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Frankfurt hat einen neuen Park: Viel Natur, eine Kinderfarm und der neue DFB-Campus

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Von: Thomas Stillbauer

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Feierliche Eröffnung in Niederrad: Frankfurt hat den neuen Park auf dem ehemaligen Gelände der Rennbahn eröffnet. Eine Attraktion muss noch warten.

Frankfurt - „Alles im grünen Bereich“, sagt Thorsten Zeller. Er sagt es nicht nur, er reimt es, jedenfalls viel von dem, was er zu sagen hat. „Vor drei Wochen war hier nix grün“, sagt er, „jetzt hat es geregnet, jetzt ist es grün.“ Und dass die Stadt hier keineswegs darüber spreche, den Grüngürtel enger zu schnallen. „Die weiten ihn aus.“

Ein wenig Poetry Slam von Zeller gehört dazu am Samstag (24. September), dem Tag, an dem Frankfurt einen neuen Park bekommt. Früher hatte die Stadt eine Rennbahn, jetzt hat sie einen Rennbahnpark. Gut ein Jahr ist seit dem Baustart nun vergangen. Die Kinder aus der Frauenhofschule, die aus ihren Klassenzimmern praktisch in den Park gucken können, finden das so gut, dass sie ihm ein Ständchen bringen: ihr Schullied. „Wir sind Kinder dieser Schule – Kinder aus der Frauenhofschule.“ Sehr rhythmisch, fast schon gerappt. Respekt, yo.

Frankfurt und der Klimawandel: Menschen brauchen Orte, an denen sie Erleichterung von der Hitze finden

Ganz besonders zufrieden ist an diesem Tag die Frankfurter Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Wo man auch ist, strahlt die Stadträtin gerade vorbei. Zur Eröffnung sagt sie den durchaus zahlreich erschienenen Gästen, „das ist der schönste Park, den es gibt. Place to be Nummer 2“. Der zweite Platz, an dem man unbedingt sein muss, Nummer 1 sei der Hafenpark. Und wichtig, weil der Klimawandel nach Orten verlangt, an denen die Menschen Erleichterung von der Hitze finden. Bäume gehören zwingend dazu; Bäume, die etwas aushalten in der Klimakrise, sollen hier wachsen.

Einmalig: der Spielplatz in Rennbahnoptik und die Jockeygeneration von morgen.
Einmalig: der Spielplatz in Rennbahnoptik und die Jockeygeneration von morgen. © Monika Müller

Warum ist er so super, der Park? Man könnte die Schafe fragen, die sich um die Pflege des naturschutzmäßig sehr wertvollen Sandmagerrasens kümmern, ihres Zeichens „Bergschafe“ des Hirten Pascal Berg, aber die sind gerade beschäftigt; auch die sportlichen jungen Leute, die an der Calisthenics-Anlage turnen, Pardon: an der „sagenhaft guten Calisthenics-Anlage“ (Heilig). Und die Kinder auf dem Spielplatz („einmalig auf der Welt“, die Pferdeanmutung der Spielgeräte) haben jetzt auch keine Zeit.

Fragen wir also Sieghard Pawlik, den ehrenamtlichen Stadtrat, der den verhinderten Planungsdezernenten Mike Josef (beide SPD) vertritt. „Dieser Park ist Ausdruck der Lebensqualität für Frankfurt“, er sei parteiübergreifend in der Stadt auf Zustimmung gestoßen, er sei „ein Projekt, für das alle gekämpft haben“.

DFB-Campus und ein Park: So wird das alte Gelände der Rennbahn in Frankfurt künftig genutzt

Wenn allerdings der Deutsche Fußball-Bund nicht gekommen wäre und nach einem Grundstück für seine Akademie, für seinen DFB-Campus gefragt hätte, gäbe es den Park womöglich gar nicht, sagt Pawlik. Die Akademie, die die andere Hälfte des früheren Rennbahngeländes einnimmt, eher etwas mehr als die Hälfte.

