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Stefano, ein Mitarbeiter im Rustico in der Großen Friedberger Straße, bereitet vor. Morgen geht's nach fast acht Wochen los. foto: Sauda

Gastronomie

Frankfurt: Restaurants, Bars und Cafés öffnen – Kleine Starthilfe für Wirte

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Ausgehen in Frankfurt: Restaurants, Kneipen und Cafés öffnen. Sie dürfen sogar mehr Tische rausstellen. Dennoch sehen Branchenkenner schwarz.

  • Restaurants, Kneipen und Cafés in Frankfurt dürfen ab Freitag (15.05.2020) weider öffnen
  • Strenge Auflagen machen den Frankfurter Gastronomen das Leben schwer
  • Die Stadt Frankfurt kommt ihnen entgegen – doch reicht das als Hilfe?

Frankfurt - Der eingeschränkte Lockdown geht zu Ende. Ab Freitag (15.05.2020) können die Gastronomen ihre Restaurants und Kneipen in Frankfurt wieder öffnen. Nicht nur das: Die Stadt unterstützt sie unbürokratisch. Dies wurde am Mittwoch (13.05.2020) bekannt. Demnach können Gastwirte, die eine Außengastronomie beantragt haben, ihre Fläche kostenlos erweitern. Etwa 2000 Anträge bearbeitet das Amt für Straßenbau und Erschließung jährlich, etwa 3000 Gastronomen gibt es insgesamt in Frankfurt.

"Die Gastronomie wurde durch den Lockdown hart getroffen und hat mit den Lockerungen der Auflagen nun die Chance, den Sommer und den Herbst zu nutzen, um trotz Abstandsregelungen einen größeren Umsatz zu generieren", sagte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD).

Frankfurt: Restaurant dürfen mehr Tische nach draußen stellen

Die neue Regel gilt ab sofort, befristet bis 31. Oktober. Auch eine zweite Regel gilt: Jeder Frankfurter Gastronom kann, sofern das Wetter es zulässt, seine Außengastronomie auch bis zu zwei Monate nach Ende der Genehmigung offenhalten. Die meisten Genehmigungen enden im oder Ende Oktober. Demnach könnte man bis zum Jahresende im Freien sitzen. Wie gesagt - falls das Wetter es zulässt.

Für die Gastronomen könnte es eine große Erleichterung sein. Kerstin Junghans, Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Frankfurt, war gestern sehr erleichtert, fast glücklich. "Wir - die IHK, der Dehoga und andere - haben im Krisenstab schwer für eine solche Lösung gekämpft", sagte sie. "Dass die Stadt uns so weit entgegenkommt, ist großartig." 

Frankfurt: Nicht alle Kneipen und Cafés öffnen sofort wieder

Junghans erläuterte: Es gibt in der Gastronomie die Fünf-Quadratmeter-Regel. Soll heißen: Gastflächen im Innen- und Außenraum werden durch fünf geteilt. So viele Gäste darf ein Haus höchstens bedienen. "Das ist für kleine Kneipen mit 50 Quadratmetern ein Problem, denn mit zehn Gästen rechnet es sich nicht." Deswegen werden auch am Freitag nicht alle Gastronomiebetriebe in Frankfurt öffnen.

An der Fünf-Quadratmeter-Regel ändert sich ebenso wenig wie an dem unbedingten Gebot, dass zwischen zwei Plätzen eineinhalb Meter Abstand sein muss. Jedoch steigt die Zahl der möglichen Gäste, wenn die Fläche außen größer wird. Dies hat die Stadt Frankfurt mit ihrem Entschluss jetzt ermöglicht.

Frankfurt: Neue Herausforderungen für Gastwirte mit Außenflächen

Junghans glaubt: Es könnten auch mehr Tische draußen aufgestellt werden, wenn mehr Platz eingenommen werden kann. Die Regel der Erweiterung der Außenfläche betrifft solche Gastronomen, die keinen eigenen Biergarten und dergleichen haben, sondern auf dem Bürgersteig bedienen. Natürlich müssen sie weiterhin Feuer- und Rettungswege freihalten, aber sie dürfen mit Einwilligung der Nachbarn vor deren Haus bedienen. Vorausgesetzt, dass Fußgänger weiter passieren können. Sogar auf Parkplätze können die Gastronomen aus Frankfurt ihre Tische stellen, sofern es nicht Anwohnerparken oder bewirtschafteter Parkraum ist.

Giuseppe Greco bereitete gestern im Rustico, einem seiner fünf Lokale, die Öffnung vor. "Vorher konnte ich 400 Gäste bedienen, jetzt mit der Fünf-Quadratmeter-Regel sind es nur 40", schätzt er. Von der Regel wurde er gestern überrascht und konnte sie noch nicht in seine Kalkulation einbeziehen. Die meisten seiner Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.

Gastronomie-Expertin aus Frankfurt: „Jeder dritte Wirt muss aufgeben“

Die Situation der Gastronomie insgesamt ist sehr kritisch. Kerstin Junghans schätzt, dass jeder dritte Gastwirt aufgeben muss: "Ich glaube, der Umsatz wird anfangs nur 30, 40 oder 50 Prozent der Vergangenheit sein. Viele Gastronomen haben ihre Mieten gestundet, Kredite aufgenommen, Sozialversicherungsbeiträge gestundet bekommen. Das müssen sie jetzt alles nachzahlen - und das bei weniger Umsatz." Ohne schnelle Hilfe, beispielsweise durch einen Fonds des Landes, werden viele Kneipen schließen.

Das Signal, das die Stadt Frankfurt gegeben hat, sei deshalb richtig. "Aber insgesamt kann ich nicht zufrieden sein", sagte Junghans. Viele Details seien zu beachten, wenn die Restaurants am Freitag wieder öffnen. So müssten die Speisekarten mehrmals täglich desinfiziert werden. "Die Alternative: Man schreibt die Gerichte mit Kreide auf eine Tafel oder stellt es ins Internet, zugänglich mit QR-Code", so Junghans. Viele Lokale in Frankfurt bieten auch weiterhin einen Lieferservice an

tjs

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