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Vom wilhelminischen Schauspielhaus ist kaum noch was übrig.
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Vom wilhelminischen Schauspielhaus ist kaum noch was übrig.

Städtische Bühnen

Frankfurt: Rechtsamt lehnt Bürgerbegehren für rekonstruiertes Schauspiel ab

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
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In einem zwölf Seiten langen Gutachten, das der Frankfurter Rundschau vorliegt, wirft das Rechtsamt der Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus eine „Irreführung“ der Bürgerinnen und Bürger vor.

Das Rechtsamt hat das Bürgerbegehren der Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus zur Rekonstruktion des wilhelminischen Schauspiels von 1902 abgelehnt. Das Gutachten liegt der Frankfurter Rundschau vor.

Zur Begründung heißt es, das Bürgerbegehren mache teilweise irreführenden Angaben und stelle die Kosten falsch dar. So suggeriere die Überschrift „Rettet das Schauspielhaus“, ein existierendes historisches Gebäude möge erhalten bleiben. Dabei seien weder die Städtischen Bühnen von 1963 gemeint noch ein – nicht mehr vorhandenes Gebäude – von 1902. Vielmehr gehe es darum, ein neues Gebäude zu errichten, das äußerlich an das kaiserzeitliche erinnere und die wenigen erhaltenen Mauerreste und Verzierungen einbette.

Irreführend sei auch die Behauptung, das Schauspielhaus von 1902 sei im Krieg nur beschädigt und 1962 teilweise abgerissen worden. Luftbilder von 1945 zeigten jedoch das Ausmaß der Zerstörung. Die Inneneinrichtung des Zuschauerraums, die Bühne und Hinterbühne und fast alle Nebengebäude waren demnach ausgebrannt. „Hier liegt aus unserer Sicht eine gezielte Irreführung der Bürgerinnen und Bürger vor“, führt das Rechtsamt aus.

Erhalten seien heute noch 25 Prozent der Rohbausubstanz, zehn Prozent der Außenarchitektur, sieben Prozent der Baudekoration und ein Prozent der Inneneinrichtung. Authentische Reste von 1902 seien noch in „engen, fast unzugänglichen Installationsschächten“ vorhanden.

Kosten zu niedrig angeführt

Problematisch sei auch die Annahme, der heutige Theaterbetrieb könne in einem rekonstruierten Schauspielhaus aufgenommen werden. So sei die Bühne heute etwa doppelt so groß wie damals. Es gebe Seiten- und Nebenbühnen, die es früher nicht gab, und ohne die ein moderner Theaterbetrieb nicht möglich sei. Im historischen Grundriss gebe es kaum Platz für Werkstätten, Magazine, Büros, ein öffentliches Foyer. Veranstaltungsorte wie die Kammerspiele, die Box, der Chagallsaal und die Panoramabar fielen bei einer Rekonstruktion weg. „Ein moderner Spielbetrieb ist in einem auf Basis des historischen Seeling-Baus rekonstruierten Gebäude nicht darstellbar“, heißt es weiter.

Bei der Kostenschätzung hatte die Initiative circa 426 Millionen Euro angegeben. Allerdings sei darin die Mehrwertsteuer nicht enthalten, moniert das Rechtsamt. Auch sei die Baupreissteigerung höher als angenommen. So kämen Kosten von rund 500 Millionen zustande – 74 Millionen Euro mehr, als die Initiative angegeben habe. Auch rechne die Stabsstelle Städtische Bühnen in einer Variante mit Kosten von 362 Millionen Euro für Abbruch, Neubau und Interim für das Schauspiel, also weniger als 500 Millionen Euro wie bei einer Rekonstruktion.

„Im Ergebnis sind in den Berechnungen der Aktionsgemeinschaft gravierende Fehler festzustellen“, heißt es. Die Kosten seien nicht stichhaltig gedeckt. „Das Bürgerbegehren sei „insgesamt unzulässig und daher abzulehnen“. In einer ersten Reaktion begrüßte Thomas Bäppler-Wolf (SPD) „das vernichtende Urteil“ des Rechtsamts.

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