„Das war nämlich so“, erzählt Winfried Naß, der DFB-Projektleiter, „2014 bin ich angerufen worden vom DFB-Präsidenten, komm rüber und bau uns die Akademie!“ Heute stünden auf dem Geländeteil der Fußballer 150 Bäume mehr als zuvor. „Wir waren die Ersten, die die Schafe hierhergebracht haben.“

DFB mit neuer Anlage: „Dieser Rasen hat das Frauennationalteam starkgemacht“

Eigentlich sei es um die Schwalben gegangen, sagt Naß. „Wenn die Schwalben zurückkommen, brauchen sie Baumaterial, also sollten die Schafe möglichst viel da hinmachen.“ Womit die Illusion zerstört ist, Schwalben bauten ihre Häuser aus Lehm. Zumindest Rennbahnschwalben. Es hat jedenfalls hingehauen, die Schwalben sind immer noch da, in den früheren Stallungen, und die Fledermäuse auch.

Eröffnungsmoderator Christian Setzepfandt kann es sich nicht verkneifen: Die Fußballnationalmannschaft sei am Vorabend ja nicht so gut gewesen. 0:1 gegen Ungarn. „Das hatte aber nichts mit der Anlage hier zu tun. Dieser Rasen hat das Frauennationalteam zur EM starkgemacht.“

ZAHLEN & FAKTEN

Größe: Neun Hektar öffentliche Grünfläche, neun Hektar Bannwald, fünf Hektar DFB-Erweiterungsfläche, die aktuell noch zur öffentlichen Nutzung zur Verfügung steht. Zum Vergleich: Der Grüneburgpark hat 26, der Ostpark 32 Hektar.

Schutzgüter: Bannwald als Waldschutzgebiet mit besonderem Schutzstatus; Sandmagerrasenflächen mit Sandgrasnelke als gesetzlich geschütztes Biotop; geschützte Höhlenbäume mit Vorkommen von Heldbockkäfer; Schwalben und Fledermäuse im Bereich der Gebäude.

Bürgerbeteiligung: Von Oktober 2015 bis Juli 2016 wurden Ideen und Wünsche gesammelt. Den Bürgerinnen und Bürgern war etwa wichtig, den Teich zu erhalten, Sandmagerrasenflächen zu schützen, die Parkränder dicht zu bepflanzen. Sie wünschten sich originelle Spielgeräte, die die Erinnerung an die Rennbahn wachhalten sollten, sinnvoll angeordnete Fitnessanlagen, eine Kinderfarm, Toiletten und einen Kiosk. An einer Onlineumfrage beteiligten sich Anfang 2016 etwa 1000 Personen. Die teils gewünschte nächtliche Beleuchtung aus Sicherheitsgründen wurde abgelehnt – aus Umweltschutzgründen.

Kinderbeteiligung: Im November 2019 gaben auch Kinder der Frauenhofschule bei einem Workshop ihre Wünsche zu Protokoll. Verwirklicht wurden unter anderem: ein Kletterlabyrinth in Form von Starterboxen der Rennbahn, ein hoher Turm mit langer Rutsche, ein Drehelement, Schaukeln, ein Sandspielbereich für kleine Kinder, ein Bolzplatz, Tischtennisplatten.

Gebäude: Zwei Rennbahngebäude – alte Pferdeställe – wurden übernommen, der Rest abgerissen. Drinnen: Nistkästen für Schwalben, außen Fledermauskästen. Wünsche: Café, Gastronomie, Toiletten, Nutzung durch die geplante Kinderfarm. Das Blumengeschäft am Rande des Parks muss perspektivisch umziehen.

Teich: Weil die Teichfolie erneuert werden musste, zogen die Bewohner – Kois – in den Bethmannpark um. Der Teich erhielt eine Flachwasserzone, einen mit einer Pergola überstandenen Steg mit Sitzstufen als Treppe zum Wasser und Natursteinelemente aus Sandstein. Die meisten Teichränder werden dicht bewachsen sein.

Die Sanddünen, den Schwanheimer Dünen nachempfunden, sind Gestaltungselement im Park. Sie haben einen Ausguck über die Weite des Parks und Wegeverbindung aus einzelnen Betonbohlen, die im Lauf der Zeit ihre Position verändern. Wie? Die Planerinnen und Planer sind gespannt.

Gesamtkosten: 5,4 Millionen Euro.

Ausführende Firmen: August Fichter Garten- und Landschaftsbau, Raunheim; Stahlbauarbeiten: Breitenbach Stahl- und Metallbau GmbH, Miltenberg.

