Essen, das er in einem Restaurant zu sich nimmt, um Verbesserungspotenzial für die eigene Präsentation und Komposition der Gerichte zu erkunden.

„Ich kriege viel angeboten, da ich dafür bekannt bin, die Miete pünktlich zu zahlen“

Als Mook 2009 das riesige „Zenzakan“ eröffnete, muss er in der Stimmung für panasiatisches Essen gewesen sein. Doch die Eröffnung steht zunächst unter keinem guten Stern, durch die Pleite der Lehman-Bank und die Krise der Finanzbranche bleibt das gut betuchte Publikum aus. „Das war die schwerste Zeit damals, ich musste privates Geld zuschießen, damit wir über die Runden kamen“, erzählt der Unternehmer.

Mook überstand diese Durststrecke, ohne eines seiner Restaurants schließen zu müssen. Im Gegenteil, 2012 eröffnete er mit dem „Mon ami maxie“ ein französisches Bistro. Das Restaurant ist in der ehemaligen Postfiliale auf der Bockenheimer Landstraße untergebracht. Als er das Objekt angeboten bekam, waren die Decken noch abgehängt. „Ich kriege viel angeboten, da ich dafür bekannt bin, die Miete pünktlich zu zahlen“, sagt Mook. Benannt hat er das Bistro in der Post nach seiner älteren Tochter Maxima, auf die Idee dazu brachte ihn das „Mon ami Gabi“ in Las Vegas.

Im Westend entsteht Mooks sechstes Restaurant

Sein sechstes Restaurant, „Franziska“, benannte Mook nach seiner Großtante, die einst am Fuße des Henninger Turms gewohnt hatte. Seine anderen Läden sind alle im Westend. Aber beim „Franziska“ im 39. Stock des Henninger Turms machte Mook im vergangenen Jahr eine Ausnahme. „Ich hätte es einfach nicht sehen wollen, wenn es jemand anderes gemacht hätte“, gesteht er.

2019 gibt es eine Premiere: Erstmals schließt Mook eines seiner Restaurants. Natürlich nur, um in den Räumen umgehend ein neues Restaurant aufzumachen. „Das ,Surf’n Turf‘ ist der einzige Laden, der nicht so gut lief“, berichtet Mook. Da er in Frankfurt mittlerweile ohnehin einen „Steakhouse-Overkill“ sieht, hat er nun das Fischrestaurant „Krazy Kraken“ im Grüneburgweg eröffnet. Das Vorbild dafür war der Fischereihafen in Hamburg. Das „Krazy Kraken“ ist komplett in Weiß gehalten, die Gäste bekommen Seezunge aus der Nordsee, pochierten Island-Barsch oder einen Meeresfrüchte-Eintopf kredenzt.

Ein Zampano in Frankfurt mit eigenem Magazin und vollmündigen Ankündigungen

Sein Imperium hat Mook auch um ein eigenes Magazin erweitert. Dort spart der Zampano nicht mit vollmundigen Ankündigungen. Er selbst bezeichnet sich dort als „kulinarischen Trailblazer, Herzblutwirt und systemkritischen Bonvivant“, sein neues Restaurant ist nicht weniger als „die neue Game-Changer-Venue“, die „komplett im glamourösen Maison-Blanche-Stil ausgestattet wurde“.

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Manch einem wird bei solchen anglizistisch überladenen Superlativen vielleicht ein bisschen schwummrig, aber Mook hält dem entgegen: „Klappern gehört zum Geschäft.“ Dazu scheint auch zu gehören, dass Mook der Stadt Frankfurt das ein oder andere Restaurant „geschenkt“ hat. Das wiederum habe aber einen seriösen Hintergrund. Denn ein Restaurant wie das „Franziska“ im Henninger Turm sei wegen der aufwendigen Logistik gar nicht mit Gewinn zu betreiben. „Es gibt Profitrestaurants und Trophyrestaurants“, sagt Mook.

Gastronomie in Frankfurt: lieber klotzen statt kleckern

Viel Profit sei mit Gastronomie ohnehin nicht mehr zu machen, betont der Mann, der bei der Einrichtung seiner Läden lieber klotzt als kleckert. In seinem Magazin oder in Gastbeiträgen für Branchenblätter schimpft Mook über die unfaire Fiskalpolitik, industriell gefertigte Convenience-Produkte der Großkonzerne und „die groteske Überbürokratisierung“.

Genug von der Gastronomie hat der Frankfurter deswegen noch lange nicht. Nachdem er eines seiner Restaurants leichtfertig nach seiner älteren Tochter Maxima benannt hat, meldet sich nun häufiger die jüngere Tochter Cosima zu Wort. „Ich bekomme Druck, eins werde ich wohl noch aufmachen müssen“, sagt Mook.

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