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„Reichsbürger“ nisten sich im Riederwald ein

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Von: Fabian Böker

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Für ein Mitglied des Vereins sind diese Schriftzüge Brandmarkungen, wie sie Juden im Dritten Reich erlitten hätten.
Für ein Mitglied des Vereins sind diese Schriftzüge Brandmarkungen, wie sie Juden im Dritten Reich erlitten hätten. © Rolf Oeser

Der umstrittene Verein Lebensglück bietet jetzt Vorträge an. In einem Video wird die Attacke auf das Gebäude mit der Judenverfolgung im Dritten Reich verglichen.

Frankfurt – In der Debatte um den Umgang mit dem der „Reichsbürger“-Bewegung nahestehenden Verein Lebensglück, der im Riederwald ein nicht mehr genehmigtes Lokal betreibt, melden sich jetzt auch Vertreter und Vertreterinnen der Frankfurter Politik zu Wort. Tenor: Die ABG als Vermieterin muss handeln.

So fordert Michael Müller, Fraktionsvorsitzender der Linken im Römer, „die ABG muss umgehend alle Hebel in Bewegung setzen, um diese Truppe vor die Tür zu setzen. Die Gefahr der sogenannten Reichsbürger darf nicht bagatellisiert werden“. Dies hätten nicht zuletzt die Umsturzpläne und die Vorbereitung eines Staatsstreichs unter der vermeintlichen Rädelsführerschaft eines Frankfurter Adeligen gezeigt.

Dem stimmt Ursula Busch, Fraktionsvorsitzende der Frankfurter SPD, zu. „Wir erwarten, dass die ABG jetzt tätig wird, sie kann sich da nicht zurückziehen.“ In die gleiche Richtung geht Nico Wehnemann von der Partei Die Partei. Die ABG sei Eigentümerin und müsse hier tätig werden. Seine Fraktion werde „in der nächsten Stadtverordnetenversammlung das Thema auf die Tagesordnung setzen und bei einer Aktuellen Stunde den zuständigen Dezernenten und SPD-Oberbürgermeisterkandidaten Mike Josef in die Pflicht nehmen“, so Wehnemann weiter.

„Reichsbürger“ im Riedewald: ABG sind die Hände gebunden

Für ABG-Geschäftsführer Frank Junker hat sich aber die Situation nicht verändert. „Wir können nur gegen den Hauptmieter, die Betreiber des früheren Chinarestaurants, vorgehen, denen die Untervermietung an den Verein untersagt wurde. Wir werden jeden zivilrechtlichen Schritt gehen, aber im Rahmen des Rechtsstaats. Und das kann manchmal eben etwas dauern.“

An dieser Bewertung hat auch die Farbattacke auf das Gebäude nichts geändert. In der vergangenen Woche hatten Unbekannte die Parolen „Faschos verpisst euch“ und „Reichsbürger!!“ auf die Fassade gesprüht. Die ABG hat laut Junker Strafanzeige gestellt. Sollte niemand ermittelt werden können, muss die Wohnungsgesellschaft ABG die Kosten für die Reinigung selbst zahlen.

Farbattacke in Frankfurt: Vereinsmitglied vergleicht Situation mit Judenverfolgung

Auch David Ekwe Ebobisse, exponiertes Mitglied des Vereins, hat auf die Farbattacke reagiert. In einem Video auf Telegram sagt er wörtlich, mit Blick auf die Graffitis: „Das sind Brandmarkungen, wie sie bei den Juden im Zweiten Weltkrieg stattgefunden haben. Man hat ihnen ein bestimmtes Label gegeben, hat ihre Läden verbrannt oder angezündet. Und das passiert jetzt mit diesem Vereinsheim.“

Der Verein selbst scheint derweil nicht daran zu denken, kurzfristig auszuziehen. Ganz im Gegenteil, er veröffentlicht mittlerweile einen Veranstaltungskalender, organisiert Vorträge und Workshops. Der erste Vortrag findet am kommenden Freitag statt. Dann referiert Daniel Hock zum Thema „Finanzielle Freiheit und Kryptos“. Der Eintritt kostet 20 Euro, Karten gibt es wie immer über die „Dr. Raw“-Homepage von Ekwe Ebobisse, temporäre Mitgliedschaft im KRD inklusive.

Referent Hock verspricht im Internet „finanzielle Freiheit in 36 Monaten“, auf Telegram teilt er Verschwörungstheorien zum Thema Impfen oder ruft zur Teilnahme an einer Demo in Wien auf, auf der es gegen „Asylflut“, „Impftote“ oder den „Great Reset“ geht und auf der mit Martin Sellner ein führender Kopf der Identitären Bewegung redet. (Fabian Böker)

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