1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Regionalen Früchten frönen

Erstellt:

Von: Steven Micksch

Kommentare

Die kleine Miria streichelt die Wald-Ziege Shari.
Die kleine Miria streichelt die Wald-Ziege Shari. © Michael Schick

Das Frankfurter Event „Der wahre Wert des Lokalen“ zeigt, dass lokale Produkte viele Vorteile für Mensch und Natur bieten. Eine Rückbesinnung kann für viele Branchen eine Chance sein.

Selbst den beiden Ziegen Shari und Giselle ist es am Sonntagvormittag zu regnerisch. Statt in ihrem kleinen Gehege auf der Frankfurter Konstablerwache stehen sie lieber im trockenen Anhänger. Auch die Zweibeiner schreckt der Regen und so ist der Besucheransturm am „Tag der Regionen“ zunächst überschaubar. Die Erkenntnisse über den „wahren Wert des Lokalen“ schmälert das aber nicht.

Wer sich über die beiden Thüringer Wald-Ziegen in einer hessischen Großstadt wundert, hat gut aufgepasst. Doch der Hof der beiden liegt in Linsengericht im Main-Kinzig-Kreis. Dort hat Ziegenbauer Tobias Groh das Sagen und züchtet die alte, vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse, die weniger Milch, aber mehr Fleisch gibt. 50 Milch gebende Tiere plus Nachzucht hat er. „Die Menschen haben den Blick für das Nahe verloren“, konstatiert er. Viele Kundinnen und Kunden würden bei ihm nach internationalen Käsesorten fragen. Groh bietet aber nur regionale deutsche Sorten an. „Wir sollten uns wieder mehr auf das Regionale besinnen. Die aktuelle Zeit zeigt, wie fragil der Welthandel ist.“

Das Regionale wieder schätzen lernen – genau aus diesem Grund hat Feyza Morgül vom Verein Transition Town Frankfurt den Tag organisiert. Finanzielle Unterstützung erhielt sie vom Stadtmarketing und vom Kulturamt. Etwa 30 Anbieter:innen mit Fokus auf lokale Ernährung oder die Verarbeitung der Produkte sowie regionale Kunsthandwerker:innen sind gekommen. Auch darstellende Künstler:innen und Vereine, die nachhaltig agieren, sind dabei. Der gesamte Tag ist plastikfrei.

Zudem sind die Frankfurter Repair Cafés mit dabei. Das Angebot, mechanische oder elektrische Kleingeräte zu reparieren statt sie wegzuwerfen, ist mittlerweile in vielen Stadtteilen vertreten. Reparateur Walter Jahn erklärt, dass die Nachfrage enorm sei. Das Bewusstsein, nicht mehr alles gleich neu zu kaufen, habe bei den Menschen zugenommen. Momentan sucht das Angebot weitere Reparateure, die sich ehrenamtlich engagieren wollen.

Bei einer Podiumsdiskussion erklärte Julia Krohmer, Wissenschaftskoordinatorin bei der Senckenberg Gesellschaft, dass in einer global vernetzten Welt der Wasserverbrauch, die Emissionen und der Verlust von Biodiversität nur in entfernte Regionen verlagert werden, wenn man Obst und Gemüse aus jenen Ländern kaufe. „Wir nehmen es dann nicht mehr wahr.“ Doch am Ende schade es allen.

Tim Noller möchte mit seinem Team die Regionalwährung Maingold in Frankfurt an den Start bringen. Damit könne die Kaufkraft in der Region bleiben, weil Kund:innen, Händler:innen und Lieferant:innen alle die Währung nutzen, sagt er. So entstehe ein Kreislauf. Anfang nächsten Jahres soll eine Pilotphase beginnen.

Martin Metzler vom Öko-Weingut Metzler sagte, dass er versuche, alte Rebsorten wieder zu reaktivieren. Da diese robuster seien, könnten sie geeignet sein, um den Weinbau erfolgreich durch die Klimakrise zu führen.

Auch interessant

Kommentare