Quelle: Grünflächenamt Frankfurt

Rennbahnpark in Frankfurt eröffnet: Reitmotive, Rundumblick, Bratwurst und Apfelwein

Die Sonne scheint über dem neuen Park, der Teich mit seiner kleinen bootsstegartigen Plattform deutet an, welch Idyll da im Frühjahr mit bewachsenen Ufern entstanden sein wird. Alle wollen auf die steil in den Himmel ragende Gangway mit Reitmotiven, die einen Rundumblick übers Gelände gewährt. Dazu Bratwurst. Dazu Ebbelwei.

Blick über den Park. Links hinten das DFB-Gelände, rechts das leerstehende chinesische Hotel.
Blick über den Park. Links hinten das DFB-Gelände, rechts das leerstehende chinesische Hotel. © Monika Müller

Viele haben geholfen. Volker Rothenburger natürlich, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, war ein wichtiger Teil des Teams und hat nicht nur ein Auge darauf gehabt, dass die Stadtnatur zu ihrem Recht kommt. „Es ging bis hin zu Farbgebung des Ballfangzauns.“ Grellrosa wäre bei ihm nicht durchgegangen.

Baumarten aus Südeuropa hingegen seien willkommen, sagt Karin Mosch vom Grünflächenamt, etwa die immergrüne Steineiche, die „den Anforderungen der Klimakatastrophe, die auf uns zukommt“, standhalten könnten. So eine Rennbahnparkeröffnung ist durchaus auch eine Stunde der klaren Worte.

Ehemalige Rennbahn in Frankfurt: Neuer Park ist gut für die Natur - und schmackhaft für die Schafe

Das Theater Antagon beehrt den Ort zur Feier des Tages und es gibt Führungen. Volker Rothenburger zeigt Wissenswertes zu Flora und Fauna auf dem Areal. Parkplanerin Susanne Gonsior-Hahmann vom Grünflächenamt führt mit Christian Setzepfandt durchs Halbrund und erklärt etwa den Aufbau: Der äußere Ring auf dem Gelände ist die ehemalige Rennbahn.

Soll auch in Zukunft den wertvollen Sandmagerrasen pflegen: wollenes Mähpersonal.
Soll auch in Zukunft den wertvollen Sandmagerrasen pflegen: wollenes Mähpersonal. © Monika Müller

Im Osten, zur Kennedyallee hin, steht Bannwald. Darin darf nichts gebaut, nicht mal ein neuer Weg angelegt werden. Im Inneren des Parks, auf dem Golfplatz von einst, wachsen jetzt Sandmagerrasen und Grasnelken, das ist gut für die Natur. Und schmackhaft für die Schafe.

Aber da es sich hier um eine Führung mit Christian Setzepfandt handelt, lernt man auch etwas Historisches. Die Griechen hätten schon vor 2600 Jahren Pferdesport betrieben, die Frankfurter etwas später, so um die 1840er Jahre. Es gab ein offenbar gigantisches Hippodrom mit Dressurreitveranstaltungen und natürlich die Rennbahn mit bis zu 30 Renntagen jährlich und Großen Preisen und großen Hüten, „aber zum Schluss ging es dem Rennsport nicht mehr so gut“.

Frankfurt: Kinderfarm im Rennbahnpark wird erst im Frühjahr 2023 eröffnet

Was ist eigentlich mit der Kinderfarm? Die soll doch auch zum Rennbahnpark gehören. Noch werden da am Samstag nur Hühner und Schafe aus Holz bemalt, statt echte Tiere zu hüten, damit Stadtkinder sie kennenlernen können. „Das Gesamtprojekt muss noch einmal durch die Bauaufsicht“, seufzt Farmgründerin Filiz Kürbis, das habe die Bürokratie jüngst mitgeteilt. Im Frühjahr, hofft sie, könnte es endlich so weit sein, dass die Farm eröffnet. Eine wichtige Partnerin hat sie auf alle Fälle: Dezernentin Heilig verspricht vor versammeltem Publikum, der Kinderfarm zu helfen, die Hürden zu nehmen, die noch im Weg stünden.

Apropos Hürden. Nicht alle fanden es anfangs so toll, dass die Pferde weichen müssen, damit die DFB-Fußballer in ihre Akademie galoppieren können. Mit dem Ergebnis sind die meisten aber inzwischen zufrieden, vor allem Projektleiter Winfried Naß. „Die Alternative wäre die Eselswiese in Rüsselsheim gewesen“, sagt er. Da klinge Frankfurter Pferderennbahn doch besser. (Thomas Stillbauer)

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